Erinnerungskultur

In über 156 Jahren haben zahlreiche Menschen für den Barmer Verschönerungsverein gearbeitet, oft ehrenamtlich und durch den Einsatz ihrer Freizeit und im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten. Ohne diese Personen wären die Barmer Anlagen nicht der zweitgrößte Park Deutschlands in bürgerschaftlichem Besitz und in einem trotz knapper Geldmittel bemerkenswert gutem Zustand.

In den ersten Jahren nach 1864 wurden den Vorsitzenden Denkmäler gewidmet, um deren Wirken über den Tod hinaus zu würdigen und die Erinnerung zu bewahren. Später wurden den Nachfolgern, weiteren Vorstandsmitgliedern und Förderern Wege, Plätze und Bänke gewidmet.

Die Biografien dieser Vorbilder blieben oft im Dunklen, wenn sie nicht aus anderen Gründen und wegen anderer Verdienste dokumentiert wurden. Dadurch gerieten viele verdiente Mitbürger in Vergessenheit.

Einer Anregung von Bernd Lamprecht, dem Vorsitzenden der Johann-Victor-Bredt-Gesellschaft mit inhaltlicher und technischer Unterstützung von dem Engagementförderer/ Andreas Romano Kath. Kirchengemeinde St. Antonius und Pate für Robert Barthels folgend, wurde am 5. Oktober 2020 im Barmer Verschönerungsverein unter dem Titel „Erinnerungskultur“ eine Kommission gegründet, die sich umfangreiche Recherchen vorgenommen hat. Vorsitzender der BVV-Kommission ist unser Vorstandsmitglied Klaus-Günther Conrads. (Es werden übrigens noch weitere Paten zur Mitwirkung gesucht. Interessierte können sich sehr gerne in der Geschäftsstelle des Barmer Verschönerungsverein melden.)


Nachfolgend beginnen wir damit Ihnen einige der Persönlichkeiten vorzustellen.
Weitere werden folgen. Seien Sie gespannt.

Barmer Köpfe - BVV Vorsitzende

Werlé, Wilhelm (Der erste Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Schüller, Otto (Der zweite Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Barthels, Robert (Der dritte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Budde, Otto (Der vierte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Neumann, Paul (Der fünfte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Vorwerk, Wilhelm (Der sechste Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Plutte, Ernst-Günter (Der siebte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Jung, Dieter (Der achte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Barmer Köpfe

Blank, Emil

Böger, Bernard

Bredt, Wilhelm August

Bremme, Hans

Dicke, Friedrich Wilhelm

Dörpfeld, Friedrich Wilhelm

Eisenlohr, Heinrich

Engels, August

Frowein, Heinz

Hefter, Werner

Herzog, Paul

Hoffmann, Erich

Hofmann, Rüdiger

Ibach, Rudolph

Jäger, Otto

Janssen, Heinrich

Langermann, Johannes

Langlie, Carsten

Lekebusch, Louis

Luhn, Pauline

Meisloch, Peter

Muckenhaupt, Peter

Ringel, Ludwig

Rittershaus, Emil

Röhrig, Emil

Rudoba, Kurt

Toelle, Ludwig Ernst

Ursprung, Albert

von Eynern junior, Friedrich

Vorwerk, Adolf

Vorwerk, Emma

Wahl, Ernst

Werth, Adolf

Wesenfeld, Paul

Weyhe, Joseph Clemens


Videoimpuls der Erinnerungskommission

des BVV finden Sie hier:

Video: Justizrat Dr. jur. Paul Wesenfeld auf Zeitreise und Besuch im 21. Jahrhundert in Wuppertal Barmen am Toelleturm

Video: Beate Bremme

Video: Willibrord Lauer

Video: Pauline Luhn

Video: Wilhelm August Bredt

Video: Beate Bremme begrüßt vom Balkon der Concordia aus Wuppertal

Video: Eine Kutschfahrt zu den Barmer Anlagen mit Klaus-Günther Conrads, R. Barthels und OB W. A. Bredt

Video: Emil Rittershaus – Deutscher Dichter aus Barmen

Video "Die Paulinenruhe erinnert an die Frau des Seifenfabrikanten Luhn"


Barmer Köpfe - BVV Vorsitzende

Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der erste Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Wilhelm Werlé

Ein Leben für Licht und frische Luft

Ein Stück Barmer Stadtgeschichte hat Wilhelm Werlé mitgestaltet. Seinen Verdiensten gemäß wurde ihm in Heckinghausen eine Straße gewidmet und der Barmer Verschönerungsverein stiftete ein Denkmal in den unteren Barmer Anlagen.

Zur Person

Wilhelm Werlé wurde am 26. September 1804 in Wetzlar geboren. 1846 gründete er in seiner zweiten Heimat die "Barmer Gaserleuchtungsgesellschaft" und leitete sie auch nach Besitzübernahme durch die Stadt Barmen. In der "Deputation der Aktionäre der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft", die die Schienenstrecke durch das Wuppertal erbaute, übte er den Vorsitz aus. Politische Aktivitäten entfaltete er als Mitglied der Barmer Stadtverordnetenversammlung (1846-75), Beigeordneter (1840-46), Deputierter des Frankfurter Vorparlamentes (ab 1848) und liberales Mitglied im preußischen Abgeordnetenhaus (1856-62). Humanitäre Hilfe leistete er mit seinem sozialen Gewissen in der Armenverwaltung und im Vorstand der "Anstalt für verlassene Kinder", die ihr Domizil auf dem Grundstück des späteren Altenheimes an der Oberen Lichtenplatzer Straße hatte.

Erinnerung bewahren

Der Barmer Verschönerungsverein erinnert sich gerne an seinen ersten Vorsitzenden. Wilhelm Werlé gründete am 8. Dezember 1864 gemeinsam mit zwölf Barmer Fabrikanten und Kaufleuten (Barmens Oberbürgermeister Wilhelm August Bredt, Friedrich von Eynern jr., Robert Barthels, August Engels, Emil Blank (stellv. Vorsitzender), Johann Wilhelm Fischer (Kassierer), Oskar Schuchard, Carl Theodor Rübel, Friedrich Wilhelm Ostermann, Adolf Schlieper, Emil Wemhöner, Karl Wolff) eine der ersten Bürgerinitiativen "pro Natur und pro Grün".

Vorgeschichte

Frühere Wortwahl: Wie in manchen größeren Städten, so nimmt auch in der Industriestadt Barmen die Liebe zur schönen Gartenkunst in jedem Jahre einen erfreulichen Aufschwung. Ein sichtbares Zeichen hiervon geben die öffentlichen Anlagen und die Anlagen des Verschönerungsvereins.

Im Anfang der 1830er Jahre siedelte sich ein namentlich unbekannter Bürger in dem im Süden der Stadt auf den Höhen gelegenen Barmer Wald an. Er rodete einen kleinen Teil des Waldes aus und begann mit Ackerwirtschaft. Nach und nach wurden durch die Stadt weitere Strecken urbar gemacht, um Arbeitslosen Beschäftigung zu verschaffen.

Diese von Wald und Buschwerk gesäuberte Strecke gab Wilhelm Werlé den Gedanken ein, dort den Anfang der Verschönerungsanlagen zu machen. Wenn auch dieser Plan anfangs mit Achselzucken und Lächeln aufgenommen wurde, ließ sich Wilhelm Werlé doch nicht beirren und brachte durch die Unterstützung seiner Freunde und Mitbürger dahin, dass sein Plan allmählich überall reges Interesse fand. Die Gründung eines Verschönerungsvereins für Barmen wurde in einer Versammlung am 8. Dezember 1864 einstimmig beschlossen und Herrn Werlé das Amt eines ersten Vorsitzenden des Vereins übertragen.

Um 1900 ist das Denkmal für Wilhelm Werlé enthüllt worden. Es erinnert an den Gründungsvorsitzenden des BVV. Die Einzäunung ist in Verlust geraten. Für die Reparatur der Nase sucht der BVV einen Handwerker.

Lebensende und Denkmal

Erst der Tod stoppte am 28. August 1880 seinen Tatendrang für die Schaffung der Grünflächen und des Waldes im Barmer Süden - just zu einer Zeit der Frühindustrialisierung, als Fabriken und Wohnhäuser freie, grüne Flächen immer mehr aus der Stadt verdrängten und es für die Menschen kaum Erholungsraum gab. In seiner Amtszeit wurden die unteren Anlagen von Wiesen, Gestrüpp und Felsen in eine Parklandschaft umgewandelt und dem BVV 1873 die Rechte einer juristischen Person (mangels Vereinsregister) verliehen. Oberhalb des ehemaligen Schwanenteiches fand ein Denkmal zu Ehren Werlés seinen Standort, das am 21. August 1881 – vor 140 Jahren - enthüllt wurde. Es war bereits zu Lebzeiten Werlés geplant worden. Die überlebensgroße Marmorbüste steht auf einem zwei Meter hohen Sockel, geschaffen von dem Berliner Bernhard Afinger. Das als Einfassung gedachte kunstvolle Eisengitter ging im Zweiten Weltkrieg verloren.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der zweite Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Schüller, Otto

Uneigennützige Arbeit im Dienste der Gesellschaft

Das zu seinen Ehren 1902 in den unteren Barmer Anlagen errichtete Denkmal ist leider nicht mehr vorhanden und an seine Ehrenbürgerwürde erinnern sich Menschen eher selten. Selbst die nach ihm benannte „Ottostraße“ wird ihm nicht zugeordnet, weil nur sein Vorname genannt ist.

Allerdings hat die Bezirksvertretung Heckinghausen dafür gesorgt, dass das Straßenschild ergänzt wurde. Gemeint ist Otto Schüller, der von 1829 bis 1899 gelebt hat.

Biografisches

In ihrem Standardwerk „Denkmäler, Brunnen und Plastiken in Wuppertal“ zitiert Ruth Meyer-Kahrweg aus früheren Medien: „Otto Schüller wurde am 5. Oktober 1829 in Barmen geboren. Zu seinem Tod im 80. Lebensjahr am 30. November 1899 erschien dieser Nachruf: „Der Verstorbene ... hatte sich dem Kaufmannsstande gewidmet und war Chef des bedeutenden Commissions- und Exportgeschäftes, welche seine Firma trägt. Im Jahre 1867 zum Stadtverordneten gewählt, wurde er in der Sitzung vom 20. April 1869 gemeinsam mit Otto (Vorname Hugo ist falsch) Jäger, der ebenfalls Ehrenbürger der Stadt Barmen war, im Frühling 1896 aber bereits verstorben ist, einstimmig zum Beigeordneten gewählt. Die Amtseinführung fand am 6. Juli 1869 statt. In der Sitzung vom 28. März 1899 hatten die Stadtverordneten beschlossen, das Entlassungsgesuch zu genehmigen und Schüller einstimmig zum Ehrenbürger Barmens zu ernennen. Besonders große Verdienste hat sich Schüller um den Barmer Verschönerungsverein erworben, dem er seit seiner Gründung 1864 angehörte und dem er viele Jahre als Vorsitzender vorstand. Sein Name ist mit dem Emporblühen unserer herrlichen Anlagen aufs innigste verwachsen. Der König ehrte des Dahingeschiedenen Verdienst durch Verleihung des Rothen Adlerordens vierter Klasse und des Kronenordens 3. Klasse.“

Bürgerdenkmal

In einer Serie der „Bergischen Blätter“ über Wuppertaler Bürgerdenkmäler hat Rüdiger Steiner neben anderen Personen auch Otto Schüller porträtiert:

Den Anstoß für das nicht mehr vorhandene Denkmal gab Hugo Hoesch, ein ebenfalls 1899 verstorbenes Vorstandsmitglied des Barmer Verschönerungsvereins. Er vermachte dem Verein 9.000 Mark mit der Auflage, davon 3.000 Mark zum Andenken Schüllers in Form einer Büste, eines Bildes oder eines Denkmals zu verwenden. Den fehlenden Betrag zu den Denkmalkosten von 4.000 Mark brachten vermutlich andere Vereinsmitglieder auf. Mit der Anfertigung der Büste wurde der seit 1895 an der Barmer Werkkunstschule lehrende Bildhauer Wilhelm Giesecke beauftragt, der bereits zwei Jahre vorher die Büste für das Heinrich-Eisenlohr-Denkmal, das sich in den Unterbarmer Anlagen westlich der Oberbergischen Straße befindet, geschaffen hatte. Das Postament aus weißem Seyenit lieferte Stein- und Bildhauer Adolf Böckler.

Foto: Sammlung Jörg Schüller

Büste

Die Schüller-Büste aus weißem Carrara-Marmor war leicht überlebensgroß und ruhte auf einem etwa zwei Meter hohen Sockel aus schlesischem Marmor. Sockel und Büste enthielten mit ihrer vereinfachenden und dynamisierenden Gestaltung Anklänge des Jugendstils. Die eingemeißelte Inschrift lautete: „Otto Schüller, Ehrenbürger der Stadt Barmen, Vorsitzender des Verschönerungs-Vereins von 1880-1899“.

Seinen Abschluss fand das Denkmal durch einen runden Unterbau mit einem dekorativen Eisengitter, das nach dem Zweiten Weltkrieg mehrfach beschädigt und schließlich zerstört wurde.

Vermächtnis

Bei der Enthüllung der Büste am 28. April 1902 würdigte der Barmer Oberbürgermeister Dr. August Lentze Otto Schüllers Verdienste für die Barmer Anlagen und die Stadt Barmen. Sein Plädoyer kann stellvertretend für fast alle Bürgerdenkmäler gelten: „Möge das Bildnis von Otto Schüller einen jeden der zahllosen Besucher unserer Anlagen es zu Bewusstsein bringen, dass hier alles aus Bürgersinn und uneigennütziger Arbeit im Dienste der Gesamtheit geschaffen ist, möge sein Anblick einen jeden zu ähnlichem Thun begeistern und vor allen Dingen die kommenden Geschlechter anfeuern, es ihm gleich zu tun, in der selbstlosen Arbeit und Sorge für das gemeine Wohl!“

Kopf ab! Weg damit!

Leider haben öffentlich aufgestellte Vorbilder nicht immer Bestand, den sich ihre Initiatoren wünschen. 1945/6 schlugen Unbekannte den Kopf von der Büste ab und warfen ihn in einen nahe gelegenen Teich, wo er erst im August 1953 bei einer Entschlammung wiedergefunden wurde. Im April 1957 ist die Büste abermals vom Sockel gestürzt worden. 1968 formte das Vereinsmitglied Otto Pieper, Mitarbeiter von Vorwerk & Sohn, nach Resten des zerstörten Kopfes eine neue Büste, die auf dem alten Sockel montiert wurde. Nach erneuter Beschädigung zog der Verschönerungsverein das Denkmal 1983 Jahre endgültig ein.

Erinnerung

In der Traueranzeige für Otto Schüller wurde sein 19 Jahre währendes Engagement als BVV-Vorsitzender hervorgehoben: hervorragend, kraftvoll. „Unter seiner Führung wurde ein großer Teil der herrlichen Anlagen geschaffen, für deren Weiterentwicklung er stets bereit war, seinen persönlichen Einfluss nach jeder Richtung geltend zu machen.“

Familie Schüller wohnt noch heute im Stammhaus in der Reichsstraße 42. Die Firma ist durch die Bergisch-Märkische Eisenbahn überbaut worden. Die Familien Schüller und Toelle sind durch Heirat miteinander verwandt. Jörg Schüller betreibt heute den „Freizeitpark Fischertal“ mit Tennisplätzen, Miniaturgolfanlage und Biergarten.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der dritte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Barthels, Robert

Robert Barthels gehörte zu den Männern der ersten Stunde für die Barmer Anlagen

Robert Barthels wurde am 21. August 1836 geboren und lebte bis zum 9. März 1913. Er gründete am 8. Dezember 1864 den Barmer Verschönerungsverein mit und war bis 1888 Vorstandsmitglied. Anschließend wählten ihn die BVV-Mitglieder zum Schatzmeister.

Die Chronik war ihm eine Herzensangelegenheit. In der Galerie der bisher neun Vorsitzenden rangiert Robert Barthels an dritter Stelle: vom 30. November 1899 bis zu seinem Tod am 9. März 1913. Seine Erinnerung bewahrt der Verschönerungsverein im „Barthelsweg“, der in Form einer Allee angelegt wurde und vom Emil-Röhrig-Platz westwärts verläuft.

Concordia

In der 1801 gegründeten Barmer Gesellschaft „Concordia“ war Robert Barthels von 1875 bis 1883 Mitglied und Vorstand, von 1883 bis 1885 Direktor.

Barthels-Feldhoff immer ohne Robert Barthels

Durch eheliche und wirtschaftlich-finanzielle Verbindungen beider Familien ist das Unternehmen Barthels-Feldhoff entstanden. Der Großvater von Robert Barthels, Johann Matthias Barthels, hat Beatrix Feldhoff geheiratet und verschiedene Tätigkeiten in der schwiegerväterlichen Firma in Elberfeld übernommen. Sein Sohn Philipp hat auch in die Familie Feldhoff eingeheiratet.

Er war verheiratet mit Simonette Feldhoff.

Die Brüder Philipp Barthels (1794-1874) und Carl Barthels (1799-1866, Heirat mit Adelina von Eynern) haben 1829 die gemeinsame Eisengarn herstellende Firma Barthels mit finanzieller Unterstützung der Familie Feldhoff gegründet und der neuen Firma den Namen Barthels-Feldhoff gegeben.

1862 wurde die Firma vergrößert. In Derschlag/Gummersbach entstand eine neue Fabrik (Baumwollspinnerei). Die Leitung übernahm Carl Barthels unter dem Namen Barthels & Söhne. Seine Söhne Robert (21. August 1836 bis 6. September 1877) und Carl Hugo (1834-1909) haben die neue Firma mitgeleitet und später übernommen.

Neben der unternehmerischen Tätigkeit hat sich Robert Barthels gesellschaftspolitisch engagiert, so in der Gesellschaft Concordia und im Barmer Verschönungsverein.

Die Firma Barthels & Söhne gibt es heute nicht mehr. Die Firma Barthels-Feldhoff besteht noch heute an der Brändström- und Garnstraße, auf historischer Fläche auf dem Wupperfeld, wo einst der „Wupperhof“, einer der frühesten Höfe Barmens („Beyenburger Amtsrechnung“ von 1466), gestanden hat und wurde ab 1862 von dem Vetter von Robert Barthels (Kommerzienrat Philipp Barthels) weitergeführt.

Das repräsentative Wohnhaus der Familie Barthels an der Berliner Straße 100 wurde zur Friedrich-Engels Allee 384 transloziert und bildet zusammen mit den Engelshäusern an der Engelsstraße ein Ensemble.

In der BVV-Kommission „Erinnerungskultur“ hat Andreas Romano die Patenschaft übernommen und tritt gelegentlich als „Robert Barthels“ auf.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der vierte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Textilfabrikanten und Förderer – Otto Budde Senior und Junior

In der Barmer Familie Budde war der Vorname Otto obligatorisch. Eigentlich handelte es sich nur um den dritten Vornamen nach Ernst Wilhelm, der jedoch zum Rufnamen wurde. Otto Budde und sein Sohn waren Besitzer der Stückfärberei Budde & Müller bzw. Otto Budde & Co.

Foto: Familienarchiv

Der Senior lebte vom 12. Oktober 1834 bis 10. August 1905. Der Junior wurde am 3.3.1868 geboren und verstarb am 7.7.1936. Von 1913 bis 1932 war Letzterer der vierte Vorsitzende von bisher neun des Barmer Verschönerungsvereins. Otto Budde sen. hatte die 1885 eingeweihte „Budde-Treppe“ am unteren Ende der Eichenallee zwischen dem oberen Teil der Barmer Anlagen und dem Ringeltal, die später durch eine Fußgängerbrücke über die stark befahrene Untere Lichtenplatzer Straße ersetzt wurde, gestiftet. 1931 wurde die Eichenallee, deren Neupflanzung von 1995 bis 1998 erfolgte, nach Otto Budde jun. benannt.

 

In leitender Funktion

1865 beschloss der geheime königliche Kommerzienrat Wilhelm Meckel, auf seinem Fabrikareal im sogenannten Bezirk Springen in der später nach ihm benannten Meckelstraße eine Stückfärberei für halbwollene und baumwollene Breitgewebe einzurichten. Damals waren im Tal bestehende Futterstoff-Webereien sehr erfolgreich. Nachdem der vorherige kaufmännische Leiter der Zeche „Margarete“ in Bochum, Otto Budde sen., die kaufmännische und Hermann Müller die technische Leitung übernommen hatten, nannte Meckel das neue Unternehmen „Budde & Müller“. Nach dem Rückzug von Hermann Müller blieben der später Königlich preußische Kommerzienrat Otto Budde sen. zunächst als Mieter und Geheimrat Meckel als Grundstückseigner und stiller Gesellschafter dem Unternehmen treu.

Aufgeschlossenheit und Fortschrittlichkeit

Trotz zunächst fehlender Sachkenntnis auf dem Gebiet der Färberei zeigte Otto Budde sen. Verständnis und große Aufgeschlossenheit für technische Neuerungen. Er stellte als erster

Betrieb in Wuppertal in Zusammenarbeit mit der AEG den Antrieb der Maschinen von ortsansässigen Dampfmaschinen auf Elektromotoren um. Durch seine persönlichen Beziehungen zu leitenden Persönlichkeiten der deutschen Post bekam die Firma

Budde & Müller als Firmentelefon die Nummer „1“ im ersten Telefonnetz der Stadt Barmen.

Die Marke „Zanella“

1885 trat Rudolf Ziersch nicht in die väterliche Türkischrot-Färberei Ziersch & Neuhoff ein, sondern zusammen mit seinem Schulfreund Otto Budde jun. in den Betrieb Budde & Müller

Im Springen. In dieser Zeit produzierte die Firma begehrte Futter-, Steppdecken- und Schuhstoffe, die aus Baumwollkette und Kammgarnschuss bestanden und unter dem Namen „Zanella“ bekannt wurden.

1895 wurde Rudolf Ziersch durch eine Kapitaleinlage Mitinhaber, sodass Otto Budde sen. 1896 den Betrieb von der Witwe des Geheimrats Meckel käuflich erwerben konnte.

Absprachen unter Wettbewerbern

Im selben Jahr änderte die Stückfärberei und Appreturanstalt ihren Namen in Otto Budde

& Co. Schon 1894 war Otto Budde sen. ein Vertrag mit vier Barmer Konkurrenten gelungen,

in dem feste Preise vereinbart worden waren, die sogenannte Färberkonvention. Trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten im und nach dem Ersten Weltkrieg ging es der Firma bis zum Ende der 1920er Jahre überwiegend gut.

Trennung

Anfang der 1930er Jahre kam es zu nicht lösbaren Unstimmigkeiten zwischen den Teilhabern

Otto Budde jun. und Rudolf Ziersch, sodass eine Trennung unausweichlich wurde. Die Firma

Otto Budde & Co. verblieb in den Händen der Familie Ziersch und entwickelte sich in den folgenden Jahren zum Unternehmen Wuppertaler Textilveredlung Rudolf Ziersch Söhne KG.

Prinzipal alten Schlags

Otto Budde sen. galt als ein Original alten Schlags, eine robuste Unternehmerpersönlichkeit mit Durchsetzungsvermögen. Über diesen Patriarchen kursierten zahlreiche Geschichten. Pünktlichkeit und Disziplin am Arbeitsplatz galten ihm als oberstes Prinzip und so brachte er das junge Unternehmen schnell zu Ansehen und Erfolg.

Aufgrund seiner Korpulenz hatte er an seiner Kalesche, eine leicht gebaute Kutsche, ein besonders verstärktes Trittbett anbringen müssen. Um sein Gewicht zu reduzieren befand sich im Vorzimmer seines Privatbüros ein Gerät in Form eines elektrisch betriebenen Pferds, auf dem er täglich in den Arbeitspausen seine Übungen verrichtete.

Nachfolger und Mäzen

Otto Budde jun. sah dem Vater zwar sehr ähnlich, galt seinem Wesen nach jedoch als weitaus verbindlicher. Früh wurde er auf die Nachfolge vorbereitet und trat 1889 als Prokurist in die Firma Budde & Müller ein.

Der Junior galt als hochmusikalisch und widmete sich in seiner Freizeit dem Klavierspiel.

Lange Jahre hatte er das Amt des ersten Vorsitzenden der Barmer Konzertgesellschaft inne,

die er mit Geschick und Sachkenntnis leitete. Er war verantwortlich für die Symphonie- und Chorkonzerte, die im großen Saal der Gesellschaft Concordia stattfanden und über die Grenzen Wuppertals hinaus bekannt wurden. Zu bekannten Dirigenten und Sängern unterhielt er persönliche Beziehungen und fungierte anlässlich von Konzerten als Gastgeber

in seinem Haus in der Ottostraße 5, direkt an den Anlagen des Barmer Verschönerungs-

vereins gelegen. Manche Musiker hatten ihm viel zu verdanken. Als Mäzen im wahrsten Sinne des Wortes war er mit seiner verbindlichen Art und der obligatorischen Blume im Knopfloch – meist eine weiße Nelke – bekannt und geachtet.

Verheiratet war Otto Budde jun. mit Elisabeth Wegner, Tochter des damaligen Barmer Oberbürgermeisters Friedrich Wilhelm Wegner. Sohn Kurt, der zweiälteste von vier Söhnen,

erbte die Musikalität des Vaters, wurde Komponist, Dirigent und später Dozent an der „Staatlichen Musikhochschule“ in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof an der

Lüttringhauser Straße in Ronsdorf.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der fünfte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Neumann, Paul

Interessenvertretung in nationalsozialistischer Zeit

Paul Neumann wurde am 2. November 1867 in Barmen geboren. Während seiner Berufstätigkeit hat er in der Lortzingstraße 36 gewohnt. Im BVV-Archiv befinden sich Hinweise, dass Paul Neumann einen Sohn mit gleichem Vornamen und eine Tochter hatte, bei der er seinen Lebensabend in Weinheim an der Weinstraße verbrachte.

Gestorben ist er nach einem erfüllten Leben am 10. Februar 1958 in Herchen an der Sieg. Die Trauerfreier für Paul Neumann sen. fand am 14. Februar 1958 in der Kapelle des Unterbarmer Friedhofes statt.

Im Barmer Wald ist zwischen Lönsstraße und dem ehemaligen Königshof ein Weg nach Paul Neumann benannt.

Paul Neumann sen. war von 1901 bis 1945 Mitglied im Barmer Verschönerungsverein. Von 1933 bis 1945 wirkte er als fünfter erster Vorsitzender. Es war die Zeit des Nationalsozialismus bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges – eine schwierige Zeit, in der von Parkpflege keine Rede sein konnte und jüdische Mitglieder von den Nazis nicht akzeptiert wurden! Von 1928 bis 1933 war er zweiter Vorsitzender. In ihrem Nachruf erinnerten die Vorstände Wilhelm Vorwerk, Hermann Engemann und Willibrord Lauer, dass sich der Verstorbene, seit 1957 Ehrenmitglied, tatkräftig um die Belange des gemeinnützigen Vereins gekümmert und den BVV gefördert hat: „Auch nach seinem kriegsbedingten Fortzug (Ausbombung) nach Herchen an der Sieg und der dadurch bedingten Niederlegung des Vorsitzes (in einer Zeit der Vakanz mit der Nachfolge durch Wilhelm Vorwerk war der BVV kurz geschäftsunfähig) nahm er regen Anteil an der Wiederaufbauarbeit in den Barmer Anlagen. Noch zu seinem 90. Geburtstag hat er seine Anhänglichkeit durch eine hochherzige Stiftung zum Ausdruck gebracht.“

Fabrikant Paul Neumann sen. war Mitinhaber der Breitweberei Neumann & Büren. Seit 1890 arbeitete der in Barmen Geborene in dem von seinem Vater 1864 gegründeten Unternehmen, dessen Fabrikationsanlagen in Langenfeld-Immigrath Futterstoffe herstellten. Er hat die Firma mit Sitz in der Friedrich-Engels-Allee 102/106 zu einem bedeutenden Unternehmen dieser Branche emporgeführt. Nach der Ausbombung am 30. Mai 1943 zog sich Paul Neumann aus dem Wirtschaftsleben zurück und siedelte nach Weinheim an der Bergstraße um. Kaufmännischer Weitblick, umfassendes fachliches Können, vorbildliches Pflichtgefühl und eine gute Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitern haben zum Aufstieg des Unternehmens in wechselvollen Zeiten beigetragen.

In einem Schreiben vom 22. August 1957 teilt Carl Neumann dem BVV-Vorstand mit, dass seine Firma P.C. Neumann GmbH nach Frankenberg/Eder verlegt hat und deshalb die Mitgliedschaft beenden will. Im gleichen Schreiben protestiert er gegen den schlechten Zustand im oberen Bereich der Anlagen.

Er hat in jüngeren Jahren zahlreiche Ehrenämter bekleidet. So war er Vorsitzender des Deutschen Futterstoffverbandes in Elberfeld, Vorsitzender des Dampfkessel-Überwachungsvereins und später Vorstandsmitglied des Technischen Überwachungsvereins in Köln. Er gehörte auch dem Vorstand der Vereinigten Evangelischen Kirchengemeinde Unterbarmen an und war 1912-13 Kirchmeister.

Paul Neumann jr. hat in der Hohenzollernstraße 8 gewohnt.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der sechste Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Vorwerk, Wilhelm

Fabrikant, Standesvertreter und Vater des Barmer Verschönerungsvereins

Der Name Vorwerk ist jedem Wuppertaler selbstverständlich und vielen Deutschen wahrscheinlich ein Begriff. Zwei große Unternehmen tragen diesen Familiennamen: (Electro-) Vorwerk und Co, die Firma mit dem Kobold-Staubsauger, und Vorwerk & Sohn (Certoplast).

 

Vor 50 Jahren, 1971, weihte der Barmer Verschönerungsverein am Höhenweg im Barmer Wald eine Gedenkstätte für seinen früheren Vorsitzenden Wilhelm Vorwerk ein. Die Inschrift auf der Bronzetafel lautet „Wilhelm Vorwerk. Förderer des Barmer Verschönerungsvereins.“ Es war eine sparsame Würdigung des Mannes, der mit seiner Tatkraft dem Verschönerungsverein geholfen hat, nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, die Barmer Anlagen wieder nutz- und begehbar zu machen.

Den 54. Jahrestag des Todes von Wilhelm Vorwerk nutzte der Barmer Verschönerungsverein zum Aufstellen einer roten Informationstafel mit der Biografie des früheren Fabrikanten und Naturliebhabers und lud dazu Familienmitglieder und Aktive der Adolf-Vorwerk-Park-Stiftung ein. Enkel Peter Cöllen berichtete in lebendigen Worten von Spaziergängen mit dem Opa über die Barmer Südhöhen und bis ins Gelpetal.

Der Name Vorwerk ist vielen Deutschen ein Begriff. Zwei große Unternehmen tragen diesen Familiennamen: (Electro-) Vorwerk & Co., mit dem Kobold-Staubsauger und der Küchenmaschine „Thermomix“, und der Automobilzulieferer Vorwerk & Sohn.

Einst im nahen Schwelm (Hof "Vörfken") beheimatet, siedelten Vorwerker ins Wuppertal über. Das Wupperfeld war die erste Station und später entstand im Bereich des Kleinen Werthes, Bach- und Kohlgartenstraße, ein großes Vorwerk-Imperium. Die Textilfabrikation von Vorwerk & Sohn wurde zunächst teilweise in ein neues Werk auf dem Lichtenplatz verlegt, wo auch die Gummiherstellung begann. Electro-Vorwerk startete im Mühlenweg. Seit dem 19. Jahrhundert gehen die Familien Vorwerk und Mittelsten Scheid getrennte Wege!

Der Name Vorwerk ist dank des Familiensprosses Adolf mit vielen Ereignissen im Süden der Stadt untrennbar verbunden: Barmer Bergbahn, Luftkurhaus, Turmbahn, Besiedlung der Südhöhen. Sein Sohn Wilhelm setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) für die Erhaltung des Parks ein.

Wilhelm Vorwerk wurde am 13. Januar 1889 als viertes von sieben Geschwistern geboren:

Adolf, Emma, Clara, Wilhelm, Lilli, Anni und Max. Nach einer gründlichen Ausbildung trat er in die 1827 gegründete Firma Vorwerk & Sohn ein und widmete sich vor allem dem Gummiwerk.

Trotz seiner vielfältigen betrieblichen Aufgaben engagierte sich Wilhelm Vorwerk in Unternehmerorganisationen. Unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches betrieb er die Wiedervereinigung von Arbeitsgeberverbänden als Gesprächspartner für die Gewerkschaften. Triebfeder war die Überzeugung einer verantwortungsbewussten Zusammenarbeit zwischen den Tarifvertragsparteien. Ab 1945 war Vorwerk Präsident der Industrie- und Handelskammer Wuppertal, ab 1956 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages.

Für seine Vaterstadt engagierte er sich in besonderem Maße als sechster Vorsitzender des Barmer Verschönerungsvereins. Er setzte ab 1945 Mitarbeiter, die die im Krieg zerstörten Barmer Anlagen rekultivierten, auf seine Lohnliste, stellte Geräte zur Verfügung und managte Neugestaltung und Pflege dieser zweitgrößten privaten Parkanlage Deutschlands. Anlässlich der letzten Fahrt der Barmer Bergbahn, von seinem Vater Adolf 65 Jahre zuvor initiiert, hielt Wilhelm am 4. Juli 1959 neben dem Bergbahnhof Toelleturm eine flammende, aber erfolglose Rede gegen die Stilllegung.

Mit Wilhelm Vorwerk starb am 4. November 1967 ein Mann mit Verantwortungsbewusstsein, Blick für das Praktische, Aufgeschlossenheit für neue Ideen und Hingabe zur Natur.

Foto: Klaus-Günther Conrads

50 Jahre nach dem Bau der Gedenkstätte wurde eine Informationstafel für Wilhelm Vorwerk enthüllt.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der siebte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Plutte, Ernst-Günter

BVV-Vorsitzender aus Leidenschaft

Im Jahr des 125jährigen Bestehens des Barmer Verschönerungsvereins feierte der als konservativ geltende Ernst-Günter Plutte 1989 sein silbernes Jubiläum 25 Jahre Vorstand des 1864 gegründeten Vereins. Damals war er 22 Jahre Vorsitzender. Eine beeindruckend lange Zeit, wenn man bedenkt, dass dies beileibe nicht seine einzige Beschäftigung war.

 

 

Beruf und Ehrenamt

Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Textilfirma Peter August Lückenhaus („Plutina“) war er über Jahre Präsident des Verbandes Gesamttextil und Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und arbeitete in einer Reihe von Beiräten und Kuratorien mit. Er wurde wegen seiner großen Sachkunde in wirtschaftlichen und sozialpolitischen Fragen sehr geschätzt. Er erhielt 1986 aus den Händen von Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher das große Verdienstkreuz zum Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Nachdem er sein Präsidentenamt bei Gesamttextil abgegeben hatte, konnte er sich dem Verschönerungsverein intensiver widmen.

Ernst-Günter Plutte war gerne Vorsitzender des Barmer Verschönerungsvereins! Ihn reizte, Einfluss auf die Gestaltung der Barmer Anlagen, „Barmens grüne Lunge“, nehmen zu können.

Vor der Pleite gelang ein großer Wurf

Der Einstieg von Ernst-Günter Plutte in das Amt des BVV-Vorsitzenden 1967 war nach dem Tod von Wilhelm Vorwerk alles andere als gemütlich, denn der Verein war finanziell nahezu handlungsunfähig. Vermögen, das durch den Verkauf des ehemaligen Stadthallengrundstückes an die Barmer Ersatzkasse (Einweihung 1956, heute Standort des Wupperverbandes) in der Nachkriegszeit angesammelt worden war, war fast aufgezehrt. Es fehlte sogar das Geld für den Etat 1968. Die finanzielle Sanierung war folglich das Gebot der Stunde. Plutte leistete eine „großen Wurf“! Zum Besitz des Verschönerungsvereins gehörte in jenen Jahren noch das Gartenland an der Dickmannstraße, für das noch kein Bebauungsplan ausgewiesen war. Plutte suchte die Kooperation mit der Stadt Wuppertal und erreichte, dass die Grundstücke bebauungsfähig wurden, in dem er den damaligen Baudezernenten Prof. Friedrich Hetzelt und Oberstadtdirektor Werner Stelly von seinen Plänen überzeugte. Durch den Verkauf des Geländes erzielte der BVV ein Vermögen, das man fest anlegte und die Zinserträge lange nutzen konnte, um Engpässe zu überbrücken.

Jeder Baum ist wichtig!

In den Nachkriegsjahren bestand in den Barmer Anlagen großer Nachholbedarf, teilweise mussten Kriegsschäden beseitigt werden und die planmäßige Waldpflege stand auf der To-Do-Liste. Deshalb wurde der BVV als zweitgrößter Waldbesitzer, nach der Stadt, Mitglied der Forstbetriebsgemeinschaft, einem Zusammenschluss von Waldbauern und der Stadt für Aufforstung und Waldpflege. Pluttes Verbundenheit mit den Anlagen und persönlicher Anspruch: „Es wird kein größerer Baum abgeholzt, ohne dass ich ihn vorher gesehen habe.“ Er spazierte

von seinem Wohnhaus, einer repräsentativen Villa, am Ende des Brucknerweges, beinahe täglich durch die Anlagen. Einem Briefkopf von 1967 zufolge hat er vorher in der Schubertstraße 10a gewohnt.

Verhinderter Forstmeister

Gelegentlich bezeichnete sich Ernst-Günter Plutte als „verhinderten Forstmeister“. Der auf dem Grundstück der Familie Plett und des Hauses Panorama angelegte Panoramaplatz wurde nach seinem Konzept als großzügige Grünanlage geschaffen. Der Panoramablick auf Barmen war bald, nachdem die Bäume hoch gewachsen sind, verschwunden. Ein zu Rast und Muße einladender Platz, der nach seinem Schöpfer „Plutteplatz“ genannt wurde, ist geblieben.

Anlässlich seines 65. Geburtstages wurden auf dem Panoramaplatz zwei große Felsstücke aus Grauwacke aufgestellt. Inschrift: E.-G. Plutte 24.2.1981. Dazu pflanzte man eine Stieleiche, die sich gut entwickelt hat. Über diese besondere Auszeichnung hat sich Ernst-Günter Plutte sehr gefreut, weil sie sein Ansehen ausdrückte und die Wertschätzung spiegelte. Zum 75. Geburtstag wurde nebenan ein Weg nach Ernst-Günter Plutte benannt.

Erfolgreiche Bilanz wir großartiges Wirken

Ernst-Günter Plutte blickte optimistisch in die Zukunft des BVV: „Wir haben tüchtige Leute im erweiterten Vorstand.“ Der siebte erste Vorsitzende wurde am 24. Februar 1916 geboren und starb am 27. Oktober 2005. Vorsitzender war er von 1967 bis 1992. Ein Waldweg wurde 1991 nach ihm benannt, der ehemalige Panoramaplatz 1992. Zur Erfolgsgeschichte gehört neben dem 125jährigen Jubiläum die erfolgreiche Sanierung des Toelleturms, für dessen Grunderneuerung rund eine Million Mark erbettelt wurden. Dr. Hans-Joachim Vits, Pluttes Wegbegleiter im BVV-Vorstand, erinnerte sich im Oktober 2020: Der Toelleturm konnte nach fast zehnmonatiger Bauzeit am 11. August 1990 wieder eröffnet werden. Die Pläne dafür stammten von Herrn Professor Dr.-Ing.Carsten Langlie (2. Januar 1938-4. Februar 1996), die er ohne Honorar angefertigt hatte. Herr Professor Langlie hatte sich durch die schwierige Sanierung der Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin einen Namen gemacht. Herr Plutte und ich als Schatzmeister sind mehrfach in Düsseldorf unterwegs gewesen und konnten Zuschüsse von der NRW-Stiftung und dem Land Nordrhein-Westfalen akquirieren, für die Gesamtkosten von einer knappen Million DM. Herr Plutte konnte 430.000 DM an öffentlichen Mitteln einwerben, sowie 490.000 DM sonstige Spenden. Die Wiedereinweihung erfolgte unter großer Beteiligung in fröhlicher Stimmung.“

1989 wurde Ernst-Günter Plutte mit dem „Wuppertaler“ ausgezeichnet.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der achte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Jung, Dieter

Dieter Jung übte Umgang mit knappen Finanzmitteln

Die Übernahme des Vorsitzes des Barmer Verschönerungsvereins von Ernst-Günter Plutte durch Dr. Dieter Jung, seinem vorherigen Stellvertreter, war 1992 mit einer weiteren personellen Änderung verbunden. Die langjährige, fleißige („gute Seele des Vereins“) Geschäftsführerin Sonja Priester trat in den Ruhestand. Rund 1.000 Mitglieder waren ein starkes Erbe.

Dieter Jung war der achte Vorsitzende in der BVV-Führungsgalerie und hätte in diesen Tagen, am 14. August, seinen 85. Geburtstag feiern können. 2010 übergab er den Staffelstab an Peter Prange, der zuvor im erweiterten Vorstand mitgearbeitet hatte.

Es gibt immer viel zu tun

Auf der To-Do-Liste von Dr. Dieter Jung standen die Remise, also Werkstatt und Lagerraum, und die aufwändige Sanierung der Dicke-Ibach-Treppe als Eingang von der Joseph-Haydn-Straße in das Ringeltal. 1993 kündigte Jung die Neupflanzung der Buddeallee in den oberen Anlagen an. Die altersschwachen Roteichen wurden in Etappen durch Stieleichen ersetzt. Das Fällen der alten Bäume und Pflanzen der jungen Bäume war eine finanziell große Herausforderung.

Dieter Jung damals: „Wir haben den Umgang mit knappen Geldmitteln gelernt und immer sparsam gewirtschaftet. Bei außergewöhnlichen Aufgaben stehen wir schnell auf dem Schlauch. Deshalb ist unsere Bettelei eine Daueraufgabe.“

Der größte Erfolg für Dr. Dieter Jung in seiner Amtszeit als BVV-Vorsitzender war das Förderprogramm „Regionale 2006“. Das Freiraumprogramm ermöglichte eine Investition von rund einer Million Euro. Kernstücke waren ein Parkpflegewerk als Handlungsanweisung und die Freilegung der historischen Barmer Bergbahn (1894-1959).

Ein Herz für den Vorwerkpark

Als Max Jörg Vorwerk eine Stiftung zum Erhalt des Adolf-Vorwerk-Parks gründen wollte, ließ er sich von seinem langjährigen Freund Dieter Jung beraten und bat ihn um die Mitwirkung als BVV-Vorsitzender in den Stiftungsvorstand.

Familie

Foto: Klaus-Günther Conrads

Dieter Jung wurde am 14. August 1936 geboren und starb am 4. März 2015. 1963 hat er seine Frau Erika geheiratet. Mit ihr bekam er vier Söhne: Dr. Yorck, Welf, Dominic und Peer. Inzwischen gibt es 14 Enkel. Am 12. August 2021 hat der Barmer Verschönerungsverein gemeinsam mit der Familie Jung einen Weg, der vom Barthelsweg zur Rudolf-Ziersch-Straße führt, nach Dieter Jung benannt und eine Informationstafel enthüllt. Da der Weg durch städtischen Wald führt, gab die Stadt ihre Zustimmung.


Barmer Köpfe

Barmer Kopf

Foto: Concordia

Blank, Emil

BVV-Gründungsvater und Engels-Schwager

In zahlreichen Veröffentlichungen steht der Name Karl Emil Blank, doch im Barmer Verschönerungsverein wurde er Emil Blank genannt. Blank, Kaufmann in Barmen, war am 8. Dezember 1864 einer der Gründungsväter des BVV und wurde anschließend zum Stellvertreter des Vorsitzenden Wilhelm Werlé gewählt. Von 1864, dem Gründungsjahr des BVV, bis 1867 war Blank Direktor der Barmer Gesellschaft Concordia.

Familie

Karl Emil Blank wurde am 17. Mai 1817 – vor 204 Jahren - geboren und lebte bis zum 5. August 1893. Der Sohn von Friedrich und Isabelle Christina Blank heiratete 1845 Maria Engels und wurde damit Schwager des berühmten Sozialisten Friedrich Engels. Ein weiterer Mitgründer des BVV war August Engels. Durch die Vermählung von Tochter Cecile mit Carl Vorwerk entstanden familiäre Verbindungen mit der Familie Vorwerk.

Buch

Reiner Rhefus: Friedrich Engels im Wuppertal. Auf den Spuren des Denkers, Machers und Revolutionärs im „deutschen Manchester“ (176 Seiten, in Farbe, Hardcover), 16,80 Euro, ISBN 978-3-96488-065-9.

In seinem Buch berichtet Reiner Rhefus: „Im März 1848 kam es in Deutschland zur Revolution, die Zensur wurde aufgehoben und Wahlen zur Nationalversammlung ausgerufen. Überall bildeten sich politische Vereinigungen, um bestimmte Kandidaten, konservative oder liberale, zu unterstützen. Friedrich Engels und Karl Marx gingen nach Köln, um die „Neue Rheinische Zeitung“ (NRhZ) zu gründen, mit der sie Einfluss auf den Verlauf der Ereignisse nehmen wollten. Die Mitarbeiter der Zeitung waren Mitglieder des „Bundes der Kommunisten“, doch mit der Zeitung wollte man zugleich die Belange des liberalen Bürgertums vertreten. So kam Friedrich Engels für einige Wochen ins Wuppertal, um unter alten Freunden und Bekannten Aktionäre für das Zeitungsprojekt zu gewinnen.

Volksversammlungen auf dem Engelnberg und Johannisberg

Sein Ruf war ihm schon vorausgeeilt: An seinen Schwager Emil Blank in London schieb er „Lieber Emil, ich bin glücklich wieder hier. Ganz Barmen wartet, was ich tun werde. Man glaubt, ich werde sofort die Republik proklamieren. Überall fanden „Volksversammlungen“ statt: auf dem Engelnberg und bei Küpper auf dem Johannisberg. Ende März hatte sich dort auch der „Politische Club“ gegründet, in dem gebildete und links-liberale Bürger und Kaufleute zusammenfanden und für liberale Reformen und eine konstitutionelle Monarchie eintraten. Hier hoffte Engels auf Unterstützer.

Anfang Mai 1848 wurden er und Karl Marx zu einer Versammlung eingeladen. Im Stammlokal, der Gaststätte von Abraham Küpper auf dem Johannisberg - heute steht hier die Elberfelder Stadthalle, stellten sie ihr Projekt vor. Doch die erhoffte Unterstützung blieb aus. Der „Politische Club“ plante selbst die Herausgabe einer Zeitung, der „Volksstimme“. Vermutlich deshalb gab es wenig Bereitschaft, ein demokratisches Konkurrenzblatt in Köln zu befördern. Zudem schien das in Köln geplante Blatt weitaus radikaler: Es sollte den Untertitel „Organ der Demokratie“ erhalten und trat für die Gründung einer deutschen Republik ein. Sicherlich gab es aber auch Vorbehalte gegen den als radikal und kommunistisch bekannten Engels.“


Barmer Kopf

Foto: Archiv Heidter Bürgerverein

Böger, Bernard

Bernard Böger war ein Freund der Berge und des Heidt

Gemeinsam mit seiner Familie trauerten der Deutsche Alpenverein und der Heidter Bezirksverein um Bernard Böger, der am 4. April 1996 im 87. Lebensjahr, also vor 25 Jahren, verstorben war. Anlässlich der Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland hatte Oberbürgermeisterin Ursula Kraus am 7. Oktober 1991 Bögers Verdienste gewürdigt.

Bernard Böger (22. August 1909 - 4. April 1996) hatte als beratender Ingenieur für das Bauwesen ein erfülltes Berufsleben. Sein Fachwissen setzte er ehrenamtlich für die Sektion Barmen des Deutschen Alpenvereins ein und wurde deshalb zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Der gebürtige Westfale konzipierte für den DAV die 1956 von einer Lawine zerstörte "Barmer Hütte" in St. Jakob im Osttiroler Defereggental neu und übernahm 1960/61 ehrenamtlich die Bauleitung. Darüber hinaus sorgte er unter anderem durch Verhandlungen mit den Osttiroler Behörden dafür, dass die neue "Barmer Hütte" mit nur geringen Schulden belastet war.

Sein Verhandlungsgeschick setzte Bernard Böger auch für seine Mitbürger im Bezirk Heidt, der politisch zu Heckinghausen gehörenden Barmer Südstadt, ein, wenn es galt, als Vorsitzender des Heidter Bezirksvereins (1972-1984), Anliegen der Bürger bei zuständigen Stellen der Stadt vorzubringen und diese - wenn nötig, hartnäckig und mit sehr langem Atem - auch durchzusetzen. Als Beispiel gilt die Fußgängerampel an der Barmer Jugendherberge, für die nach der Antragsstellung 15 Jahre Einsatz nötig waren. Böger gründete die Vereinszeitschrift "Heidter Blättchen", die seit 1972 jährlich an die Bewohner der Barmer Südstadt verteilt wird und über Aktivitäten des Bürgervereins und wichtige Entwicklungen informiert. 1979 führte der spätere (ab 1984) HBV-Ehrenvorsitzende Bernard Böger eine vielbeachtete Jubiläumsfeier zum 75-jährigen Bestehen des Heidter Bürgervereins im "Wuppertaler Hof" durch und verfasste zu diesem Anlass eine Vereinschronik, die auch auf die Gründung weiterer Bürgerinitiativen, z.B. die des Barmer Verschönerungsvereins, eingeht. Dem erweiterten Vorstand des Verschönerungsvereins, Eigentümer der Barmer Anlagen, gehörte Böger viele Jahre an. "Wegen des beispielhaften Einsatzes in seinen Ehrenämtern hat sich der Verstorbene die Wertschätzung seiner Mitbürger erworben", blickte einer seiner Nachfolger als Vorsitzender des Heidter Bezirksvereins, Hermann Josef Brester, zurück. Zum 100-jährigen Bestehen hat der Verein 2004 seinen Namen neu definiert und auf die „Kunden“ zugeschnitten: aus dem Heidter Bezirksverein wurde der Heidter Bürgerverein!


Barmer Kopf

Foto: Stadtarchiv Wuppertal

Bredt, Wilhelm August

Edler Sinn, humanes Wesen und vielfältige Leistungen

Nur Großstädte haben einen Oberbürgermeister! Der erste Barmer Oberbürgermeister hieß Wilhelm August Bredt. Trotz seiner recht langen Amtszeit von 1857 bis 1879 fand sich scheinbar in seinem Wirkungsort keine Straße, die an ihn erinnert. Dabei stammt Bredt aus einer der angesehensten Barmer Familien. Der Barmer Verschönerungsverein benannte einen Platz am Höhenweg im Barmer Wald nach dem Ehrenbürger: Bredthöhe.

 

 

Foto: Sammlung Wolfgang Nicke

Leben in den Dörnen

Zu den Männern im Bergischen Land, die sich zu wichtigen Zielen bekannten, mit eigenen Kräften Neues zu schaffen, Vorhandenes fortzusetzen und zu verbessern, aber auch trotz starkem Tatendrang das Führen von Menschen nicht vergaßen, wird Geheimrat Bredt gezählt. Wilhelm August Bredt (Rufname August) entstammte einer schon seit Jahrhunderten in Barmen ansässigen Familie, die ihren Namen vom Hof "in der Bredde" herleitet. Sie hatte fast nur Kaufleute in ihren Reihen. Aber auch mütterlicherseits bekam der am 16. März 1817 – vor 204 Jahren - geborene Wilhelm August Tradition mit auf den Weg; Johanne Charlotte war eine geborene Rübel, ein hierzulande wohlklingender Name mit Wohnsitz auf dem Gebiet des einstigen Dörner Hofes. Unter- und Oberdörnen sind Straßennamen, die noch an vergangene Zeiten erinnern. Die ersten Lebensjahre verbrachte der junge Bredt mit seinen drei Geschwistern im Haus Bredt-Rübel, das sich direkt gegenüber vom Glockenturm der St. Antonius-Kirche befand und um 1964 von einem Parkhaus überbaut wurde. Es war Richtung Wupper von Bleichen umgeben war. 1854 hat August Bredt die Krefelderin Amalie von der Leyen geheiratet.

Regent für Barmen

Am 9. Dezember 1854 wählte ihn der Barmer Stadtrat zum Bürgermeister, doch Bredt trat die Stelle zunächst nur provisorisch an, um seinen Posten in Berlin nicht zu verlieren. Am 2. Oktober 1855 wurde er dann doch, als Nachfolger von Bürgermeister Hermann Florenz Theodor Windhorn, in sein Amt eingeführt, aber erst zwei Jahre später zum Regierungsrat und Oberbürgermeister ernannt. Unter Bredts Regie entwickelte sich Barmen von einer Land- zur Fabrikstadt; die Frühindustrialisierung stand in voller Blüte und die Bevölkerungszahl explodierte.

Aufbruch in Barmen

1855 hatte Barmen 41.000 Einwohner, 1879 schon 95.000. In Bauwerken drückte sich der Fortschritt aus: neues Rathaus (1873-76), Stadttheater (1874), Johannis- und Wichlinghauser Kirche (1866), Immanuelskirche (1867), Friedenskirche (1869). Die vereinigte "Latein- und Realschule" erhielt 1861 ein neues Gebäude am Bahnhof; Gymnasial- und Realunterricht wurden getrennt und die Wupperfelder Realschule 1875 errichtet. Große Bemühungen Bredts galten der Errichtung einer Handwerker- bzw. "Gewerbeschule", die schließlich 1863 eröffnet wurde. Volksschulen widmete der Oberbürgermeister seine besondere Fürsorge. Er formte das ganze Schulwesen mit. Einfluß hatte Bredt auch auf die verkehrliche Entwicklungen, von der Eisenbahn bis zur Pferdestraßenbahn. Arbeiterschutz, Armenhilfe, Landschaftsschutz (Gründung des Barmer Verschönerungsvereins), Musik (Konzertgesellschaft), Kunst (Kunstverein) und Wissenschaft (Verein) waren weitere Aufgabenfelder. 1866 arbeitete der OB beim Kampf gegen die Cholera-Epidemie mit. Der Krieg von 1870/71 sah Bredt mit an der Front.

Anerkennung und Umzug an den Rhein

Für sein Wirken im Interesse Barmens erhielt Wilhelm August Bredt Anerkennung von Bürgerschaft, Regierung und König. Die Ernennung zum Geheimen Regierungsrat war so ein Zeichen. Als die zweite, zwölfjährige Amtsperiode ablief, entschloß sich der Oberbürgermeister zum Eintritt in den Ruhestand. Am 30. September 1879 verabschiedete er sich von Stadtrat und Bevölkerung. Er erhielt die Ehrenbürgerwürde und zog nach Honnef am Rhein um, wo er am 23. März 1895 starb. Zuvor hatte er jedoch noch Ämter im Siebengebirgsverein und Honnefer Verschönerungsverein übernommen, gründete eine Lungenheilanstalt und wurde gar "Vater des Siebengebirges" genannt. Seine letzte Ruhe hat er in der inzwischen aufgelassenen Familiengruft des Unterbarmer Friedhofes gefunden. Zuletzt ist davon nur noch sein Grabstein übrig geblieben, um dessen Erhalt sich die junge Johann Victor Bredt-Gesellschaft bemüht.


Barmer Kopf

Foto: Stadt Wuppertal

Bremme, Hans

Hans Bremme ist aus der Art der Brauereifamilie geschlagen

Der Name der Familie Bremme ist ebenso untrennbar mit der Barmer Südstadt verbunden, wie der Barmer Verschönerungsverein. Nach bisherigen Recherchen gab es unterschiedliche Beziehungen. Obwohl Hans Bremme Sohn des Brauereibesitzers Adolf Bremme war, schlug er einen anderen Lebensweg ein, wurde Jurist und Verwaltungsbeamter. In den unmittelbaren Nachkriegsjahren von 1945 bis 1946 war er Bürgermeister und Oberbürgermeister und von 1946 bis 1958 Oberstadtdirektor der Stadt Wuppertal.

Foto: Archiv BVV

Ohne Bremme Bräu Barmen

Hans Bremme wurde am 14. Juni 1898 in Barmen als Sohn des Besitzers der Brauerei Carl Bremme Adolf Bremme (1859–1918) und seiner Ehefrau Laura, geborene Hueck (1867–1929) geboren. Nach dem Notabitur nahm er freiwillig als Fahnenjunker am Ersten Weltkrieg (1914-1918) teil. Er begann nach Kriegsende ein Jura-Studium an den Universitäten zu Münster, Freiburg, Berlin und Bonn, das er 1921 mit dem Assessor und der Promotion („Die allgemeinen strafrechtlichen Bestimmungen der Reichsabgabenordnung“) zum Dr. jur. an der Universität zu Köln abschloss.

Beruf

Seine Verwaltungstätigkeit begann er als „juristischer Hilfsarbeiter“ in Remscheid und Düsseldorf, zwischendurch war er 1924 für einige Monate kommissarischer Bürgermeister der Stadt Wermelskirchen und wurde schließlich am 14. März 1927 zum Stadtsyndikus seiner Heimatstadt Barmen ernannt. Dieses Amt wurde ihm nach der Zusammenlegung der Gemeinden Barmen und Elberfeld (1929) zum 1. Dezember 1931 für die neugebildete Stadt Wuppertal übertragen. Zu seinen wesentlichen Aufgaben gehörte es, die Vereinigung der beiden Städte rechtlich zu begleiten. Bremme übernahm im Lauf der folgenden Jahre zusätzlich die Dezernate Krankenanstalten, Polizei, Steuer und Wohlfahrt der Stadt Wuppertal. Diese wurden ihm im Zuge der nationalsozialistischen Herrschaft auch in den Rathäusern wieder entzogen, da seine Ehefrau Beate Bremme, geborene Engelbrecht (24. Oktober 1906 - 6. Juni 2006) als jüdischer Mischling galt. Er konnte aber bis Kriegsende seine ursprüngliche Aufgabe als Stadtsyndikus fortsetzen.

Nach Kriegsende

Am 12. Mai 1945 wurde Bremme von der britischen Militärregierung in der britischen Besatzungszone als Bürgermeister der Stadt Wuppertal eingesetzt und am 9. November 1945 zum Oberbürgermeister ernannt. Nach Einführung einer neuen Gemeindeordnung in Nordrhein-Westfalen wurde er am 16. Januar 1946 von der Stadtvertretung zum Oberstadtdirektor gewählt. Dieses Amt hatte er bis 31. Januar 1958 inne. Nach seinem Ausscheiden aus den Diensten der Stadt Wuppertal wurde Bremme am 1. Februar 1958 Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der industriellen Forschungsgemeinschaft in Köln. Diese Tätigkeit übte er bis zum 31. März 1962 aus. Er arbeitete danach bis zu seinem Tod am 3. Juni 1970 als Rechtsanwalt in Wuppertal. Auf dem evangelischen Friedhof in Unterbarmen fand er seine letzte Ruhe.

Ehrungen

Für seine Verdienste erhielt Hans Bremme das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Seine Heimatstadt Wuppertal benannte 2006 eine Straße auf dem Freudenberg nach ihm.


Barmer Kopf

Foto: Archiv BVV

Dicke, Friedrich Wilhelm

Treppe und Villa erinnern an Friedrich Wilhelm Dicke

Friedrich Wilhelm Dicke wurde am 8. April 1851 (vor 170 Jahren) geboren und lebte bis 1912 oder 1920. Die BVV-Kommission „Erinnerungskultur“ befindet sich noch auf Spurensuche und freut sich über „sachdienliche Hinweise“ aus der Bevölkerung. 1884 hat Friedrich Wilhelm Dicke die Straßenrampe zwischen Ringel- und Waldemarstraße (früher: Weberstraße) gestiftet. Sein Name ist in einem Schmuckstein verewigt. Den Namen Waldemarstraße hat er gegen den Willen der Stadt Barmen durchgesetzt, weil sein Sohn so hieß.

Foto: Conrads

Ein wenig aufwärts befindet sich die 1897 erbaute Dicke-Ibach-Treppe, die er gemeinsam mit Peter Adolph Rudolph Ibach, einem Spross der Piano-Dynastie, initiiert hat. Dazwischen, mit der heutigen Adresse Waldemarstraße 2 (damals Weberstraße 2) hat die Villa Dicke die Bombenangriffe vom 30. Mai 1943 schwer beschädigt (beispielsweise Dach und innere Struktur) überstanden,. Das Wiedererkennen beim Anblick heutiger und damaliger Fotos fällt schwer, weil der Wiederaufbau zwischen 1953 und 1956 nur dem Nachkriegszeitgeist folgte.

Villa Hoheneck

Die „Villa Dicke“ hat eine Vorgeschichte als „Villa Hoheneck“. Bei der Forschung war Immobilienmakler Jochen Huth behilflich. Der gebürtige Heckinghauser hat viele Jahre als Mieter im Haus Waldemarstraße 2 gewohnt, hängt mit dem Herzen am Haus. Das Haus ist 1894 fertiggestellt worden. Der oder die Bauherren sind unbekannt. Nach Huths früheren Erkundigungen, die zum Teil auch auf Gesprächen mit damals noch lebenden Anwohnern gründen, war es eine jüdische Textilunternehmerfamilie, die die Villa Hoheneck errichten ließ. Sie verlor demnach das Haus, zu dem damals auch das Haus an der Spitze Waldemar-/Joseph-Haydn-Straße als Gesindehaus gehörte, in den 1930er Jahren - Stichwort Arisierung. Im Barmer Adressbuch von 1899 stehen Friedrich Wilhelm Dicke und Klara Weber als Bewohner der Weberstraße 2.

Kaiser & Dicke

Friedrich Wilhelm Dicke war Mitglied einer Barmer Textilindustriellenfamilie, gründete am 2. Juli 1869 in der Saarbrücker Straße (früher: Kampstraße) mit Peter Kaiser die Firma Kaiser & Dicke. Produktionsgüter waren Flechtartikel, Schnürriemen, Tressen, Zacken-, Besen- und Gummilitzen aller Art und Soutache-Bordüren. Im Adressbuch von 1887 hatte Dicke die Adresse Kampstraße 48. Letztmals wird Friedrich Wilhelm Dicke 1899 als Inhaber von Kaiser & Dicke erwähnt.

Zur Zeit der Industrialisierung entstand in und um Wuppertal die Hochburg der Textilindustrie. In Elberfeld und Barmen hatte sich in den 1880er Jahren ein sehr starkes Konfektionsgewerbe entwickelt. Um 1900 ist es der zweitgrößte Gewerbezweig der Stadt mit mehr als 5.000 Beschäftigten.

Die Firma ist erfolgreich und erhält im Jahr 1900 die begehrte Goldmedaille auf der Weltausstellung in Paris für die hervorragende Qualität der Erzeugnisse. Dadurch wird der Begriff „Barmer Artikel“ weltweit geprägt, in den Zolltarifen wird „Barmen Made“ für den Export immer häufiger genannt. Im Jahr 1912 erscheint im Adressbuch „Kaiser & Dicke, Inhaber Witwe Friedrich Wilhelm Dicke, Hans Dicke und Waldemar Dicke, Fabrik in Spitzen- und Litzen-Nouveautés“ an der Gewerbeschulstraße, Eingang Heidter Straße (heute: Heidter Berg). 1919 gibt das Adressbuch für Kaiser & Dicke an: „Inhaber Witwe Friedrich Wilhelm Dicke, Hans Dicke und Waldemar Dicke, Fabrik in Damenbesatzartikeln, Litzen und Borten für Hüte, Posamenterien, Spitzen“ an der Heidter Straße. Zudem „Eduard Molineus Söhne, Ernst Molineus und Emil Molineus, Fabrikation von Spitzen, Bändern und Litzen“.

Im Vorstand des Barmer Verschönerungsvereins wirkte Johann Wilhelm (Walter?) Dicke von 1878 bis 1897 mit.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Dörpfeld, Friedrich Wilhelm

Dörpfelds Leben für familiengerechte Schulen und sozial befriedetes Vaterland

Am 18. Juli 1903 ist im nach Ludwig Ringel benannten Tal in den oberen Barmer Anlagen ein Denkmal zu Ehren von Friedrich Wilhelm Dörpfeld enthüllt worden. Vom Barmer Verschönerungsverein umfänglich renoviert, fehlt ihm seit dem Zweiten Weltkrieg (1939-45) eine vom Bildhauer Wilhelm Neumann-Torborg geschaffene Figurengruppe, die eine lebensgroße Frauengestalt (Pädagogik) und einen Knaben darstellte, dem sie ein Buch zeigte. Poetisch und einfältig klingt zwar heute der Bibelvers im Sockel des Denkmales: Er hatte unser Volk lieb und die Schule hat er uns erbauet!

Vater und Sohn

Da der Name Dörpfeld an vielen Stellen im Tale auftaucht, muss erklärt werden, dass das Elberfelder Gymnasium an seinen berühmten Sohn, den Archäologen Wilhelm Dörpfeld (er hat 1900 die Villa an der Richard-Strauss-Allee 18 erbaut), erinnert. Mehrere Merkstationen blieben für den Pädagogen übrig. Die Ronsdorfer Dörpfeldstraße mit Dörpfelds Schulhaus ist geblieben, während die Wichlinghauser Dörpfeld-Straße seit 1935 Liegnitzer Straße heißt. Drei Schulen trugen einst seinen Namen, in Ronsdorf, Wupperfeld und Langerfeld. In Wupperfeld löschte der Zweite Weltkrieg Schulhaus und Gedenktafel aus. Auf ihr wurde Dörpfeld als bedeutendster Volksschullehrer des 19. Jahrhunderts bezeichnet.

Migration ins Wuppertal

Vor 197 Jahren, am 8. März 1824 in Wermelskirchen-Sellscheid geboren kam Friedrich Wilhelm Dörpfeld nach der Lehrerausbildung 1848 nach Ronsdorf und wurde Lehrer der einklassigen Heidter Volksschule. Ein Jahr später folgte er dem Ruf an die vierklassige lutherische Volksschule nach Wupperfeld, die er bis zur gesundheitsbedingten Pensionierung geleitet hat. Die Grundsätze seiner pädagogischen Tätigkeit stellte er schon bei seinem Amtsantritt klar: "Die Schule ist vor allem eine Hilfsanstalt der Familie, und der Lehrer ein Gehilfe der Eltern am Werk der Erziehung. Wie Vater und Mutter einig sein müssen, wenn ihre Arbeit an ihren Kindern gelingen soll, so müssen Eltern und Lehrer zusammenhalten in der Arbeit und im Gebet." Kann die Feststellung aktueller sein?

Dörpfeld überlegte unablässig, wie er seine Stunden interessant gestalten könne, wie die Kinder dazu zu bringen sind, gerne zu lernen und den neuen Stoff auch zu behalten. In Sachen Religion riss er gar die Eltern mit und traf sich abends mit ihnen zum Unterricht. Das führte zu einer väterlichen Aussage: "Wenn der Dörpfeld noch lang hiebliwt, denn makt he us all fromm."

Pädagogisches Vorbild

Dörpfeld führte als erster Lehrer Elternabende ein, engagierte sich für die Lehrerausbildung und legte in zahlreichen pädagogischen, theologischen und philosophischen Schriften Zeugnis von seiner Liebe zu den Kindern und von seiner Verantwortung ab. Er schrieb mit der Hand über 8.000 Briefe (Prof. Dr. Klaus Goebel lieferte 1976 die Gesamtausgabe unter dem Titel "Dein dankbarer und getreuer F.W. Dörpfeld") und Zeitungsartikel, gab eine Zeitschrift heraus, hielt Vorträge und Versammlungen, bis es an mehreren Orten in Rheinland und Westfalen Schulvereine gab. Oft kamen Kollegen zu Besuch und lauschten, wie Dörpfeld unterrichtete. Die Besucher staunten, wie lebhaft die Kinder auf dem Wupperfeld mitmachten und mit ihrem Herzen beteiligt waren.

Foto: Sammlung BVV

Letzte Lebensphase

Aus gesundheitlichen Gründen musste Friedrich Wilhelm Dörpfeld 1879 seinen geliebten Beruf aufgeben und kehrte nach einem Aufenthalt in Düsseldorf-Gerresheim für die letzten Lebensjahre nach Ronsdorf zurück, wo er bei seiner Tochter Anna und deren Mann lebte. Der zweite Sohn, Hans, war Regierungsbaumeister in Berlin und gestaltete das Anlagen-Denkmal mit. 69-jährig starb Dörpfeld am 27. Oktober 1893 und fand seine letzte Ruhe auf dem Friedhof an der Heckinghauser Straße. Damals nahmen die Menschen Abschied von einem Mann, für den Ethik und Psychologie bedeutsam waren und der das Lehramt zu reformieren suchte.

Während Gerhart Werner F.W. Dörpfeld 1961 in den "Wuppertaler Biographien, 3. Folge" porträtiert hat, übernahm Klaus Goebel 1975 die Würdigung in den "Rheinischen Lebensbildern, Band 6".


Barmer Kopf

Eisenlohr, Heinrich

Kaufmann, Politiker und Ehrenamtler wurde Ehrenbürger

Südlich des Unterbarmer Friedhofes zweigt von der Oberbergischen Straße ein Weg Richtung Gartenanlage „Waldfrieden“ ab, der von zwei Steinsäulen gesäumt wird. Beide Denkmäler auf der Kaiser-Friedrich-Höhe waren früher von Büsten gekrönt und erinnern noch heute an verdiente Barmer Bürger, die scheinbar viele Gemeinsamkeiten im unermüdlichen Einsatz für ihre Heimat- und Vaterstadt hatten: Heinrich Eisenlohr und Otto Jäger.

Heinrich Eisenlohr lebte vom 15. April 1816 bis 8. Januar 1899 und war mit Garnen handelnder Barmer Kaufmann. Er wirkte 33 Jahre in der städtischen Armenverwaltung und war 1873 Mitbegründer einer Anstalt für verlassene Kinder, für die er 23 Jahre (Vorsitz bis 1880) aktiv war. Eisenlohr war Mitglied der Direktion des Barmer Krankenhauses im Kleinen Werth (heutiger Standort Heusnerstraße als Helios-Kliniken), des Kuratoriums der Unterbarmer höheren Töchterschule, der städtischen Schuldeputation und der Sanitätskommission. Er förderte den „Krieger-Hilfs-Verein“. In der Barmer Baugesellschaft für Arbeiterwohnungen saß er dem Aufsichtsrat vor.

Im Barmer Verschönerungsverein (28 Jahre Vorstandsmitglied) folgte Heinrich Eisenlohr Otto Jäger im Vorsitz des Komitees zur Verschönerung der Unterbarmer Anlagen nach. Vor der Einrichtung eines Barmer Garten- und Forstamtes betreute der Verschönerungsverein die städtischen Grünflächen und war deshalb auch für Unterbarmen zuständig.

Ab dem 1. Juli des Dreikaiserjahres 1888 war Heinrich Eisenlohr Abgeordneter des Provinziallandtages. Am 14. April 1896, dem Vorabend seines 80. Geburtstages, wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Barmen ernannt, weil er ab dem 1. Januar 1854 45 Jahre ununterbrochen als Mitglied der nationalliberalen Partei der Stadtverordnetenversammlung angehörte. Als Dank wurde ihm 1912 eine kurze Straße beim Toelleturm „geschenkt“. Für seine hervorragenden Dienste um die Verwundeten und Kranken in den Kriegsjahren 1870/71 verlieh der Kaiser Eisenlohr den Kronenorden 4. Klasse mit rotem Kreuz am Erinnerungsband. Im September 1893 erhielt er den Roten Adlerorden 4. Klasse.

Ein Jahr nach seinem Tod wurde ein Denkmalkomitee unter Vorsitz des Barmer Oberbürgermeisters Dr. August Lentze gebildet, das vermutlich eine Spendenaktion durchgeführt hat. Die Einweihung des Eisenlohr-Denkmals, einer grabähnlichen Anlage im Schatten eines mächtigen Baumes mit überlebensgroßer Büste auf einem etwa zwei Meter hohen Granitsockel, fand am 22. Mai 1900 statt.

Im Auftrag der Freunde und Verehrer des Verstorbenen, die das Denkmal gestiftet hatten, übergab Stadtverordneter Dr. Wittenstein das Denkmal in die Obhut in die Hände der Stadt Barmen.

An das das Denkmal umgebende niedrige Eisengitter erinnert heute nur noch ein Steinrahmen. Die Bronzebüste schuf ein Lehrer der Barmer Kunstgewerbeschule: Wilhelm Giesecke. 1961/62 ist das Denkmal instandgesetzt worden und die Büste danach in Verlust geraten.

Wie die heutige Stadt Wuppertal mit ihren Ehrenbürgern (insgesamt 39 Ehrengräber) umgeht, lässt sich an der Grabstätte der Familie Eisenlohr auf dem Unterbarmer Friedhof und am Eisenlohr-Denkmal sichtbar ablesen.

Nach dem die ESW den Gedenkstein für Heinrich Eisenlohr aufbereitet haben, erfordert er nach dem Willen des Bürgervereins Unterbarmen eine weitergehende Behandlung/Versiegelung der Oberfläche, außerdem eine pflanzliche Gestaltung des Umfeldes. 2017 waren Versuche, mit anliegenden Gartenvereinen und dem Nachbarverein Kothener Freunde eine Lösung zu finden, erfolglos.

Das Heinrich-Eisenlohr-Denkmal mit dem ihn umgebenen Zaun um 1900.
Foto: Stadtarchiv Wuppertal
Das Heinrich-Eisenlohr-Denkmal im August 1940.
Foto: Sammlung Untere Denkmalschutzbehörde (N 2744); www.denkmal-wuppertal.de.
Die Überreste des Denkmals am 1.September 1959.
Foto: Sammlung Untere Denkmalschutzbehörde (8280); www.denkmal-wuppertal.de.

Barmer Kopf

Foto: BVV-Archiv

Engels, August

August Engels war vielseitig interessiert

Der Textilfabrikant und Politiker August Engels gehörte zu den 13 Männern, die am 8. Dezember 1864 den Barmer Verschönerungsverein gegründet haben.

Familiäres

August Engels wurde am 25. Juni 1797 als Sohn von Johann Caspar Engels (1753-1821, Gründer der Vereinigten evangelischen Gemeinde Unterbarmen) und Ida Luise Friederike Noot (1762-1822) in Barmen geboren. Engels heiratete am 17. August 1820 in Barmen Katharina Christina Louise Krebs (1801-1871), die Tochter des Kaufmanns Friedrich Krebs (1768-1819) und der Sara Katharina Heilenbeck (1770-1825).

Das Ehepaar hatte die beiden Kinder Ida und August. Ida heiratete den späteren Fabrikanten Albert Molineus (1814-1889), Sohn des Barmer Fabrikanten Wilhelm Johann II. Molineus (1768-1841) und Mitinitiator der Barmer Bergbahn AG. August heiratete Maria Elisabeth Wichelhaus, die Tochter des königlich preußischen Kommerzienrats Friedrich Wichelhaus, Bankier und Teilhaber der Firma „Wichelhaus & Sohn“ in Elberfeld. August Engels sen. hatte die Geschwister Caspar, Peter, Friedrich (1796-1860), Louise und Emilie. Der weltberühmte Philosoph, Mitgründer des wissenschaftlichen Sozialismus, Kommunist Friedrich Engels (jr., 1820-1895) war sein Neffe.

Bruch ist der alte Name für das Engels-Quartier

Engels besuchte zunächst die Brucher-Schule, später die Stadtschule in Barmen. Im Jahr 1818 diente er als Einjährig-Freiwilliger bei der schweren Artillerie in Köln. Anschließend wurde er Teilhaber – bis 1849 mit seinem älteren Bruder Caspar (1792-1863) – der väterlichen Textilmanufaktur „Caspar Engels & Söhne“ (Seidenimport- und handelshäuser) in Unterbarmen. Ab 1820 bewohnte er nach dem Tod seines Onkels Benjamin (1751-1820) in Barmen dessen Haus „Engelsgang“ in der Engelsstraße 6. Im Jahr 1854 wurde er zum königlich preußischen Kommerzienrat ernannt. In den Jahren 1833 bis 1834 war er Stadtrat in Barmen, seit 1860 mit kurzen Unterbrechungen Beigeordneter, 1872 letztmals dazu gewählt. Etwa von 1840 bis 1860 war er Kreistagsabgeordneter,  ab 1850 stellvertretender Abgeordneter zum Provinziallandtag. In den Jahren 1851 bis 1854 war er Abgeordneter zur Ersten Kammer Preußens. Im Jahr 1860 wurde er zum Mitglied des preußischen Herrenhauses berufen, mit Eintritt am 10./14. Januar 1861. Engels war seit deren Bestehen Direktionsmitglied der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft. 15 Jahre lang war er Mitglied der Handelskammer, sechs Jahre lang Handelsrichter. Er war Mitbegründer der niederrheinischen Musikfeste.

Foto: Conrads

Seit 1822, als der Friedhof angelegt wurde, war Engels Presbyter oder Repräsentant der Vereinigten evangelischen Kirchengemeinde Unterbarmen, in den Jahren 1827, 1839 und 1851 deren Kirchmeister.

Gestorben ist der Kommerzienrat 76jährig am 26. April 1874. Selbstredend wurde er auf dem Unterbarmer Friedhof bestattet, die Steinsäule erinnert noch an ihn, obwohl die Familie Engels alle Gräber aufgegeben hat.


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Foto: Conrads

Frowein, Heinz

Heinz Froweins Einsatz für öffentliche Belange und im BVV

Seit der Gründung des Barmer Verschönerungsvereins am 8. Dezember 1864 ist der Oberbürgermeister der Stadt Barmen, seit 1929 der Stadt Wuppertal, „geborenes“ Vorstandsmitglied. In dieser Galerie befindet sich auch Heinz Frowein, von 1961 bis 1964 Wuppertaler Oberbürgermeister. Über sein aktives Mitwirken ist bisher nichts überliefert.

Jura als Familientradition

Hans Heinz Jasper Frowein wurde am 12. Mai 1905 in Elberfeld als Sohn des Rechtsanwaltes  Richard Frowein geboren und ist heute vor 27 Jahren, am 2. Mai 1994, in Wuppertal gestorben.

Heinz Frowein machte es seinem Vater gleich und begann ein Jurastudium. Er besuchte die Universitäten in München, Berlin und Bonn. 1928 promovierte er in Bonn zum Dr. jur. und ging zurück nach Wuppertal, wo als Rechtsanwalt arbeitete.

„Nicht-Arier“

Die nationalsozialistischen Jahre brachten der Kanzlei Frowein große Probleme. Richard Frowein war mit Ada Cohnitz verheiratet, einer Halbjüdin aus einer Elberfelder Fabrikantenfamilie. Demnach galt Heinz Frowein als „Nicht-Arier“, bei dem - wie sich der Präsident des Wuppertaler Landgerichts bereits im April 1933 gegenüber dem Vater Richard äußerte - die „Rücknahme der Zulassung als Rechtsanwalt“ in Betracht käme. Richard Frowein musste einen harten Kampf um die berufliche Existenz seines Sohnes ausfechten. Der Bombenangriff auf Elberfeld am 25. Juni 1943 bedeutete eine scharfe Zäsur. Das Gebäude der Wichelhausbank fiel dem Feuersturm zum Opfer und sämtliche Unterlagen der Rechtsanwaltskanzlei Frowein wurden zerstört.

Kriegsheimkehrer

Schon 1945 kam Dr. Heinz Frowein nach Ende des Zweiten Weltkrieges heim nach Wuppertal und erhielt als Nicht-Parteigenosse noch im selben Jahr seine Zulassung als Rechtsanwalt durch die Militärverwaltung. Damit war er wohl der Erste unter den Wuppertaler Anwälten, der wieder seinem Beruf nachgehen durfte. Im November 1945 gründete Heinz Frowein gemeinsam mit vier Berufskollegen den Wuppertaler Anwaltsverein. 

Foto: Conrads

Neustart mit DemokratieDr. Heinz Frowein wurde 1945 Mitglied der Christlich Demokratischen Union (CDU) und 1961 Stadtverordneter Wuppertals. Mit der Übernahme dieses Amtes stand er in guter Familientradition, denn immerhin konnte er acht Bürgermeister zu seinen Vorfahren zählen, sieben in Elberfeld und einen in Lennep. Frowein sah es als seine Pflicht an, sich für die öffentlichen Belange, insbesondere die der Stadt Wuppertal, zu engagieren.

Am 29. März 1961 wählten ihn die Stadtverordneten mehrheitlich zum damals ehrenamtlichen Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, was er bis zum 5. Oktober 1964 blieb. Dan änderten sich wieder die politischen Mehrheiten, so dass Frowein bis zum 3. Juni 1973 unter den Oberbürgermeistern Hermann Herberts und Johannes Rau Bürgermeister Wuppertals blieb. Während dieser Zeit setzte er sich für die Gründung einer Wuppertaler Universität ein, welche tatsächlich 1970 unter Rau gegründet wurde. Im Jahr 1968 regte er die „Aktion Museumspfennig“ an, die Spenden für einen Neubau des Von der Heydt-Museums bringen sollte. Diese Sammlung war der Start einer Diskussion um den Neubau. Ein Jahr später wurde auch schon ein internationaler Architekten-Wettbewerb ins Leben gerufen.

Würdigungen

1970 wurde Heinz Frowein der Ehrenring der Stadt Wuppertal verliehen, 1970 auch das Große Verdienstkreuz und 1983 das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland.

1973 zog er sich aus der Politik zurück.


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Foto: Klaus-Günther Conrads

Hefter, Werner

Werner Hefter hat gerne gelebt und viel erlebt

„Ich möchte keine Minute meines Lebens missen“, diese Aussage machte Werner Hefter im stolzen Alter von 81 Jahren und klang dabei glaubwürdig. „Der alte Hefter“, wie er sich selbst nannte, stand auch im fortgeschrittenen Alter noch „mitten im Leben“, das für ihn so abenteuerlich und erlebnisreich war. Er hatte noch so viel vor, dass die Zeit immer knapp war. Eckpunkte gab es für den forschen Rentner trotzdem. Es waren die Fernsehnachrichten am Morgen und Abend, dazu Zeitungen unterschiedlicher Couleur. „Man muss schließlich wissen, was los ist“, meinte er einmal dazu.

Biografisches

Werner Hefter, der spätere Flieger und Unternehmer, wurde am 1. Dezember 1915 in Neusulz an der Oder geboren. 1928 zog die Familie nach Potsdam, wo er das Gymnasium besuchte. Während seine Mitschüler büffelten, beurlaubte sich der junge Hefter selbst und verdiente erstes eigenes Geld als Komparse in den Babelsberger UFA-Filmstudios. Ein Streifen hieß „Mädchen zum Heiraten“, andere „Das Ekel“ und „Gräfin von Monte Christo“. Nach dem Rausschmiss aus der Schule kurz vor dem Abitur begann der Wissbegierige 1933 eine Lehre im Eisenwarenhandel. Es kam die Zeit, als Reichskanzler Adolf Hitler mit festen Programmen gegen die Arbeitslosigkeit von sechs Millionen Menschen ankämpfte und insbesondere die Jugend in seinen Bann zog. Hefter gehörte zu den vielen, die einen Auto- oder Flugführerschein kostenlos erwerben konnten und wirkte im NSFK mit. Er betonte, dass eine NS-Parteimitgliedschaft nicht Bedingung war. Zwar war ihm zweifelhaft, dass so wenige Zeitgenossen zu ihrer damaligen Überzeugung standen, doch sah er andererseits Vergleiche zur Gegenwart, wo die Jugend besonders im Osten Deutschlands wegen fehlender Ausbildung und Beschäftigung die Verlierer der Einheit zu sein scheinen.

Luftsport

Im Deutschen Luftsportverband hatte Werner Hefter das Fliegen aller Maschinentypen erlernt, ab 1933 Segelflug, von 1935 an Motorflug. In Rangsdorf bei Berlin leitete er die Flugbereitschaft und lernte Beate Uhse kennen, deren Name später für Furore im Sexartikelhandel sorgen sollte. Das gemeinsame Fliegen ließ eine lange, echte Freundschaft entstehen. Hefter flog beispielsweise die legendäre Junkers Typ Ju 52 und die Fliegerschar hieß „Roter Adler“. Es wurden Sportfliegerschulen eingerichtet und man konnte Maschinen mieten. Aus den Wettbewerben, an denen sich der begeisterte Flieger beteiligte, ragte der Deutschland-Flug heraus, der ihn in die „letzten Ecken“ des Reiches fliegen ließ. Typisch ist für Werner Hefter, dass er auch seine Schleppflüge bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin noch Jahrzehnte später minutiös belegen konnte, ergänzt durch Zeugnisse der Medaillengewinner. Als Flieger-Double kehrte Hefter zum Film zurück. Beim „Kongo-Express“ waren Willi Birgel und Rene Deltgen die Stars, beim „Lied der Wüste“ Zarah Leander und Gustav Knuth. Ältere Kinogänger werden sich gerne an die rasanten Flüge erinnern, für die die Stars ihr Leben nicht aufs Spiel setzen mussten.

Die nationalsozialistische Zeit mit dem Zweiten Weltkrieg

Zuvor mit Militär und Waffen nicht in Berührung gekommen, wurde Werner Hefter im September 1939 zur Luftwaffe und in die Kampffliegerschule eingezogen. Zum Jahresende 1939 galt es, „in Krakau das Vaterland zu verteidigen“. Der nach der Verlegung nach Kitzingen/Main deutlich werdende fliegerische Fleiß hinterließ die Titulierung „fluggeil“. Im Frankreich-Krieg ging es ans Eingemachte. Erfolgreichen Flügen standen zwei Abschüsse in Dünkirchen und der Themse-Mündung am 27. Mai und 31. August 1940 gegenüber. Hefter konnte seinen zweiten Geburtstag feiern, denn diese und andere Abstürze wegen technischer Defekte hat er ohne ernsthafte Verletzungen überstanden. Gerne gestand er deshalb später, „dass ich viel Glück gehabt habe, dem lieben Gott näher war als viele andere, und dankbar bin!“ Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurde Hefter für Kurierflüge, beispielsweise von Jüterbog bei Berlin nach Oslo, eingesetzt. Während er, längst zum Offizier befördert („um Schwächen wegen der fehlenden Grundausbildung zu verschleiern“), sich von Ranghöheren nicht beeindrucken ließ, zeigte er gegenüber Infanteristen, deren Heimaturlaub bevorstand, viel Herz. „Es gab manch nette Episode“, schmunzelte Hefter im Interview, der dann von Rostock aus Überführungsflüge für die Flugzeugwerke Heinkel, anschließend von Riga für M. Espenlaub, und schließlich von Wismar aus für Dornier ausführte.

Nachkriegszeit

Nach Kriegsende kehrte Werner Hefter mit seiner Frau Ilse, die er 1943 in Riga kennengelernt und schon vier Wochen später in der Potsdamer Garnisonskirche geheiratet hatte, in deren Heimatstadt Wuppertal zurück. Da Fliegen verboten war, suchten die Hefters nach einer neuen Existenzgrundlage. „Kitten, Kleben und Leimen“ hieß die Devise, und gefertigt wurden Haushaltsgegenstände und Spielwaren in einem Langerfelder Luftschutzkeller. Der Start gelang ohne Kapitaleinsatz, „doch mit Hilfe meiner Gattin“, vergaß Hefter nicht zu erwähnen. Zwar hatte der Jungunternehmer, für den Qualität, Zuverlässigkeit und solide Preise Grundprinzipien waren, keine Teller gewaschen, aber stattdessen Uhren gereinigt und Scalenantriebe für Rundfunkgeräte repariert. Zeitweise wurde eine Bandwebdruckerei betrieben. Frau Hefter spulte. Nach mehreren Stationen in Langerfeld wurde am 1. Januar 1946 der Betrieb an der Heckinghauser Straße aufgenommen und die Automobilindustrie bevorzugtes Betätigungsfeld. Die Leichtmetallverarbeitung reichte vom Kühlergitter des BMW bis zu Dachgalerien; das Verformen von Aluminium war ein Erfolgsrezept bis in die Gegenwart. Erst die Rezession zeigte die gespannte Lage abhängiger Zulieferer deutlich. Die Verantwortung hatte Werner Hefter längst an seinen Sohn Dieter übertragen, „weil nur einer bestimmen kann“. Dass die Hefters wahrhaft eine Fliegerfamilie sind, beweisen auch Sohn, Schwiegersohn und Enkel, die mit großen Erfolgen und freudig in die Lüfte gehen.

Leben ohne Fliegerei?

Dass Werner Hefter nicht ohne die Fliegerei leben konnte, war klar. Deshalb gründete er 1950 gemeinsam mit Gottlob Espenlaub (seine ehemalige Bauhaus-Villa „Fischer“ steht an der Rudolf-Ziersch-Straße) den Luftsportclub Wuppertal. Kaum zu glauben, dass dort, wo später Metro und Real ihre Waren verkauften, Flugzeuge starteten und landeten. Da es mit einem Flugplatz auf den Marscheider Höhen nicht geklappt hatte, wurde 1963 der Flugplatz in Radevormwald-Leye in Betrieb genommen. 1983 nahm Ehrenmitglied Hefter seinen Abschied von der aktiven Fliegerei. Im Club war er immer ein Vorbild, hatte für alle ein offenes Ohr. Später vertiefte sich „der alte Hefter“ noch manches Mal in alte Fotoalben, Bücher und archivierte… Seine Frau ließ ihm die eigenen vier Wände und die regelmäßigen Stammtischbesuche. Hefters Interesse galt den LTV-Handballern und dem Heidter Bezirksverein, der ihn zum Ehrenmitglied ernannt hat.

Werner Hefter starb am 28. Oktober 2002 in seinem letzten Wohnsitz Mönchengladbach. Begraben ist er auf dem Unterbarmer Friedhof.


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Foto: BVV-Archiv

Herzog, Paul

Paul Herzog steuerte den Heidter Bürgerverein durch schwere Zeit

Dem früheren Vorsitzenden des Heidter Bezirksvereins, Bernard Böger, und heutigen Vorsitzenden des Heidter Bürgervereins (Name seit 2003), Hermann-Josef Brester, verdanken wir die Erinnerung an Paul Herzog.

Bürgerengagement

Am 8. Mai 1904 wurde der Heidter Bürger- und Bezirksverein gegründet. Die Gründungsversammlung fand in der Gaststätte Wilhelm Klein in der Heckinghauser Straße statt. Den ersten Vorstand bildeten Ernst Wahl, Ernst Pixberg, Paul Brand, Albert Kötting und die Beisitzer Walter (oder Paul?) Herzog, Hugo Kromberg, Hermann Müller, Rudolf Seekopp, Rechtsanwalt Dr. Orgler und Branddirektor Schulz. Als Zweck des Vereins bestimmten die Gründungsväter, „...die allgemeinen Interessen des Heidts zu vertreten. Der Verein will Mittler sein zwischen der Bevölkerung seines Bezirks und den amtlichen Stellen. Ferner soll durch ihn die Liebe zur Heimat und zur Natur und der Gemeinschaftssinn gepflegt werden. Der Verein steht auf überparteilicher und überkonfessioneller Grundlage.“ Als erster Vorsitzender leitete Paul Herzog (5. November 1876 bis 4. April 1956) den Verein von etwa 1914 bis in die Nationalsozialistische Zeit lange Jahre den Bürgerverein. Im Jahre 1937 wurde von Paul Herzog in der im Zweiten Weltkrieg zerstörten ehemaligen Barmer Stadthalle, die in den unteren Anlagen stand, ein Vortrag „Der Heidt von anno dazumal“ gehalten. In der NS-Zeit wurde die Arbeit von Bürgervereinen unterdrückt oder gar stillgelegt.

Paul Herzog persönlich

Der am 5. November 1876 auf dem Barmer Heidt geborene Paul Herzog war in Vereinen und Organisationen des Baugewerbes stark engagiert. So war er vor 1933, dem Jahr der nationalsozialistischen Machtübernahme, über zehn Jahre Obermeister der Baugewerkinnung. Diesen Posten musste er niederlegen, weil er den Führenden der NSDAP nicht genehm war. Von 1945 bis 1950 war Herzog erneut Obermeister, dann Ehrenobermeister. Am 4. April 1956 ist er einem Herzschlag erlegen. Hermann Josef Brester, einer von Herzogs Nachfolgern: „Für den Heidt und die Barmer Südstadt hat er eine sehr große Bedeutung, weil der die Geschichte nicht nur erforschte und sein Wissen in Vorträgen weitergab, sondern 1911 auch in einer Broschüre publizierte und damit für die Nachwelt festhielt. Alle, die nach ihm die Südstadt exakt beschreiben wollten, verdanken Paul Herzog viel!“

Neubeginn

Die Geißel des Krieges hatte nicht nur unermessliches Leid über die Familien gebracht, die den Verlust ihrer nächsten Angehörigen an den Kriegsfronten und durch Luftangriffe beklagten, sie hatte auch infolge des Luftkrieges die Städte und Verkehrsanlagen vernichtet. Mehrere Jahre nach Kriegsende fassten einige Bürger den Entschluss, den Heidter Bürgerverein wieder aufleben zu lassen, um die Wünsche und Lebensnotwendigkeiten der Bürger den Behörden vorzutragen und dort wirksam zu vertreten. Es ging in dieser Zeit um alles: Wohnungen für die Menschen, Räume für Ärzte und Apotheker, Aufbau der Geschäfte zur Lebensmittelversorgung, Verkehrseinrichtungen in dem Bezirk, um nur einige der wichtigsten Probleme anzusprechen. Nach langen Beratungen und Verhandlungen genehmigte Oberstadtdirektor Dr. Hans Bremme als Verwaltungschef der Stadt Wuppertal im März 1949 ausnahmsweise – wegen der zu dieser Zeit noch bestehenden besonderen Auflagen – die Wiederaufnahme der Vereinsarbeit im Heidter Bürgerverein (als erstem Bürgerverein im Gebiet der Stadt Wuppertal). Am 30. März 1949 wurde im weißen Saal der Gaststätte Herhaus in der Unteren Lichtenplatzer Straße die erste öffentliche Nachkriegsversammlung des Heidter Bürgervereins abgehalten und gewählt: Ferdinand Grunow (1. Vorsitzender), Wilhelm Lumpe (2. Vorsitzender), Erwin Kötting (Schriftführer), Hans Kötting (Kassierer) und als Beiratsmitglieder: Franz Schollasch, Karl Rahmann, Willi Jungfer, Oskar Schmidt, Hermann Hund und Karl Köhler. Diese neue Führungsgruppe des Heidter Bürgervereins stand vor der Lösung vielfältiger Aufgaben. In kurzer Zeit ließen sich über 400 Heidter Bürger als Mitglieder einschreiben.

Lesetipp

„Der Heidt“, seine Geschichte und seine Entwicklung“, Vortrag von Paul Herzog, gehalten im Mai 1911 im Heidter Bezirksverein, Barmen 1911. Nachdruck Barmen 1979.


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Foto: Archiv BVV

Hoffmann, Erich

Erich Hoffmann leitete das Planetarium in den Barmer Anlagen

Als das Barmer Planetarium vor 95 Jahren, am 18. Mai 1926, am Fuße der oberen Anlagen eröffnet wurde, war es das modernste und größte Planetarium der Welt und mit einer Carl-Zeiss-Jena-Optik ausgestattet. „Keines der bald überall in Deutschland und der Welt entstehenden Planetarien wies einen solchen Einklang mit der umgebenden Natur auf“, schrieb Hans Joachim Hybel in seinem Aufsatz im Buch „Barmer Südstadt“, dass Hans Joachim de Bruyn-Ouboter 1994 herausgegeben hat. Heute erinnert nahe der Bushaltestelle Barmer Anlagen in der Unteren Lichtenplatzer Straße ein Findling mit Infotafel an diese fortschrittliche Einrichtung. Der Abriss hätte nach Meinung mancher Zeitzeugen nicht sein müssen, weil der bauliche Zustand so schlecht nicht gewesen sei. Immerhin: ein Riss zog sich nach dem Angriff auf Barmen am 30. Mai 1943 durch die große Kuppel und nach dem Zweiten Weltkrieg war das Inventar gestohlen worden.

Der Barmer Oberbürgermeister Dr. Paul Hartmann, auch Vorstandsmitglied im Barmer Verschönerungsverein, begründete die Notwendigkeit des Planetariums: Anschauungsmittel für Schülerinnen und Schüler, einzigartiger Anziehungspunkt, Bildungsmittel schaffen. Jedenfalls musste Hartmann Verwaltung, Stadtverordnete und Bürgerinnen und Bürger angesichts der schlechten städtischen Finanzlage überzeugen.

Als wissenschaftlichen Leiter des Planetariums gewann die Stadt den Lehrer am Barmer Realgymnasium Sedanstraße, Dr. Erich Hoffmann. Dr. Hoffmann wurde am 4. Juni 1888 im thüringischen Henneberg geboren. Mathematik und Physik studierte Hoffmann in Jena. Die Dissertation datiert vom 28. März 1912. Seine guten Verbindungen zur Firma Zeiss nutzte Hoffmann schließlich bei der Beschaffung der Technik für das Planetarium. Zunächst trat Hoffmann im Herbst 1920 seinen Dienst am Gymnasium Sedanstraße an.

Mit Begeisterung nahm Hoffmann seine Berufung als wissenschaftlicher Leiter am neuen Barmer Planetarium an. Herz des Planetariums war das Projektionsgerät, ein übermannshoher hantelförmiger Apparat, der von der Firma Carl Zeiss Jena entwickelt wurde. Die Hantel, trotz der 1,7 Tonnen Masse vielseitig schwenkbar in einem futuristisch anmutenden fahrbaren Gestell, trägt in den Kugelköpfen je 16 Projektoren für weit über 8.000 Fixsterne, 18 Lichtwerfer für die Galaxien und Sternhaufen, sowie für den hellsten Fixstern Sirius. Prototyp für viele Instrumente in aller Welt.

In seinem „Belegplan“ drückte sich die große Vielfalt der Verbände und Vereine auf, denen er und seine Mitarbeiter astronomisches Wissen, aber auch das Gefühl von Ehrfurcht vor dem Universum und seinem Schöpfer, vermittelten: Volkshochschule, Beamtenbund, Verein ehemaliger Kriegsgefangener, Barmer Bildungsverein, Hausfrauenbund, Rotter Männerchor, Katholischer Gesellenverein, Unterbarmer Posaunenchor, Schulklassen aus Barmen, Essen, Werl und Unna, Verband der Kinderreichen, Gewerkschaftsführer. Für Freidenker, die Baptistenjugend und die Germanische Glaubensgemeinschaft standen die Türen ebenso offen.

Als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen und kategorisch „Vorträge über Wehrpolitik“ verlangten, machte sich Dr. Erich Hoffmann unbeliebt.

Als sein Herzleiden immer stärker wurde, musste Hoffmann seine Arbeit in Schule und Planetarium reduzieren. Er fand noch die Zeit, vorbildliche Lehrpläne für den Astronomie-Unterricht zu entwickeln.

Am Freitag, 5. August 1938, hat Erich Hoffmann seine Augen für immer geschlossen. Seine Tochter Margot Sundermann (11. Juli 1926-13. September 2000) hat die Erinnerung an ihren Vater bewahrt und dafür gesorgt, dass der Denkstein in den Barmer Anlagen aufgestellt wurde.

In der Tradition des fortschrittlichen Gymnasiums wurde unter Leitung von Lehrer Hans Joachim Hybel ein Geopfad angelegt, der vom Brunnen an der Werther Brücke den Werth durchzieht. Mehrere Tafeln vermitteln auf dem Planetenweg astronomisches Wissen. (Wikipedia: Astropfad Wuppertal)


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Foto: Sammlung BVV

Hofmann, Rüdiger

Mit dem Toelleturm war Rüdiger Hofmann auf Du und Du

Rüdiger Hofmanns 1968 begonnene Mitgliedschaft im Barmer Verschönerungsverein (BVV) wäre nichts Besonderes, hätte damit nicht die Gründung des Arbeitskreises zur Betreuung des Toelleturms und aktive Mitarbeit begonnen.

Seinerzeit war der Aussichtsturm auf der Barmer Südhöhe nach zehnjährigem „Dornröschenschlaf“ wegen Baufälligkeit und umfänglicher Renovierung, die sich schon ein Jahrzehnt später als Misserfolg herausstellte, wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Bis Mitte der 2010er Jahre koordinierte Hofmann die Einsatzzeiten der Freiwilligen, die ermöglichen, dass bei trockenem Wetter und klarer Sicht der Turm sonn- und feiertags von 12 bis 18 Uhr, seit 2019 auch samstags von 15 bis 18 Uhr, geöffnet ist.

Toelleturmbetreuung durch Freiwillige

Da der Verschönerungsverein als Turmbesitzer kein Wachpersonal einstellen konnte, fanden sich einige BVV-Mitglieder bereit, das Wahrzeichen zu öffnen und dafür ihre Freizeit zu opfern. Um die Öffnung des Toelleturms von Ostern bis Ende September zu gewährleisten, gründete die damalige Geschäftsführerin Sonja Priester am 11. Dezember 1978 einen Arbeitskreis. Dessen Gründungsmitglieder waren neben anderen Freiwilligen die Eheleute Rüdiger und Heidi Hofmann (27.2.1939-24.7.2016). Auf diese Weise fanden viele Familienstunden, nicht immer bei wohligen Temperaturen, am Toelleturm statt.

Neben der Toelleturmbetreuung und Mitgliederwerbung hat der Arbeitskreis 1979 und 1984 Wanderrallyes durch die Anlagen veranstaltet, 1983 einen Jazzfrühschoppen und 2000 ein Kinderfest. 1980 leistete er bei der festlichen Einweihung des Spielplatzes praktische Hilfe. 1981 wurde auf dem Spielplatz ein Familientreff ausgerichtet. Während der Wintermonate 1982/1983 wurden die völlig verrotteten Holzwegschilder restauriert und montiert, 1982 von Sonja Priester und Rüdiger Hofmann ein Wanderplan erarbeitet. 1986 wurden 14 km Wanderwege „gezeichnet“. Es wurden Faltpläne, Prospekte, Postkarten und Karten für die Mitgliederwerbung entworfen. Am Fest zum 100. Geburtstag des Toelleturms wirkte der Arbeitskreis organisatorisch mit. Einmal jährlich führte Rüdiger Hofmann Interessierte „von Denkmal zu Denkmal“.

1980 übernahm Rüdiger Hofmann („Obertürmer“) den Arbeitskreis und schaltete sich in die Mitgliedswerbung ein, denn naturgemäß leidet der Verein, der sich seit seiner Gründung 1864 um die Pflege der Barmer Anlagen kümmert, unter der Alterspyramide. Oft führte Hofmann interessierte Gruppen durch den attraktiven Park, der durch die „Regionale 2006“ eine neue Aufwertung erfahren hat: Umfeld Toelleturm, Emil-Röhrig-Platz (frühere Bergbahn-Haltestelle Talblick), Aussichtsplateau, Rotunde, Kinderspielplatz. Die historische Bergbahntrasse wurde wieder erlebbar gemacht.

Arbeitskreis

In früheren Jahren wurden Wanderrallys für die ganze Familie durch den Park organisiert, zum Familientreff auf dem Spielplatz eingeladen, hölzerne Wegeschilder restauriert, ein Wanderplan und Infoblätter erarbeitet und der Jahrhundertmarkt rund um den 100-jährigen Toelleturm mitgestaltet. 2007 hat Rüdiger Hofmann eine Initiative zur Sanierung des Obelisken in den oberen Anlagen gestartet. Starke Risse und Abspaltungen durch Witterungseinflüsse, verbunden mit dem Eindringen von Regenwasser bis tief in den Sandstein, gehörten zur Bestandsaufnahme. 2008 fand die Sanierung in Form des Säuberns des Steins, Schließen der vielen Risse, Verputzen zerstörter Flächen, Wiederherstellen der Verzierungen, Imprägnieren des Steins und Lasieren des gesamten Denkmals, statt. Dank der großen Spendenbereitschaft von BVV-Mitgliedern konnte Rüdiger Hofmann ein zweites Objekt auf den Sanierungsweg bringen, das Ringel-Denkmal im nach Ludwig Ringel benannten Tal.

Sein rühriges Engagement trug dazu bei, dass er 1987 in den erweiterten BVV-Vorstand gewählt worden ist. Eine Ehre an sich!

Zielbeschreibung

Eine Idee versuchte Rüdiger Hofmann immer auf den Weg zu bringen: die Barmer Anlagen und der Barmer Wald bieten sich hervorragend an, nicht nur auf Fotos abgelichtet zu werden, sondern auch für bewegte Bilder „Im Wandel der Jahreszeiten“. Rüdiger Hofmann, ein Barmer Junge, dachte an Flora und Fauna, aber auch an die vielen Denkmäler, spielende Kinder und ausruhende Senioren. Gesucht wurden und werden Videofilmer, die einzeln oder im Team nach einem Konzept einen Film gestalten.

Praktisches Geschenk

Der berufliche Ruhestand veranlasste Rüdiger Hofmann 1998, nach 35-stündiger Arbeit den Besuchern der Barmer Anlagen ein neues Entenhaus zu schenken. Das sofort nach der Aufstellung bezogene Haus aus wasserfester Siebdruckplatte und mit Fassadenfarbe geschützt, hat eine Grundfläche von einem Quadratmeter, war 95 Zentimeter hoch und als achteckiger Pavillon mit zwei Eingängen gestaltet. Leider nagte der Zahn der Zeit am Material, so dass das Entenhaus mit der Teichsanierung abgebaut werden musste.

Persönliches

Rüdiger Hofmann wurde am 13. April 1935 in Wuppertal geboren. Die Volksschule besuchte er kriegsbedingt von 1941 bis 1944 in Berlin, später von 1946 bis 1947 in Wuppertal. Der Besuch des Gymnasiums schloss sich von 1947 bis 1955 an. Bei der Remscheider Firma KHL (König & Hohmann & Otto Lübeck) hat er als Betriebsleiter bis zum Eintritt in den Ruhestand, gearbeitet.

Nach schwerer Krankheit ist Rüdiger Hofmann, der in der Weber- und später Regerstraße 8 wohnte, am 27. Dezember 2019, gestorben. Er hinterließ seine Töchter Annette mit Schwiegersohn Ado Schürmann und Britta Hofmann.

Michaela Dereschewitz, Geschäftsführerin des Barmer Verschönerungsvereins:

In den 156 Jahren unseres Bestehens hat kaum ein Mitglied so viel Freizeit ehrenamtlich für unseren Verein mit den Barmer Anlagen und dem Toelleturm aufgebracht, wie Rüdiger Hofmann. Über 50 Jahre war er in unserer Mitte! Gemeinsam mit seiner Frau hatte er seit 1978 unzählige Stunden am Toelleturm verbracht, damit Menschen hinaufsteigen konnten. Er war seit 1987 der Praktiker im erweiterten BVV-Vorstand. Geschätzt haben alle Wegbegleiter seine angenehme, ruhige, zurückhaltende, sachkundige und immer hilfsbereite Art!“


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Ibach, Rudolf

Rudolf Ibach und die außergewöhnliche Dicke-Ibach-Treppe

Sein Rufname war Rudolf, doch komplett hieß er Peter Adolf Rudolph Ibach und wurde am 30. Januar 1843 geboren. Er ist ein Spross der berühmten Pianofortefabrik Ibach. Seinen in Kürze anstehenden Geburtstag nutzt der Barmer Verschönerungsverein zu einer Erinnerung, denn die von ihm mit initiierte Dicke-Ibach-Treppe gilt wegen ihrer ungewöhnlichen Kombination von Treppe und Aussichtsplattform mit Pavillon zumindest im Rheinland als einmalig. Rudolf Ibach war Ehrenmitglied im BVV.

Klavier- und Orgelbau

1869 entschloss sich P. A. Rudolph Ibach, die Klavierfabrikation vom handwerklichen Orgelbau zu trennen und gründete als eigenes Unternehmen die Firma Rud. Ibach Sohn. Seine Firma führte er in das industrielle Zeitalter des Klavierbaus, wodurch der Betrieb bald erheblich expandierte. Außerdem begründete Ibach den Vertrieb über den Einzelhandel; als Handwerksbetrieb hatte die Firma zuvor alle Instrumente direkt an den Kunden vertrieben. Mehrere Ehrenpreise auf den Weltausstellungen von 1869, 1873 und 1879 festigten seinen Ruf, die verliehenen Titel eines „Hoflieferanten Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen der Niederlande“ (1876) und des „Königlichen Hofpianoforte-Fabrikanten“ beim preußischen Hof trugen zum Ruhm der Firma bei. 1874 wurde eine Dependance in Köln gegründet. Ibach erbaute 1876 neue Fabrikgebäude in Barmen in der Nähe des Barmer Bahnhofs, woran noch heute die dortige „Ibachstraße“ erinnert. 1879 folgte eine Ibach-Vertretung in London. 1882 schließlich erwarb Ibach ein neues Gelände in Schwelm, auf dem er eine neue Fabrik für den Bau von jährlich bis zu 4.000 Instrumenten errichten ließ. Noch 1869 hatte der Betrieb am vorigen Standort nur 70 Instrumente hergestellt. Die neue Schwelmer Fabrik war bis 2007 Produktionsstandort des Unternehmens.

Ibach war Mitglied in verschiedenen Kulturfördervereinen seiner Heimatstadt, so im Barmer Kunstverein oder der 1872 gegründeten Barmer Stadttheater-Aktiengesellschaft und in mehreren Gesangsvereinen. Ab 1871 sammelte Ibach Musikinstrumente, die er erstmals 1888 in seiner Wohnung, später in der Klavierfabrik als Museum der Öffentlichkeit zugänglich machte. Außerdem gründete er 1889 über der Vertretung in Barmen die erste Wuppertaler Musikbibliothek. Die Sammlung mit über 150 Exponaten wurde 1907 an Wilhelm Heyer in Köln verkauft und gelangte schließlich ins Leipziger Musikinstrumentenmuseum, wo ein Teil während des Zweiten Weltkriegs verbrannte. Die übrig gebliebenen Exponate sind heute noch Teil der Sammlung des Grassi-Museums für Musikinstrumente der Universität Leipzig[1].

Ibach starb 1892 während eines Kuraufenthalts in Herrenalb und hinterließ den Betrieb seiner Frau und den heranwachsenden Kindern. Seine Witwe führte die Firma zunächst weiter. 1905 übernahm der Sohn Albert Rudolf Ibach in vierter Generation den Betrieb. Rudolf Ibach der Ältere wurde auf dem Unterbarmer Friedhof beigesetzt.

Welcher Rudi wars denn nun?

Im Blick auf die von ihm mit Friedrich Wilhelm Dicke 1897 gestiftete Dicke-Ibach-Treppe philosophiert Bernd Lamprecht, Mitglied in der BVV-Kommission „Erinnerungskultur“: „Unser Rudi war seit der Schulzeit mit Fritz Willi Dicke befreundet. Vermutlich hat er zu Lebzeiten (gestorben am 31. Juli 1892) seinem Freund Geld für den Baum der Treppe an der Joseph-Haydn-Straße (bis 1935: Richard-Wagner-Straße) zur Verfügung gestellt. Ein weiterer A. Rudolf Ibach (1873-1940), wird der Sohn gewesen sein, doch mit 24 Jahren war er wohl nicht Initiator der Treppe. Aber vielleicht hat er sich im Andenken an seinen Vater (?) gemeinsam mit Dicke, der an der Ecke Waldemar-/Joseph-Haydn-Straße (früher: Weberstraße 2) eine Villa gebaut hatte, für den Treppenbau eingesetzt.“

Besitzverhältnis lange unklar

Die Dicke-Ibach-Treppe an der Josef-Haydn-Straße, die bis 1935 Richard-Wagner-Straße hieß, ist eine Stiftung der Freunde Friedrich Wilhelm Dicke (er war auch Stifter der Treppe zwischen Turn- und Ottostraße und der Straßenrampe Waldemarstraße) und Rudolf Ibach an die bis 1929 selbstständige Stadt Barmen, wie Forschungen von Hans Joachim de Bruyn-Ouboter, dem verstorbenen 2. Vorsitzenden des Bergischen Geschichtsvereins und Beiratsmitglied des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, ergaben. Beide Herren waren Vorstandsmitglieder des Barmer Verschönerungsvereins und haben fleißig mit Grundstücken im Barmer Süden gehandelt. Dicke und Ibach hatten bereits 1889 die Brüninghaus‘schen Waldungen an den BVV verkauft. Der Inschrift nach wurden Denkmal und Treppe 1897 errichtet, doch bisher belegen keine Unterlagen dieses Datum. Hundert Jahre später wurde klargestellt, dass der BVV Eigentümer der Treppe ist, weil sie sich auf seinem Grund und Boden befindet. 1933 wurde die Treppe um ein Bronzerelief "Jesus heilt ein misshandeltes Tier" ergänzt. Das Werk von Reinhold Kübart schenkte Johann Caspar Engels, wohnhaft Richard-Wagner-Straße 27, dem Tierschutzverein.

Die Dicke-Ibach-Treppe wurde in den 2000er Jahren in zwei Etappen saniert, zunächst mit einer erheblichen Spende der Familie Ibach, zuletzt mit Mitteln der NRW-Stiftung.


Barmer Kopf

Foto: Stadtarchiv Wuppertal

Jäger, Otto

Die Unterbarmer Anlagen waren sein Werk

Südlich des Unterbarmer Friedhofes zweigt von der Oberbergischen Straße ein Weg Richtung Gartenanlage ab, der von zwei Säulen gesäumt wird. Beide Denkmäler an der Kaiser-Friedrich-Höhe waren früher von Büsten gekrönt und erinnern noch heute an verdiente Barmer Bürger, die scheinbar viele Gemeinsamkeiten im unermüdlichen Einsatz für ihre Heimat- und Vaterstadt hatten: Heinrich Eisenlohr und Otto Jäger. Ihre Grabstätten befinden sich auf dem Unterbarmer Friedhof.

Otto Jäger lebte vom 6. Juni 1827 (heute vor 194 Jahren) bis 23. August 1892, war Teilhaber der Barmer Farben- (Anilin-) fabrik Carl Jäger in der Viktoriastraße 4, Mitglied der 1871 gegründeten Handelskammer, des Barmer Bankvereins, Vorstandsmitglied der Barmer Baugesellschaft für Arbeiterwohnungen, Abgeordneter des Provinziallandtages und setzte sich für städtische Waisenhäuser ein. Seine sozial- und lokalpolitischen Aktivitäten waren beispielhaft! Er war auch Mitinitiator für die Barmer Bergbahn (1894-1959).

Wo sind die Unterbarmer Anlagen geblieben?

Otto Jäger amtierte von November 1880 bis zu seinem Tod 1892 als stellvertretender Vorsitzender des Barmer Verschönerungsvereins. Im August 1890 übernahm er den Vorsitz im Komitee zur Verschönerung der Unterbarmer Anlagen, ließ Wege anlegen und die Kaiser-Friedrich-Höhe, das Gebiet südlich des Unterbarmer Friedhofes bis zur Böhle und zum Bergfrieden umgestalten. Damals, bis zur Schaffung eines städtischen Garten- und Forstamtes, verwaltete der Barmer Verschönerungsverein über 20 Hektar Grünflächenbesitz der Stadt Barmen. Die Komitees arbeiteten relativ unabhängig vom 1864 gegründeten BVV. Auf der ersten BVV-Sitzung nach Jägers Tod, am 26. September 1892, wurde ihm „in warmen Worten gedacht“ und der Vorschlag gemacht, ihm ein Denkmal zu setzen. Unter Leitung seines Nachfolgers, Heinrich Eisenlohr ist nach einem geeigneten Platz gesucht und die Form diskutiert worden. Am 11. April 1893 kam es zur Auftragsvergabe an den Bildhauer Paul Disselhoff, der für knapp 1.500 Mark eine Marmorbüste fertigte, und an den Steinmetz Friedrich Backhaus, der für 1.300 Mark die Säule schuf. Die Witwe Jägers spendete 5.000 Mark. Eisenlohr versprach, das Geld in eine Otto-Jäger-Stiftung zur Pflege der Unterbarmer Anlagen einzubringen und schrieb an die Witwe: „Für alle Zeit ist das Andenken an Ihren hochverehrten lieben Gatten in dem „Comitee“ für seine Lieblingsschöpfung und im BVV gesichert.“ Die Enthüllung des Otto-Jäger-Denkmals ist auf Mittwoch, 11. Oktober 1893, datiert. Um 11 Uhr schien die Sonne. Vor der Gesellschaft, aus der Familie Jäger, Behördenmitgliedern, BVV-Vorstand und Spendern bestehend, ehrte Heinrich Eisenlohr Otto Jäger für seine hohen Verdienste. Die Dankrede hielt Otto Jäger junior. Dann sangen die Kinder des Fischertaler Waisen- (Rettungs-) Hauses und die Unterbarmer Liedertafel.

Foto: www.denkmal-wuppertal.de

Wiederentdeckung des Denkmals

Nachdem das verschollene Denkmal, über dessen desolaten Zustand die Neue Rhein-Zeitung 1957 berichtet hatte, und die Stadt die Säule 1964 entfernen ließ und im Einvernehmen mit der Bezirksvertretung Barmen-Südwest auf dem Barmer Ehrenfriedhof „unterstellen“ wollte, wurde es irgendwann im Domizil des Barmer Verschönerungsvereins an der Lönsstraße gefunden und zum städtischen Depot im Nordpark transportiert. Es wurde nach einer Medieninitiative der „Wuppertaler Rundschau“ 1992 am ursprünglichen Standort (Plateau hinter dem Leimannschen Lokal) zwischen Oberbergische Straße und Eisenlohr-Denkmal wieder aufgestellt. Allerdings ohne Marmorbüste, die in Verlust geraten ist.


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Foto: Sammlung Conrads

Janssen, Heinrich

Aus Heinrich Janssen wurde Henry Janssen

Drei miteinander eng verbundene Textilbetriebe in Wyomissing bei Reading im nordamerikanischen Staate Pennsylvania, die Textile Machine Works (Textilmaschinenfabrik), die Narrow Fabric Company (Gesellschaft für Schmalband) und die Berkshire Knitting Mills (Berkshire Strickereiwerk) gaben 1936 eine gedruckte Geschichte der Industrien von Wyomissing heraus, ein Buch, das den schlichten Titel "Partners" trägt.

Das Wort wird man mit "Teilhaber" übersetzen, aber es enthält mehr; das Buch stellt die Geschichte zweier Geschäftsfreunde dar, die einmütig 58 Jahre lang ihren Weg als Fabrikanten gingen, von kleinen Anfängen zu stolzer Höhe: Ferdinand Thun und Henry Janssen. Beide sind 1866 in Barmen geboren: Thun am 14. Februar, Janssen am 8. Februar (vor 155 Jahren!). Janssen starb am 28. Januar 1948.

Familie Janssen

Heinrich Janssens Elternhaus stand an der unteren Westkotter Straße. Sein Vater, Albert Janssen, als junger Mann vom Niederrhein nach Barmen zugewandert, war Buchdrucker und führte neben seinem Betrieb noch einen kleinen Buchhandel. Mit seiner Frau, Helene, geborene Brenner, hatte er sechs Kinder. Mit 15 Jahren ging Heinrich in die Maschinenschlosserlehre, wo er zunächst landwirtschaftliche Maschinen umgehen lernte und in harter Schule zur Qualitätsarbeit erzogen wurde. Auf seine Geschicklichkeit vertrauend, machte er sich mit 22 Jahren auf die Reise in die USA. Sein einziger Besitz war in einem gediegenen handgefertigten Holzkoffer verpackt, den er auf der Schulter trug, als er in New York an Land ging. Einen Tag nach seiner Ankunft fand er bei einer Wirkwarenfabrik, der Castle Braid Company in Brooklyn, eine Stelle als Maschinist und wurde binnen Jahresfrist Leiter des Maschinenparks.

Freundschaft

Als sich die jungen 25jährigen Männer Thun und Janssen kennenlernten, entdeckten sie an sich einiges Gemeinsame: gleiches Alter, gleicher Heimatort, ähnlicher Jugendgang, gleiche gutbürgerliche Erziehung, gleichlaufende Interessen auf dem Gebiet der Textilmaschinen. Aus der Interessengemeinschaft erwuchs eine ehrliche, herzliche Freundschaft und eine berufliche Zusammenarbeit, die erst der Tod nach 57 Jahren löste.

Textiltradition nach Amerika exportiert

Einiger Monate bedurfte es, bis die Freunde sich über den einzuschlagenden Weg klar waren, auf dem sie ihr Glück zu machen hofften. Dann eröffneten sie in Reading im Staate Pennsylvania, Cedar Street 222, in einem gemieteten Gebäude eine kleine Werkstatt zur Herstellung von Flechtmaschinen. Der Zeitpunkt, an dem sie anfingen, war günstig, denn 1890 hatte die amerikanische Bundesregierung auf ausländische Maschinen einen Schutzzoll gelegt. Textile Machine Works, Thun & Janssen, so lautete die Firma. Das Fabrikationsgeschäft der unbekannten Hersteller begann zögernd; Reparaturaufträge mußten helfen. Aber beide vertrauten auf ihre jugendliche Arbeitskraft. Zu den Arbeitern ihres Betriebs hatte die Chefs sogleich ein herzliches, kameradschaftliches Verhältnis. Schon damals begann ihr Ruf als soziale Unternehmer, von denen gesagt werden konnte, daß ihre Stellung zur Belegschaft "beneidenswert friedlich und auf gegenseitiges Vertrauen gegründet war. Nach sechs Monaten kam der erste Auftrag für eine Flechtmaschine, noch nicht gleich überwältigend, was den Gewinn betrag, aber ermutigend. Es waren technisch und wirtschaftlich bewegte Jahre damals, als Henry Ford (1893) in Detroit eine kleine Werkstatt für Kraftwagen anfing, als die große Weltausstellung in Chicago ganz Amerika begeisterte. Sie entwickelten einige Sonderheiten, wie z. B. eine Maschine für Hosenträgerband, und allmählich ging es aufwärts. 1896 konnten sie den vier Jahre alten Betrieb nach Wyomissing verlegen. Hier, etwa fünf Kilometer westlich der Stadt Reading in der Grafschaft Berkshire (Pennsylvania) hatten sie fast unbegrenzt freies Feld für eine etwaige Vergrößerung. Die Wirtschaftslage, die Anfang der 1890er Jahre allgemein uneinheitlich war, besserte sich unter der Präsidentschaft von McKinley (1897) und weiter unter Theodore Roosevelt. Die "Textile" machte Erfindungen, nahm Patente, ihre Maschinen wurden gekauft, 1899 erhielt die Firma für Ihre Modelle einen wertvollen Preis auf der Nationalen Exportausstellung in Philadelphia. Auch die Elektroindustrie rief nach umsponnenen Kabeln - Arbeit für das Wirkgeschäft.

Barmer Artikel Made in USA

Der Aufstieg der Firma ging nun stetig weiter. 1900 hielt sie es für richtig, ebenfalls "Barmer Artikel" herzustellen und gründete dafür die Narrow Fabric Company, einen Betrieb, der sich in der Folge gut entwickelte. 1901 ging das Viktorianische Zeitalter zu Ende, die Damenmoden gingen neue Wege, der Strumpf trat seinen Siegeszug an. Textile Machine Works stellten Strumpfwirkmaschinen her, die den modernen Anforderungen genügten. Hatte die Firma um die Jahrhundertwende 70 Arbeiter beschäftigt, so waren es 1903 schon 150, und nun dehnten sich Fabrikationsanlagen, kaufmännische Betriebe, soziale Einrichtungen in weit schnellerem Zeitmaß aus. 1906 wurde eine Strumpffabrik errichtet, die Berkshire Knitting Mills, in der mit den Maschinen der Textile Machine Works Damenstrümpfe hergestellt wurden, zuerst in Baumwolle, dann mehr und mehr in Seide und Kunstfaser. Eine Gießerei fertigte die benötigten Maschinenteile selbst und arbeitete ferner für gewinnbringende Lohnaufträge.

Im Außenbezirk von Reading, einer Industriestadt mit einem erkennbaren deutsche Bevölkerungsanteil, entwickelten sich nun die "Wyomissing Industrien". Hatten Textile Machine Works 1913 etwa hundert Maschinen jährlich gebaut, so waren es 1926 rund 1000. Nach außen wurden die Werke mehr und mehr durch ihre vorbildlichen modernen Werksanlagen sichtbar.

Teilhaber

Die Teilhaber Thun und Janssen verstanden es bereits früh, tüchtige Mitarbeiter heranzuziehen, nicht zuletzt Söhne und Schwiegertöchter; sie wollten nicht alles allein machen. So behielten sie den Kopf frei für schöpferische Indeen und Zeit für ein herzliches Familienleben. Rudolf Herzog, mit Ferdinand Thun aus früher Jugend als Nachbarskind befreundet, hat in seinem Roman "Das große Heimweh", den er auf Grund einer Amerikareise 1912 schrieb, seinem Freund und seinem "echt deutschen" Familienleben, wenn auch unter dichterisch veränderten Namen und Daten, ein Denkmal gesetzt.

Henry Janssen hatte einen Sohn, der während des ersten Weltkrieges im Lager, wo er als Soldat ausgebildet wurde, an den Folgen der damals grassierenden Grippeepidemie starb, und zwei Töchter.

Fürsorge

Es ist nicht leicht, bei allem, was die Partner an industriellen, sozialen und humanitären Einrichtungen ins Leben riefen, jeweils den schöpferischen Anteil des Einzelnen zu erkennen. Janssen war der vorwärtsdrängende, von technischen und wirtschaftlichen Ideen erfüllte Pionier, Thun der vorsichtig abwägende Kaufmann und sorgfältige Organisator. Aber steht gelang es ihnen, ihre in der Sache zuweilen abweichenden Ansichten freundschaftlich in Einklang zu bringen. Das Krankenhaus von Reading, dem ihre besondere Fürsorge galt, erhielt im Laufe der Jahre 4 Millionen Dollars auf den Mitteln der Firma, zu gleichen Teilen von beiden gestiftet. Museum und Kunstgalerie von Reading erfreuten sich ihrer teilnehmenden Förderung. Das Deutschtum in den Vereinigten Staaten zu pflegen, ohne politischen Nebenzweck, aber unter Betonung der kulturellen Beziehungen beider Nationen, war Ferdinand Thuns ständiges Bemühen.

Gegen die alte Heimat

Beide Söhne Barmens haben ihre Wuppertaler Heimat nicht vergessen. Der Erste Weltkrieg schon brachte sie in den seelischen Zwiespalt, mit der neuen Heimat gegen das Land ihrer Väter wirken zu müssen. Umso lieber haben sie in den Notzeiten der 20er und 30er Jahre soziale und wirtschaftliche Hilfe für ihre alte Heimat geleistet und ebenso nach 1945. Beraten und unterstützt von den Herren des Bankhauses Ahr, Krath & Co. in Wuppertal, haben sie durch vielfältige Kanäle ihre Nothilfe den Bedürftigen zugeleitet, in Geld, in Sachspenden, stets großzügig in ihren Entscheidungen und mit nachhaltiger Wirkung. So war es nur ein Akt schuldiger Dankbarkeit, dass Wuppertal sie äußerlich ehrte durch die Benennung der Ferdinand-Thun-Straße und der als Allee ausgeführten Heinrich-Janssen-Straße im Barmer Süden. Zum Gedächtnis an Henry Janssen, der am 28. Januar 1948 starb, schrieb ein Mitarbeiter: "Er war ein stattlicher Mann, der immer aufrecht ging, aber niemals in Eile, gesegnet mit fester Gesundheit durch sein ganzes Leben - fürwahr ein Mann unter Männern. - er redete nicht gern öffentlich, aber im vertraulichen Kreise sprach er kernig, interessant und witzig.

Diesen Beitrag schrieb Dr. Walter Dietz in den "Wuppertaler Biographien", Folge 1, Born-Verlag;

Klaus Vollmer ergänzte ihn. Dr. Horst Heidermann (†) und Klaus Vollmer haben 2014 das Buch „Millionäre und Mäzene“, Edition Köndgen ISBN 978-3-939843-46-7, herausgegeben. Vollmer ist Vorstandsmitglied der Ferdinand Thun & Henry Janssen Gedächtnis-Stiftung, die z.B. den Heidter Bürgerverein und den Barmer Verschönerungsverein unterstützt.


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Foto: Conrads

Langermann, Johannes

Johannes Langermann ist am 24. Oktober 1848, vor 172 Jahren geboren worden. Wegen seiner Verdienste wurde ihm am Höhenweg im Barmer Wald ein Denkmal gesetzt. Dieses Denkmal besteht aus einem Steinwürfel auf einem kleinen, runden Platz. 

Über der Inschriftentafel befand sich bis zum Zweiten Weltkrieg ein Bronzebildnis Langermanns von Wilhelm Koopmann. Am 1. April 1951 konnte das Denkmal erneut eingeweiht werden, nachdem die Kriegsschäden beseitigt worden waren. Im Herbst 1985 erneuerte der Barmer Verschönerungsverein die verwitterte Inschriftentafel und änderte diese dabei leicht ab.

Auf seiner Website www.denkmal-wuppertal.de schreibt Jan Niko Kirschbaum: „Der Provinzialverband Rheinland des Deutschen Lehrerverbands weihte am 9. April 1926 das von Professor Peter Klotzbach gestaltete Denkmal für den verstorbenen Kollegen Johannes Langermann ein. Jener Langermann, geboren am 24. Oktober 1848 in Broock, vollendete 1878 das Lehrer-Seminar und arbeitete von 1880 bis 1906 in Barmen. Der engagierte Lehrer wurde zum Schulreformer und träumte von einer Schule, in der die Schüler frei die eigene Persönlichkeit entwickeln könnten, ohne dass Staat oder Kirche in die Erziehung eingriffen. Er sah es als Aufgabe des Lehrers an, die Talente eines Kindes zu fördern und zu entwickeln. Seine Ideen brachten ihm zahlreiche Anhänger auch im fernen Ausland ein, so sandte ihm der japanische Kultusminister, der in Deutschland studiert hatte, um 1900 ein wertvolles Schwert. Sein Erziehungsprinzip formulierte Langermann in knappen Thesen: “Nicht Stoffanhäufung — sondern Kraftentwicklung; nicht Wissen — sondern Können; nicht Zwang  — sondern freies, freudiges Wollen;
nicht Konkurrenz — sondern Ergänzung; nicht Isolierung — sondern organische Eingliederung; nicht Lernen zu Prüfungszwecken — sondern Erleben zum Zweck des Lebens.“

Langermann bekam nach 1906 die Möglichkeit, seine Ideen in Darmstadt (Stein-Fichte-Schule) und Oberstdorf (Stillach-Schule) zu verwirklichen. Er starb am 28. Juli 1923 und wurde in Lüdenscheid beigesetzt, wo ihm der Westfälische Lehrerverein zu seinem 100. Geburtstag 1948 auf dem Bergfriedhof ein Grabmal errichtete.

Im Vorfeld des 150. Geburtstages des Barmer Verschönerungsvereins haben 2014 Mitglieder des Reservistenverbandes neben anderen Denkmälern auch den Gedenkstein für Johannes Langermann gereinigt.

Der Langermann-Gedenkstein ist eines von vielen Denkmälern in den Barmer Anlagen, die gestiftet wurden und um deren Erhaltung und Pflege sich der BVV mühevoll kümmert.


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Langlie, Carsten

Für die Geschichte des Toelleturms, Wuppertals höchstem öffentlichen Ort, hat Professor Dr.-Ing. Carsten Langlie einen wesentlichen Beitrag geleistet. Deshalb bewahrt der Barmer Verschönerungsverein die Erinnerung an ihn!

Der Professor für Bauwesen an der Bergischen Universität Wuppertal hat ein Gutachten (Sanierungskosten 600.000 DM) erstellt und bei der Sanierung des Barmer Wahrzeichens persönlich die Bauaufsicht (Architektur, Statik) geführt und dem Barmer Verschönerungsverein einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Aus vielen kleinen und großen Spenden, von Bürgern, Vereinen, Firmen, Stadt, Land und Stiftungen, setzte sich schließlich die knappe Million Mark zusammen, die dann auch zur Finanzierung notwendig war. Seit 2000 sieht der Turm an der Hohenzollernstraße wie neu aus – außen ist er allerdings auch neu gemauert worden.

Leben

Carsten Langlie wurde am 2. Januar 1938 in Oslo/Norwegen geboren und starb am 4. Februar 1996, vor bald 25 Jahren, in Wuppertal. Er hinterließ seine Frau Gudrun und die Söhne Björn (Diplom-Psychologe) und Per (Diplom-Ingenieur für Bauwesen). Carsten Langlie ist leidenschaftlich gern im Oslofjord gesegelt und machte mit großer Begeisterung in seiner ersten Heimat Norwegen im Winter Ski-Langlauf.

Unvergessen ...

Zum 20. Jahresgedächtnis (WZ 2016) erinnerte Per Langlie an seinen Vater Professor Dr.-Ing. Carsten Langlie (Universitätsprofessor, Prüfingenieur für Baustatik): „Als Sohn eines Apothekers und einer Zahnärztin in der norwegischen Stadt Horten am Oslofjord aufgewachsen, begann er das Studium zum „Sivilingenieur‘‘ in Trondheim und erhielt schon bald ein Stipendium in Deutschland. So kam er nach Braunschweig und später nach Berlin, wo ihm der Doktorgrad verliehen wurde und er am Kurfürstendamm sein erstes Ingenieurbüro für Baustatik eröffnete. Es folgte der Ruf an die Bergische Universität in Wuppertal. Mit Leidenschaft lehrte und forschte er hier als Ordinarius für Baukonstruktion und Bauphysik. Nachdem er Prüfingenieur für Stahl-, Holz- und Massivbau wurde, unterhielt er zudem ein Prüfingenieur-Büro in Bielefeld. Seinen Beruf liebte er nicht zuletzt wegen der abwechslungsreichen Herausforderungen. Als Gutachter, Konstrukteur und Statiker war er auch international bekannt und gefragt. So konstruierte er z. B. Offshore-Anlagen vor Barcelona und der norwegischen Küste, war als Fachmann beim Neubau der Universität von Jeddah in Saudi-Arabien oder der Stabilisierung des Felsendoms in Jerusalem gefragt. Wegen seiner Kenntnisse als Sachverständiger für Kunststoffe im Bauwesen konnte er den ursprünglichen Fassaden-Entwurf der Berliner Philharmonie beeindruckend umsetzen. Großprojekte, wie die Tiefkühlzentrallager Wunsdorf, Reken und Heppenheim waren seine letzten.
Besonders am Herzen lag ihm jedoch die Rettung des Toelleturms! Denn obwohl er die Bindung zu Norwegen nie verlor, wurde Wuppertal doch zu einer liebgewonnenen Wahlheimat, in der er sich sehr wohl fühlte. Am 4. Februar 1996 ging sein Leben viel zu früh zu Ende und er wurde in Düssel begraben. In großer Dankbarkeit, und unvergessen – von so vielen!“
Wegbegleiter erinnert an großartige Leistung

Dr. Hans-Joachim Vits, langjähriges BVV-Vorstandsmitglied, erinnerte sich im Oktober 2020: Der Toelleturm konnte nach fast zehnmonatiger Bauzeit am 11. August 1990 wieder eröffnet werden. Die Pläne dafür stammten von Herrn Professor Dr.-Ing. Carsten Langlie, die er ohne Honorar angefertigt hatte. Herr Professor Langlie hatte sich durch die schwierige Sanierung der Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin einen Namen gemacht. Herr Plutte und ich als Schatzmeister sind mehrfach in Düsseldorf unterwegs gewesen und konnten Zuschüsse von der NRW-Stiftung und dem Land Nordrhein-Westfalen akquirieren, für die Gesamtkosten von einer knappen Million DM. Ernst-Günter Plutte konnte 430.000 DM an öffentlichen Mitteln einwerben, sowie 490.000 DM sonstige Spenden. Die Wiedereinweihung erfolgte unter großer Beteiligung in fröhlicher Stimmung.“


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Foto: BVV-Archiv

Lekebusch, Louis

Louis Lekebusch vereinte viele Talente

Der Barmer Verschönerungsverein erinnert an Louis (französische Form des Ludwig) Lekebusch, der am 23. Mai 1835 – vor 186 Jahren - in Elberfeld geboren wurde. Durch seine vielen Ehrenämter, so als Mitglied im erweiterten BVV-Vorstand und Mitglied in der Barmer Gesellschaft „Concordia, dient er als großes Vorbild für bürgerliches Engagement und soziales Engagement. Nach einer bewegten Kindheit kam er als Kaufmann, Garnhändler und Politiker zu geschäftlichem Erfolg und hohem Ansehen.

Er lebte bis 9. Februar 1909. Seine Grabstätte in der Friedhofstraße ist seit 1993 eingetragenes Grabdenkmal.

Die umfangreiche Biografie ist Rainer Hendricks zu verdanken, der, wie Lekebusch, in der Villa Halstenbach am Diek in Wuppertal-Wichlinghausen gewohnt hat.

Die Familie Le[c]kebusch stammte vom Gut Leckebüschen nahe der Quellenburg im Raum Sprockhövel. Nach den ältesten Schwelmer Kirchenbüchern gab es um die Mitte des 17. Jahrhunderts einen Hartleif Leckebusch. Einige Söhne der Familie zog es in den Raum Langerfeld und Johann Engelbert Leckebusch auf den Kotten Sternenberg oberhalb von Wichlinghausen. Dessen Sohn Johann Caspar Leckebusch „zum Dieke“ war Bleicher und Pächter des Bleichgutes Dieker Hof in der Nähe des Beckacker. Er war der Urgroßvater von Louis Lekebusch. Das Ehepaar hatte acht Kinder (die später in die Familien Wolff, Dicke, Mittelsten Schee und Braselmann heirateten). Großvater von Louis war Bäckermeister Johannes Leckebusch in Wichlinghausen.

Als Mutter Rosalie 1851 starb, nahm Onkel Wilhelm Lekebusch seinen verwaisten Neffen Louis 1851 bei sich auf. Er wohnte auf Wupperfeld (heute Weicken & Schmidt) und hat im Leben seines Neffen Louis eine große Rolle gespielt. Louis verbrachte seine Lehrzeit bei Lekebusch & Co. in der Berliner Straße 30 und trat ab 1855 für ein Jahr als „Volontair“ in das Geschäft von Louis Mettenheimer in Frankfurt am Main ein. 1861 kehrte er nach Wupperfeld zurück, arbeitete im Geschäft seines Onkels Wilhelm, erhielt 1858 23jährig Prokura. Er wohnte zunächst im Heubruch, nach seiner Heirat in der Berliner Straße 30. Neben der Herstellung von Bändern aus Baumwolle und aus Leinen war auch der Handel „in baumwollenen und wollenen Garnen“ aufgenommen worden. In der Zeit des amerikanischen Sezessionskrieges (1861–1865) stiegen wegen der ausbleibenden Rohstoffe die Preise für Baumwolle bis zu 500%. In Barmen gingen die ersten Dampfmaschinen in Betrieb. Die Zeit der „mechanischen Bandstühle“ begann. Im letzten Viertel des ausgehenden 19. Jahrhunderts wurden neben der traditionellen Hausbandwirkerei in den neuen Fabrikgebäuden „Kraftstellen“ vermietet.
Ab 1871 wohnte der Onkel Wilhelm in dem neu errichteten Haus Berliner Straße 12 auf der „Pfalz“, zwischen Pfälzer Steg und dem Abzweig des Mühlengrabens von der Wupper.

Der Onkel muss für Louis ein gutes Vorbild gewesen sein in der Ausübung vieler Ehrenämter. Als Onkel Wilhelm 1877 starb, ging das Geschäft auf seinen Neffen Louis über.

1869 wurde Louis Lekebusch Provisor im Presbyterium der lutherischen Gemeinde Wupperfeld. Die Armenfürsorge lag in seinen Händen. Barmen hat 1863 als erste Stadt die ehrenamtliche bürgerliche Armenpflege nach dem „Elberfelder System“ von 1853 eingeführt. Die staatliche „Sozialhilfe“ bedurfte aber auch der Unterstützung kirchlicher Kreise und privater Initiativen. Durch die enge Nachbarschaft zur Familie von Eynern wuchs Louis auch in die gesellschaftlichen Kreise der Wupperfelder und Barmer Bürgerschaft: Er war Mitglied im Verein für Kunst & Gewerbe und 1858 durch Mitgliedervorschlag und Ballotage (=Abstimmung mittels weißer und schwarzer Kugeln) in die „Erste Gesellschaft Barmens“ – in die Concordia, aufgenommen.

Durch die zunehmende Bebauung Wupperfelds waren kaum noch Gartenflächen vorhanden. Um die Bevölkerung mit Gemüse versorgen zu können, beantragten 1863 Mitglieder des Wupperfelder Bürgervereins, Abraham vom Scheidt und Franz Imler, die Einrichtung eines Wochenmarktes am Mittwoch und Samstag. Als Rheinischer Provinzial-Landtagsabgeordneter vertrat Louis Lekebusch 1888–1906 im Regierungsbezirk Düsseldorf den Wahlbezirk Barmen-Stadt. Er war Handelsrichter von 1874-1889, ebenso 30 Jahre Deputierter im Ausschuss für die Gewerbesteuer.

Als Mitglied des Bergischen Geschichtsvereins und des Schlossbauvereins Schloss Burg unterstützte und erlebte er den Wiederaufbau der ehemaligen Hofburg der Grafen von Berg.Am 19. Mai 1868 heirateten Louis Lekebusch und Auguste Mittelsten Scheid. Nach dem Tode seines Schwiegervaters Friedrich Wilhelm Mittelsten Scheid erbte Louis Lekebusch die Grundstücke an der Dieker Straße. Das Barmer Adressbuch nennt ihn als Eigentümer der Häuser Dieker Straße 47 und 41. Louis Lekebusch verstarb am 9. Februar 1909 74jährig an Herzlähmung.


Barmer Kopf

Foto. BVV-Archiv

Luhn, Pauline

Paulinenruhe erinnert an die Frau des Seifenfabrikanten Luhn

Sophia Pauline Wink wurde am 12. Dezember 1841 geboren. Gestern wäre sie 179 Jahre alt geworden. Für den Barmer Verschönerungsverein ein guter Anlass, an die Namensgeberin und den Stifter für einen Ruhe- und Aussichtsplatz im Barmer Wald zu erinnern. Damals, 1914, war drum herum noch kein Wald und eine weite Sicht über die Konradshöhe hinaus möglich.

1865 heiratete Sophia Pauline Wink den Seifenfabrikanten August Luhn, mit dem sie sechs Söhne und eine Tochter bekam. Pauline Luhn war fast schon eine Managerin, denn sie forderte ihren Mann August auf: „Mache Dich selbstständig! Wenn Du morgen wieder keinen Mut hast, selbst zu kündigen, dann gehe ich zu Deinem Chef und kündige für Dich.“ August folgte dem klugen Rat seiner Frau und kündigte.

Die Fabrik

Die Seifenfabrik Luhn wurde am 8. Januar 1869 gegründet und war zeitweise die größte und modernste Fabrik ihrer Art mit Sitz in der Schwarzbach. Dort wurde zunächst Schmierseife hergestellt, für Sauberkeit für Mensch und Haus. Im Laufe der Jahre weiterte sich die Produktion aus. Bis 1972 war Luhns ein reines Familienunternehmen, da nach und nach die Söhne einstiegen. Nach 1972 wurde Luhn in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, wechselte die Besitzer. 2013 wurde die Produktion in Oberbarmen aufgegeben.

Pauline

Pauline Luhn war Neuem sehr aufgeschlossen. Sie schickte alle Söhne in die USA, um dort neue Erfahrungen zu machen. So soll sie auch die „Seifenflocken“ „erfunden“ haben, damit sich die Seife bei der „großen Wäsche“ schneller auflöste.

Sohn Peter war der einzige, der nicht in der Firma tätig war. Er wurde Drucker und gründete 1896 eine Druckerei, wo wohl auch die Reklame für Luhns gedruckt wurde. Ein Kochbuch wurde für zwei Mark verkauft. Peters Sohn Hans Peter wanderte in die USA aus, war dort ein bekannter Erfinder, beispielsweise bei IBM. Er erfand die Luhn Algorythmen und KWIC Indexierung, wichtig für die Entwicklung der Computer.

Krankheitsbedingt ließ sich Pauline fast täglich im Rollstuhl zu einem Aussichtspunkt nah am Toelleturm fahren, um die Aussicht zu genießen. Seit der Jahrhundertwende lebte die Familie in einer großen Villa in der Sachsenstraße 18. Das Haus wurde am 30. Mai 1943 durch einen Bombenangriff zerstört. Pauline starb am 8. Juli 1911 in ihrer Villa.

Foto: Boß

Zu ihrem Gedenken ließ ihr Mann August 1914 im Barmer Wald, unweit vom Höhenweg, einen Aussichtsplatz anlegen und mit Bänken ausstatten: die „Paulinenruhe“. Die Söhne sorgten mit weiteren Zuwendungen für den Erhalt dieses Plätzchens, dessen schöne Weitsicht durch wachsende Bäume verstellt wurde.

August Luhn starb am 17. Dezember 1915, beide sind auf dem Friedhof Heckinghauser-/ Brändströmstraße beigesetzt.

Die Sachsenstraße 18 und 18a

1995 haben Peter und Karla Krah das halbe Grundstück Sachsenstraße 18 gekauft und bekamen die Haus-Nr. 18 a. Etwas später erfuhr das Paar, dass dort die Villa der Familie Luhn, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, gestanden hat. Der Bagger fand beim Graben ein Fundament und hatte plötzlich Reste eines Kellers unter seiner Schaufel. Es war Luhns Keller gewesen. Nach fünf Jahren zogen Krahs in die Hohenzollernstraße 24. Einer von Paulines Söhnen bewohnte bis zum Bombenangriff Haus-Nr. 22. Seit 2017 wohnt Karla Krah in der Emilstraße. Der Name Luhn lässt sie nicht los: Einer von Paulines Enkeln – Günter Luhn – hat in der Emilstraße 92 gewohnt.

In der BVV-Kommission „Erinnerungskultur“ hat Karla Krah die Patenschaft für „ihre Pauline“ übernommen und schlüpft bei öffentlichen Anlässen in Paulines Rolle.

Hier geht es zum Video über Pauline Luhn


Barmer Kopf

Foto: Archiv BVV

Meisloch, Peter

Peter Meisloch war 53 Jahre Pfarrer an St. Antonius

Johann Peter Meisloch wurde vor 209 Jahren, am 2. Mai 1812, in Erkrath geboren. Seine Priesterweihe datierte auf den 17. Dezember 1836. Am 28. November 1843 kam er als Pfarrer nach St. Antonius in Barmen. Diese Aufgabe erfüllte er bis zu seinem Heimgang am 4. Juni 1896 – vor 125 Jahren.

Peter Meisloch folgte Johann Anton Friedrich Baudri, nachdem dieser als Generalvikar und Weihbischof nach Köln wechselte. In Meislochs 53jähriger Amtszeit entwickelte sich die katholische Kirchengemeinde von 4.000 auf über 20.000 Katholiken.

Zuzug und Anziehungskraft

Eine starke Erneuerungsbewegung hat damals das katholische Deutschland erfasst. 1848 fand der erste Katholikentag in Mainz statt. 1856 wurde Meisloch Dechant von Elberfeld, zu dem auch Barmen gehörte, 1867 Ehrendomherr von Köln. Er war Träger des Roten Adlerordens 3. Klasse mit Schleife und des Kronenordens 2. Klasse. Die Gemeinde hatte drei, manchmal sogar vier Kapläne, weil die Industrialisierung auch Katholiken ins Tal lockte. Unter Meislochs Regie wurde viel gebaut, so auch 1893 die Kirche St. Johann Baptist in Oberbarmen. Er war also im Rahmen seiner Aufgabe Mitgestalter Barmens.

Aufgelassener Friedhof

Auf dem Grundstück der früheren Gustavstraße, die spätere Soldauer Straße, gelegen zwischen Carnaper und Leimbacher Straße, wurde 1852 (ein Sammelverein erbat wöchentlich sechs Pfennig für die Finanzierung), neben dem Armen- und Waisenhaus, 1856 Marienheim genannt, ein Friedhof angelegt, der bis 1980 belegt und dann aufgelassen wurde. Im Schatten stattlicher Bäume steht noch immer der Kubus, der an Antonius-Pfarrer, auch Meisloch, erinnert. Noch heute bestattet Antonius auf den Friedhöfen Schützen- und Liebigstraße. Nach Peter Meislochs Tod wurde 1901 das Petrus-Krankenhaus benannt.

1652-2002 - 350 Jahre Borromäerinnen

Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Karl Borromäus zu Trier ist hervorgegangen aus einer Wohlfahrtsstiftung des Emmanuel Chauvenel, des Herrn von Xoudailles. Er errichtete am 18.Juni 1652 in Nancy eine so genannte Charité, um den letzten Willen seines verstorbenen Sohnes Josef zu erfüllen. Der Stifter stellte seine Gründung unter den Schutz der Heiligen Familie - Jesus, Maria und Josef - und gab ihren Mitgliedern den Namen “Schwestern von der Heiligen Familie”. Nach einem ihnen zugewiesenen Haus “St. Charles”, das also den Namen des Heiligen Karl Borromäus trug, wurden sie vom Volk und später in ganz Deutschland Borromäerinnen genannt.

Seit fast 150 Jahren wirken Borromäerinnen in Wuppertal. 1856 erbat sich Dechant Peter Meisloch, Pfarrer der Kirchengemeinde St. Antonius, vom Mutterhaus in Trier Schwestern für das Marienhospital in Barmen, aus dem sich das Petrus-Krankenhaus entwickelte. A 23. April 1856 übernahmen die ersten Borromäerinnen Pflege und Betreuung von Kranken und Waisenkindern. Am 28. Juni 2015 wurde die Arbeit der Borromäerinnen in Wuppertal beendet, da kein Nachwuchs mehr zur Verfügung stand. Die letzten fünf Schwestern kehrten in das Mutterhaus in Trier zurück.

Vom Gesellenverein zum Kolpingwerk

Die baulichen Änderungen am Kirchenbau von St. Antonius ab 1867 wurden unter dem Dechanten Johann Peter Meisloch vorgenommen. Er hat auch die Kolpingsfamilie ins Leben gerufen und entsprach der Anregung einiger Gesellen, auch in Barmen einen solchen Verein zu gründen, der sich zunächst Katholischer Gesellenverein nannte. Der Gründungstag ist der 6. Januar 1854. Ein Gesellenhaus wurde am 5. Oktober 1867 in der Gewerbeschulstraße 27 eröffnet, aber beim Barmer Angriff am 30. Mai 1943 zerstört.

Spuren hinterlassen

Das fünfzigjährige Jubelfest des Hochwürdigen Herrn Ehrendomherrn und Dechanten Peter Meisloch als Pfarrer der St. Antonius-Gemeinde am 28. November 1893 beinhaltete einem kurzen Umriss der Gemeinde von ihrer Gründung bis zur Gegenwart. Im Totenzettel von Pfarrer Meisloch heißt es u. a.: „In all seinen Stellungen war er ein Priester nach dem Herzen Gottes. Und wenn seine Herde es vergäße, dann würden die Steine reden, dann kündete die Antoniuskirche in ihrer Erweiterung und Verschönerung, das Waisen- und Gesellenhaus beredt der Mit- und Nachwelt, wie ein Priesterherz gearbeitet.“

Übergabe

Das Petrus-Krankenhaus war eine Einrichtung der katholischen Gemeinde St. Antonius, dann der Kliniken St. Antonius und heute des Klinikverbundes St. Antonius und St. Josef, einer Gesellschaft der Kölner Stiftung der Cellitinnen.

Naturverbunden

Peter Meisloch war von 1870 bis 1896 Mitglied im Barmer Verschönerungsverein und drückte damit seine Verbundenheit mit der Natur aus.


Barmer Kopf

Foto: Conrads

Muckenhaupt, Peter

Das Wort „Mitmensch“ hat er wörtlich genommen
Als Sohn eines Wuppertaler Industriellen wurde Peter Muckenhaupt am 28. Februar 1950, also vor bald 71 Jahren, geboren. Ab 1956 besuchte er die (Hoch-)Barmer Grundschule Marper Schulweg, die sich in der Nähe seines Elternhauses befand.  Er ging im Anschluss auf das noch heute renommierte Carl-Duisberg-Gymnasium in Wuppertal-Oberbarmen. Schon dort wurden seine Ambitionen deutlich, sich für andere einzusetzen und zu engagieren. Von der Mittelstufe bis zum Abitur war er als Schulsprecher und im Schulparlament tätig. Zu seinem Abitur im Jahre 1969 wurde er von Direktor Dr. Klemm wegen seiner außergewöhnlichen Verdienste als Schulsprecher und der Tätigkeit im Schulparlament geehrt.

Im Anschluss begann Peter Muckenhaupt mit dem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sein Ziel war, in das mittelständische Familienunternehmen Muckenhaupt & Nusselt einzusteigen.


Familie
Nachdem er 1974 sein Studium als Diplomkaufmann abgeschlossen hatte, heiratete er im Januar 1975 seine Frau Ute Muckenhaupt. Für seine beiden Töchter und seinen Sohn (Christian), war Peter Muckenhaupt stets ein vorbildlicher und fürsorglicher Vater.


Familienunternehmen
Um Berufserfahrungen außerhalb des Kabelwerkes Muckenhaupt & Nusselt zu sammeln, arbeitete Peter Muckenhaupt zwei Jahre bei der Firma Merck Telefonbau GmbH, für die er sich schon während seines Studiums interessierte. Am 1. März 1977 trat Peter Muckenhaupt in der dritten Generation in das Familienunternehmen ein und wurde am 1. Januar 1982 zum Geschäftsführer der Muckenhaupt & Nusselt GmbH & Co. KG bestellt.


Mitmensch
Peter Muckenhaupt war ein äußerst verantwortungsvoller Unternehmer, der sich für die Region, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Verbreitung des Leitbildes nachhaltigen Wirtschaftens über sein Unternehmen hinaus eingesetzt hat.
Er hat in vorbildlicher Weise einen „Unternehmertyp“ verkörpert, für den unternehmerische Verantwortung für die Gesellschaft einen hohen Stellenwert hatte. Dies bezieht sich vor allem auf die Förderung von Wissenschaft, Bildung und Kultur sowie den hohen Stellenwert von betrieblichem Umweltschutz und nachhaltigem Wirtschaften.
Bereits seit Anfang der 90er Jahre hat er die Zusammenarbeit mit Studenten, Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen unterstützt. Dabei ging es ihm nicht nur um die Unterstützung der Studenten, sondern immer auch um die Suche nach innovativen Lösungen und einer Entwicklungsperspektive für das Unternehmen. Die Verknüpfung von Ökologie und Ökonomie hat ihn besonders gereizt.


Verdienste
Die Verdienste Muckenhaupts sind zahlreich: In Sachen Umweltschutz war er mit vielen Projekten Pionier, die Firma zählte zu denjenigen 160, die zur ersten Woche der Umwelt 2000 ins Schloss Bellevue eingeladen wurden. Die Wuppertaler Umweltinitiative, die Agenda 21, überhaupt das Thema Nachhaltigkeit, prägten auch das unternehmerische Wirken.
Muckenhaupt ist mit dem Preis „Lebendige Unternehmenskultur“ ausgezeichnet worden. 2005 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Das Land würdigte das Langerfelder Unternehmen für das vorbildliche Engagement im Jahre 2005 mit dem Preis „corporate citizenship – NRW“.


Vielfältiges Interesse
Paul Peter Muckenhaupt zählte zu den Gründungsmitgliedern des Technologiezentrums Wuppertal, w-tec. Sein soziales, kulturelles und gesellschaftliches Engagement galt unter anderem der Hospizstiftung, dem Barmer Verschönerungsverein, dem Lions-Club und dem Kirchenvorstand der katholischen Kirchengemeinde St. Christophorus.


Rückblick
Wer ihn kannte, der lernte schnell seine offene Art schätzen. Peter Muckenhaupt hörte sich die Dinge immer erst in Ruhe an, traf dann seine Entscheidung und war dabei sehr häufig Wegbereiter für neue Pfade.


Kurzes Leben
Am 3. Januar 2006 starb Paul Peter Muckenhaupt im Alter von nur 55 Jahren völlig unerwartet an Herzversagen.


Barmer Kopf

Foto: Archiv BVV

Ringel, Ludwig

Über eigene gute Taten zu reden war nicht seine Sache

Zu den zahlreichen Bürgerdenkmälern in den Barmer Anlagen zählt ein ehemals imposantes Bauwerk im oberen Ringeltal, das einst Vormetal hieß, dann aber nach einem großen Gönner und Stifter benannt wurde: Ludwig Ringel (10. November 1808 - 15. November 1881). Zwar war der Mitinhaber einer Barmer Seidenfabrik mit einem Mitglied des Vorstandes des Barmer Verschönerungsvereins, Emil Wemhöhner, verwandt, doch galt Ringels Interesse weiteren Teilen und Einrichtungen der damals selbstständigen Stadt Barmen, der er als Beigeordneter diente. Entsprechend dankbar zeigte sich die Stadt nach seinem Tod durch die Stiftung des Denkmales am 18. September 1883. 1884 in den Hauptformen fertig gestellt, fand am 10. November 1887 die Einweihung statt. Die Aussichtsplattform ist noch erhalten, doch die große Freitreppe wurde im Verlaufe der letzten Sanierung in den Jahren 1968/69 wegen Baufälligkeit abgerissen.

Denkmal und Aussichtsplateau

Für die Ausführung der im Stil der Renaissance und des Barocks errichteten Anlage, die für die Zeit des Historismus im 19. Jahrhundert charakteristisch ist, zeichnete Stadtbaurat Karl Winchenbach (1840-1925) verantwortlich, in dessen Amtszeit von 1875 bis 1910 zahlreiche bedeutende Hoch- und Tiefbauten entstanden: das alte Rathaus, Schulgebäude, Schlacht- und Viehhof, Straßenbahn, Wupperregulierung und Kanalisation. Das Architektur-Denkmal besteht aus einem halbkreisförmigen Bauwerk, dessen obere Plattform wegen der Hanglage von hinten begehbar ist. Die Hauptfront ist durch drei Nischen, sowie durch Pilaster und Gesims gegliedert; die schmalen Außenseiten enthielten Eckrustika und Medaillons. Eine Steintafel erinnert an Ludwig Ringel und seine Verdienste. Ursprünglich befand sich darüber ein bronzenes Porträtmedaillon, das vermutlich im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen oder von Metalldieben entwendet wurde. Die mehrfach gegliederte Freitreppe wurde im Krieg beschädigt.

Ein Leben wie aus dem Bilderbuch

Der 1808 in Lennep geborene und 1828 nach Barmen zum Neuen Weg 34 (später Haus 60a; heute Friedrich-Engels-Allee) umgesiedelte Ludwig Ringel war nicht nur Fabrikant (ab 1840 Teilhaber von Ludwig Wemhöhner im Fabrikgeschäft in Seiden- und Halbseidenwaren Wemhöhner & Ringel; 1843 Hochzeit mit Tochter Mathilde, die 1846 starb; Geschäftsaufgabe am 1. April 1856), sondern anschließend von 1858 bis 1876 unbezahlter, ehrenamtlicher, städtischer Beigeordneter. Über seine angeheiratete Familie erhielt er Zugang zur Barmer Gesellschaft Concordia, aus deren Reihen 1864 der Barmer Verschönerungsverein gegründet worden ist. 1880 schenkte er dem Verschönerungsverein ein am 2. März 1880 vom Bauern Vormstein, beziehungsweise Herrn P. vom Scheid, zum Preis von 17.000 Mark erworbenes Grundstück und ließ die an der Lichtenplatzer Chaussee stehenden zwei Wohnhäuser abreißen. So wurde das Tal von der Straße her „aufgeschlossen“ und sichtbar. Die Gestaltung darf als besonders gelungene Parkanlage mit Teich und wertvollem Baumbestand bezeichnet werden. Die westlich verlaufende Buddeallee wurde in den 1990er Jahren neu gepflanzt. Aus dieser Schenkung wurde das Ringeltal. In seinem Testament verfügte er, dass für den Verschönerungsverein 100.000 Mark bei der Stadt Barmen deponiert werden und der Verein über die Zinsen verfügen kann. Nach seinem Tod erhielt die Unterbarmer Gemeinde 400.000 Mark für den Bau der Christuskirche, seine Geburtsstadt Lennep bekam 100.000 Mark und die Barmer Konzertgesellschaft 20.000 Mark. Weitere Beträge gingen an verschiedene christliche und wohltätige Vereine, beispielsweise Kleinkinderschulen und Missionsgesellschaft, im Wuppertal. Schon zu Lebzeiten Gründer bedeutender Stiftungen, wollte Ringel, dessen Familie überwiegend in Elberfeld lebte, diese guten Taten nicht öffentlich verbreitet wissen. Die wohltätigen Werke, die er im Stillen leistete, kannten nur wenige Eingeweihte. Er hinterließ keine direkten Erben, so dass er in seinen Stiftungen weiter lebte. Neben Denkmal und Tal erinnert unweit auf dem Heidt die Ringelstraße an den Wohltäter, der auf seine Gesundheit bedacht war, über sein Vermögen genau Buch geführt hat, einem Gehirnschlag erlag.


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Foto: Stadt Wuppertal

Rittershaus, Emil

Heimatdichter und Texter des westfälischen Heimatliedes

In ihrem 1991 im Born-Verlag erschienenen Buch „Denkmäler, Brunnen und Plastiken in Wuppertal“, das längst als Standardwerk gilt, hat Ruth Meyer-Kahrweg über Emil Rittershaus und sein Denkmal berichtet: Emil Rittershaus wurde am 3. April 1834 in Barmen, Kuhler Rotte 640, geboren und starb am 8. März 1897 in der Beckmannshofstraße, die wenige Wochen nach seinem Tod auf seinen Namen umgetauft wurde. Er wird als Dichter und Kaufmann, Bürger und Künstler, Schwärmer und Idealist, Freimaurer und Christ charakterisiert. Man feierte ihn als großen Redner, ohne den im ausgehenden 19. Jahrhundert kaum ein nationaler Gedenktag gefeiert werden konnte, dem er nicht seine Stimme lieh und den er nicht verherrlichte.

Der Dichter

Emil Rittershaus war ein im 19. Jahrhundert über die Grenzen Wuppertals bekannter Schriftsteller. Er war befreundet mit dem Freiheitsdichter Ferdinand Freiligrath, der ebenfalls in Barmen wohnte und von 1837 bis 1839 bei der Firma Friedrich von Eynern & Söhne arbeitete. Zur Zeit der bürgerlichen Revolution 1848 schrieb Rittershaus gesellschaftskritische Gedichte („Der Kaiser braucht Kanonenfutter“). Zusammen mit Carl Siebel, der wiederum ein Freund Friedrich Engels‘ war, gründete er Anfang der 1850er Jahre den „Wupperbund“. Später verfasste er vorrangig deutschnationale und heimatverbundene Gedichte und Lieder (z.B. „Ein deutsches Herz“, „Westfalenlied“), sowie Genre-, Familien- und Liebespoesie, die von der Ablehnung der Alltagsrealität und dem Rückzug ins Private geprägt ist.

Foto: Klaus-Günther Conrads

Das Denkmal

Am 20. Juni 1900 versammelte sich eine große Menschenmenge in den Barmer Anlagen (Barmer Verschönerungsverein, www.barmer-anlagen.de), um das Denkmal für Emil Rittershaus zu enthüllen. Geschaffen wurde es von seinem Schwiegersohn Professor Friedrich Schaper, Berlin. Nach einem Umzug hat die lebensgroße Figur einen würdigen Platz am Rande einer Birkenallee gefunden.

Das Standbild wurde in der Gießerei Martin & Piltzing in Berlin gegossen und den Sockel aus schwedischem Granit lieferte die Firma Kessel & Röhl in Berlin. Bei der Sammlung für das Denkmal waren 26.162,12 Mark zusammengekommen, die Ausgaben betrugen aber 30.132,94 Mark. Der fehlende Betrag wurde von der hiesigen Freimaurerloge „Lessing“ überwiesen. Während der nationalsozialistischen Zeit mussten die Freimaurerembleme am Denkmalsockel entfernt werden. Die  fortschreitende Materialknappheit im Zweiten Weltkrieg führte dazu, dass das Bronzestandbild eingeschmolzen werden sollte. Ein Mitglied der Familie veranlasste aber, dass es auf einem Bauhof der Stadt Wuppertal versteckt wurde. Und so konnte es am 8. März 1947, zum 50. Todestag von Emil Rittershaus, wieder auf den Sockel gestellt werden. Der im Krieg beschädigte Sockel wurde gedreht, so dass die früher vordere Inschrift Emil Rittershaus 1834-1897 nun hinten zu lesen ist. Vorne wurde eine Tafel neu angebracht: Emil Rittershaus, dem Dichter und Menschenfreunde errichtet im Jahre 1900.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

1954 wurde zum 120. Geburtstag des Dichters der im Krieg abhanden gekommene Spazierstock kurzerhand durch ein Gasrohr ersetzt. Der 150. Geburtstag von Emil Rittershaus war Anlass einer Gedenkfeier, zu der die Gesellschaft Concordia und die Johannisloge „Hermann zum Lande der Berge“ und der Bergische Geschichtsverein in die Räume der Concordia eingeladen hatten.

Im Anschluss daran wurde am Denkmal in den Barmer Anlagen die von den Logen gestiftete Gedenktafel enthüllt, deren Inschrift: „Ihrem Meister vom Stuhl 1877-79 und 1883-1889, Freimaurerlogen Hermann zum Lande der Berge, Lessing, im Wuppertale als Stifterinnen“ mit dem Emblem der Freimaurer, Hammer und Winkelmaß, abschließt. Ausgeführt wurde die Tafel in Granit Balmoral durch die Steinmetzwerkstatt Walter Bardolatzy in Unterbarmen.


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Röhrig, Emil

Am 31. Oktober 1858 wurde Emil Röhrig in Barmen geboren. Sein Vater Wilhelm besaß an der Mittelstraße 23 (heute Teil des westlichen Werth) eine Konditorei und war seit der Gründung des Barmer Verschönerungsvereins dessen Mitglied.

Emil Röhrig arbeitete später als Prokurist in der heute noch auf dem Wupperfeld (früherer „Wupperhof“) existierenden Textilfirma Philipp Barthels-Feldhoff und ging für diese 1889 nach Nordamerika. Der leitende Mitarbeiter bereiste vor allem England und Amerika. Auf seine Anregung wurde 1898 im New Yorker Stadtteil Brooklyn die Firma Barthels Manufactoring Co., ebenfalls als Flechterei, gegründet. 1907 übernahm Emil Röhrig dieses Geschäft auf eigene Rechnung und unter Fortführung des Namens.

1937 kehrte er nach Wuppertal zurück. Am 25. Oktober 1941 starb er in der Schweiz. Seine Asche wurde auf dem Friedhof an der Heckinghauser Straße/Brändströmstraße. beigesetzt.

Foto: Conrads

Zeit seines Lebens war Röhrig Mitglied im BVV. 1928 wurde er sogar zum Ehrenmitglied ernannt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs (1939-45) übergab Röhrigs Neffe, Paul Döpper, der in den USA lebte, 25.000 DM aus dem Nachlass Röhrigs an den BVV. Im Mai 1954 einigte man sich, mit dem Geld einen Platz nahe der Haltestelle Talblick der Barmer Bergbahn anzulegen.

Am 30. Oktober 1955 weihte der Barmer Verschönerungsverein in Anwesenheit Paul Döppers den Platz ein, indem der Wuppertaler Oberbürgermeister Heinrich Schmeißing und der 1. Vorsitzende des BVV, Wilhelm Vorwerk, eine Metallkapsel mit einer Urkunde und Zeitdokumenten in einer Aussparung der Mauer ablegten. Anschließend setzte man die Gedenktafel davor. Historische Aufnahmen zeigen den trotz Regen vollbesetzten Platz. Heute unvorstellbar!

Foto: Conrads

Trotz der Stilllegung der Barmer Bergbahn am 4. Juli 1959 und Abbau der Haltestelle „Talblick“ hat der Ort nichts von seiner Attraktivität verloren. Dazu haben Investitionen im Rahmen des Förderprogramms der „Regionale 2006“ beigetragen. Es gibt ausreichende Gelegenheiten, sich auf den Bänken niederzulassen und einen der besten Blicke auf Barmen zu genießen. Neuerdings taucht im unteren Wiesenbereich des Fischertals, wo vor wenigen Jahren eine Leihgabe von Tony Cragg stand, eine neue Skulptur mit dem Titel „Stein für die Begegnung“ auf. Das Künstlerpaar Livia Kubach und Michael Kropp aus Bad Münster am Stein hat das Kunstwerk für die Stifterfamilie Prange geschaffen.


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Rudoba, Kurt

Begeisterung für die Barmer Anlagen

Als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater war Kurt Rudoba für das ehrenamtliche Amt des Schatzmeisters im Barmer Verschönerungsvereins bestens geeignet und kompetent. Als sein Vorgänger Dr. Hans-Joachim Vits zum zweiten Vorsitzenden aufrückte, trat Kurt Rodoba in seine großen Fußstapfen und durfte sich bei den Aktivitäten rund um die Sanierung des Toelleturms und das 150jährige Jubiläum des BVV 2014 bewähren.

Persönliches

Kurt Rudoba wurde 1944 in Haan geboren, ist verheiratet und hat eine Tochter. Beruflich startete er 1974 als Steuerberater, arbeitete in Büros im Werth und in der Bleicherstraße 3 (ab 1984 selbständig), bevor er 1990 nach Elberfeld wechselte.

Über seine Verbindung zum Barmer Verschönerungsverein erzählt Kurt Rudoba:

„Mein täglicher Weg zum Büro in Wuppertal-Barmen (Werth und Bleicherstraße 3) führte mich seit 1974 vorbei an den Parkanlagen des Barmer Verschönerungsvereins. Im Sommer verbrachte ich manche Mittagspausen in den Barmer Anlagen. Es war für mich jedes Mal eine „Entspannung in einem Park“! Mit Freude vernahm ich 1984 beim Wechsel in die berufliche Selbständigkeit die Verbindung der Praxis zum Barmer Verschönerungsverein. Der Senior unserer Sozietät war langjähriges Mitglied des erweiterten Vorstandes; die Sozietät prüfte seit Jahren die Rechnungslegung des Vereins.

1989 übernahm ich gerne die Aufgabe im erweiterten Vorstand, nachdem ich bereits die Prüfung der Rechnungslegung des Jahres 1987 durchführte, natürlich ohne Kostenbelastung für den Verein.

Die Bausanierung des Toelleturms konnte ich verfolgen, ebenso das große persönliche Engagement des von mir sehr geschätzten Ernst-Günter Plutte.

Die ordnungsgemäße Abwicklung des Nachlasses eines Vereinsmitgliedes habe ich für den Barmer Verschönerungsverein gerne als Testamentsvollstrecker übernommen, ebenso die fachliche Unterstützung bei der Erfüllung der gemeinnützigen steuerlichen Voraussetzungen für den Verein.

Dem hohen persönlichen ehrenamtlichen Einsatz der Wuppertaler Bürger ist der Erhalt der Barmer Anlagen und die Schönheit der Barmer Anlagen zu verdanken.

Ein Spaziergang, ein Aufenthalt in den Anlagen bedeutet für mich Kontakt mit der Natur und Aufnahme der Natur: der Park ist ein Ort der Energieaufnahme!“


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Foto: Sammlung Volker Staab

Toelle, Ludwig Ernst

Ludwig Ernst Toelle gab Aussichtsturm seinen Namen

Es war einmal eine Zeit, in der der Unterbarmer Fabrikant Ernst Ludwig Toelle regelmäßig über den Barmer Südhöhenzug spazierte, weil ihm der weite Blick in das Bergische Land gefiel. Die Fernsicht war noch nicht verstellt und es gab noch nicht die hohen Bäume links und rechts des Höhenweges, die für uns selbstverständlich sind. Bei einem Spaziergang kam Toelle die Idee, an seiner Lieblingsstrecke, gesäumt von Buschwerk, Heide und verkarsteten Flächen, einen Aussichtsturm zu bauen. 

Mit dieser Auflage vermachte er dem 1864 gegründeten Barmer Verschönerungsverein testamentarisch eine Summe von 15.000 Goldmark. Im Jahr nach dem Tod Toelles wurde 1887 eine Baustelle eingerichtet, die die Bürger neugierig machte: ein Turm wurde errichtet ...

Der Familie Toelle gehörte die 1853 in der Loher Straße 9 gegründete Fabrikation gummielastischer Waren. Der am 23. August 1823 in Stolberg/Harz geborene Ludwig Ernst Toelle, Vater von drei Söhnen und einer Tochter, wohnte nebenan in der Loher Straße 5 und war außerdem Stadtverordneter seiner Heimatstadt Barmen. Nach seinem Tod am 2. Oktober 1886 in Barmen bat die Familie den Barmer Verschönerungsverein, der in den 130 Jahren seines Bestehens stets Grund und Boden zur Verfügung gestellt hat, wenn Bürgerdenkmäler und Erinnerungsstätten errichtet werden sollten, um die Erfüllung des Stifterwunsches. Im Laufe des Jahres 1887 ist der Turm errichtet worden. Die Erstbesteigung durch die Bevölkerung fand am 29. April 1888 statt. Im ersten Jahr zahlten 21.660 Personen den Eintrittspreis von 10 Pfennig. Der Toelleturm wurde zu einem beliebten Ziel für Spaziergänger und Wanderer, doch erst mit der Inbetriebnahme der Barmer Bergbahn am 16. April 1894 konnten Besucherrekorde verzeichnet werden. Als Beispiel kann ein Sonntag im Sommer 1899 dienen, den die Chronik als herrlichen Tag und einladend für einen Ausflug "mit Kind und Kegel" schildert. In der Zahnradbahn im Bergbahnhof am Clef drängen sich die Erholungssuchenden. Rasch ist der Wagen überfüllt und begibt sich auf den Weg in den schon immer "besseren Teil" der Stadt. Oben lockte eine in jener Zeit einmalige Möglichkeit, die Heimat von oben zu sehen. Schließlich gab es weder Flugzeuge, noch Fernsehen.

Die Barmer Hochebene liegt 333 Meter über dem Meeresspiegel. Durch seine Höhe von 26,25 Meter hat die Aussichtsplattform eine Höhe von etwa 360 Meter über Normal Null. Zuvor sind 146 Stufen zu überwinden. Der runde, sich nach oben verjüngende Toelleturm ist zweischalig mit Beyenburger Grauwacke gemauert. Über der Eingangstür zum Innenraum im Erdgeschoß ist eine Bronzetafel angebracht: "Toelleturm, erbaut 1888, erneuert 1978". In diesem Raum konnte sich früher der Turmwärter aufwärmen. Im vergangenen Jahrzehnt haben Vereinsmitglieder ehrenamtlich die Betreuung der Besucher übernommen. Über eine Außentreppe gelangt man zu einem Umgang, 7 Meter über dem Plateau. Eine Türe führt ins Innere und an der Wand hängt die Widmungstafel mit folgendem Text: "Dieser Aussichtsthurm wurde im Jahre 1887 gebaut und gestiftet zum Eigenthum des Barmer Verschönerungs-Vereins in Erinnerung an Ludwig Ernst Toelle, 1822-1886, von dessen Familie". Eine Wendeltreppe ermöglich den Aufstieg zur Aussichtsplattform. In früher Zeit war die Umrandung nicht vollkommen geschlossen, sondern von Löchern unterbrochen. Die Fassade war teilweise bewachsen. Die Metallringe wurden erst später aus Sicherheitsgründen angebracht.

Dass der Turm immer anfällig gegen Witterungseinflüsse war, zeigt die erste Reparatur bereits 1894, als er im Inneren neu verputzt werden mußte. 1908 und 1922 folgten gründlichere Reparaturen. Aus dem Jahre 1935 stammt das Gedicht eines unbekannten Autoren, veröffentlicht im Stadtführer "10 Minuten Wuppertal in Versen und Bildern":

Man sieht vom Toelleturm sehr weit,

ins Land, das vor ihm ausgebreit´.

Dahinter liegt die Müngst´ner Brücke,

der Kölner Dom in jener Lücke.

Du siehst von hier, kannst sicher sein,

Ruhr, Bergische Land und Niederrhein.

Kaum acht Jahre später betrachtete tief deprimiert ein Mann namens Carl Friedrich Goerdeler die skelettförmigen, zerstörten Häuserzeilen im Tal: "Es hat keinen Zweck, die Gefühle zu beschreiben, die mich bewegten, als ich vom Toelleturm auf die Ruinenstadt Barmen und auf das zur Hälfte zerstörte Elberfeld herunter sah." Die Briefzeilen vom 25. Juli 1943 hob der Historiker und Journalist Kurt Schnöring ins Licht der Öffentlichkeit, für das "Wuppertal-Magazin". Der Verfasser Goerdeler gehörte zu den Verschwörern gegen Adolf Hitler und wurde hingerichtet. Während des Zweiten Weltkrieges war der runde Aussichtsturm von der Flak besetzt. 1949 wurde er wegen Einsturzgefahr gesperrt. Nach einem Spendenaufruf und dem Verkauf von Bausteinen mit Toelleturmmotiv und Rundblickkarten war ausreichend Geld zusammengekommen, sodaß die umfangreiche Reparatur möglich wurde. Die Wiedereröffnung ist auf den 3. September 1950 datiert. 1961/62 erneut geschlossen, fiel ein Gutachten sehr schlecht aus. Am 11. März 1965 wird vom Abriß des Turmes gesprochen, weil keine Mittel für die Renovierung vorhanden sind. Der Barmer Verschönerungsverein resignierte zunächst, läßt den Turm aber 1970 für 50.000 DM standfest machen. Die unbegehbare "Ruine" scheint ihrem Schicksal überlassen. Riesensummen waren für die Erhaltung anzusetzen. 1977 spitzte sich die Situation zu, als eine Absperrung rund um den Turm notwendig wurden, um Besucher vor Steinschlag zu schützen. Das zuständige Bauordnungsamt stellte klar: Wiederaufdbau oder Abriß. Inzwischen ergriff die Bevölkerung die Initiative und sprach sich für die Erhaltung ihres Wahrzeichens aus. So stellte Ernst-Günter Plutte, damals 1. Vorsitzender des BVV, im April 1978 fest: "Die Anteilnahme der Bürger war so groß, daß wir schließlich nicht anders entscheiden konnten, als den Turm zu restaurieren." Der Wiedereröffnung am 4. Juli 1978 gingen Bettel- und Spendenaktionem und viel Arbeit für die Handwerker voraus. Da die finanziellen Mittel des Vereins und viele kleine Spenden der Bürger nicht ausreichten, um die notwendigen 150.000 Mark aufzubringen, griff die Stadtsparkasse Wuppertal tief in die Tasche und steuerte 120.000 Mark bei.

Der Toelleturm stand vor neuen, guten Jahren. Besucher konnten die stimmungsvolle Wendeltreppe hinaufklettern und den Panoramablick genießen. Im Gegensatz zu früheren Zeiten wurde kein Eintrittspreis erhoben, sondern um Spenden gebeten, die in die Pflegearbeiten des Verschönerungsvereins einflossen. Die Öffnung an Sonn- und Feiertagen in der schönen Jahreszeit, etwa von Ostern bis Oktober, und Betreuung der Besucher übernahmen ehrenamtlich Mitglieder des Vereins. Viele Seniorinnen blieben zehn Jahre lang dem Arbeitskreis treu.

Im September erreichte den Turmbesitzer eine neuerliche Hiobsbotschaft über die Sanierungsbedürftigkeit seines Oldtimers, so dass vorsorglich die Türen geschlossen blieben und die Saison vorzeitig zuende war. Risse zeigten sich und beim Abklopfen der Fassade bröckelten Putz und Steine ab. Fachleuten war klar, daß die letzte Generalüberholung teilweise nicht fachgerecht ausgeführt wurde und damals hätte aufwendiger ausfallen müssen. Um ähnliche Fehler nicht noch einmal zu machen, wurde die Bergische Universität/Gesamthochschule Wuppertal beauftragt, eine Bestandsaufnahme mit der Fertigung neuer Bauzeichnungen vorzunehmen und Vorschläge zu machen, ob und mit welchem finanziellen Aufwand der Toelleturm zu retten ist. Unter Leitung der beiden Hochschullehrer Prof. Dr. Carsten Langlie (Bautechnik) und Prof. Dietrich Weigert (Architektur) arbeiteten die Studenten des Sommersemesters 1988 an und mit dem markanten Baudenkmal.

Im Januar 1989 wurde das Gutachten öffentlich gemacht, nach dem eine Rettung rund 600.000 Mark kosten würde. Alternativ dagegen die Kosten für Abriß (400.000 DM) und Neubau (1.500.000 DM). Der Verschönerungsverein ging in die Offensive und nutzte erstmals in seiner langjährigen Geschichte die vielfältigen Medien für sich und seine Zwecke. Die Sammlung von fast einer Million Mark setzt sich letztlich aus großen und vielen kleinen Beträgen zusammen und deckt zusätzliche Kosten ab.

Um den technischen Ablauf der Restaurierung verstehen zu können, muss man wissen, dass der Toelleturm am Fuße einen Durchmesser von 7,70 Meter und oben von 5,14. Meter hat und zweischalig gemauert worden ist. Den Zwischenraum bildet eine Art Cyklopenmauer aus unbehauenem Stein und ungerichteten Fugen, teils offen und ohne Mörtel. Im Winter konnte Wasser in das Mauerwerk eindringen und der jährliche Frost hatte "sprengende Wirkung". Zunächst lockerte er das Mauerwerk, zuletzt drückte er es nach Außen. Kosmetische Arbeiten, wie ein Jahrzehnt zuvor, zum Beispiel durch abermaliges Verfugen, hätten am Grundübel nichts geändert, zumal die Plattform nicht vollständig dicht war. Die Analyse wurde erst durch Kernbohrungen möglich und das innere Mauerwerk sicht- und prüfbar. Die Experten kamen zu der Meinung, daß die innere Schale mit einer Dicke von 30 bis 60 Zentimeter intakt und tragfähig sei.

So wurde denn die vollständige Sanierung "nur" der Außenhaut durchgeführt. Abschnittsweise wurde die schadhafte Außenmauer unter Mithilfe von Wasserdruck abgetragen und eine Spritzbetonschicht als Feuchtigkeitssperre aufgebracht. Anschließend erhielt der Turmschaft eine Umhüllung und Stütze aus Stahlbetonrohr. Ein guter Teil der abgerissenen Beyenburger Grauwacke wurde als äußere Verblendung, sprich "Mantel", wiederverwendet, ergäntzt durch neue Steine. Diese Vormauerschale hat eine 24 Zentimeter dicke Hinterlüftung. Nach der Fertigstellung hatte der Turm die gleichen Außenabmessungen wie beim Neubau. Zur Sanierung gehörten außerdem das Freilegen des inneren Mauerwerks, die Entfernung des Dacuhaustieges, Rekonstruktion der gesamten Aussichtsplattform, Erneuerung der Außentreppe und des Umlaufes, Überarbeitung aller Eisenteile, Anschlüsse für Strom und Wasser, Gartenarbeiten um den Turm herum.

Noch immer ist der Toelleturm „TOP OF WUPPERTAL“, Wuppertals höchster öffentlicher Ort! Willkommen in luftiger Höhe auf der Plattform in 360 Metern Höhe: samstags von 15 bis 18 Uhr, sonntags von 12 bis 18 Uhr.


Barmer Kopf

Foto: Conrads

Ursprung, Albert

Albert Ursprung hatte ein Herz für seine Mitmenschen

Kommerzienrat Albert Ursprung lebte vom 25. Juni 1856 bis 25. Juni 1932, war um 1914 Mitglied im Vorstand des Barmer Verschönerungsvereins und wurde später zum Ehrenmitglied gewählt.

Wer das musische Leben der beiden Wupperstädte Elberfeld und Barmen kennt, fragt erstaunt: „warum gründete der Kommerzienrat Albert Ursprung 1897 den Barmer Volkschor?“ Waren doch die beiden großen Chöre (heute vereint als Chor der Konzertgesellschaft), der Elberfelder Gesangverein, gegründet 1811, und der Barmer Singverein, gegründet 1817 durchaus auf der Höhe ihres Könnens und Wirkens. Aber der „Barmer Volkschor“ entstand aus einer für den Gründer typischen Haltung. Wenn von ihm gesagt wird, dass er die Bandfabrik seines Vaters in „sozial-vorbildlicher Weise“ fortführte, so ist damit auch seine Weltanschauung umrissen, die ihn zu der Chorgründung veranlasste. Er hat (nach einem Zitat der Bergisch-Märkischen Zeitung vom 20. Mai 1908) es als Zweck und Ziel des Barmer Volkschores betrachtet, „Chor- und Orchester-Werke großen Stils und ersten Ranges zu veranstalten, die an innerer Bedeutung und äußerem Glanz den Darbietungen der exklusiv-gesellschaftlichen Musikpflege um nicht nachzustehen, durch billigste Eintrittskarten aber auch wirklich der breitesten Allgemeinheit zugänglich sind.“ 17 Jahre lang hat der Barmer Volkschor mit größtem Erfolg (besonders nach der Gründung des Volkschor-Orchesters 1911) seine Konzerte zur Freude breiter Volksschichten veranstaltet. Vorbildlich war Ursprung in seiner unerschütterlichen sozialen Haltung als Mäzen, für die ihm dann auch von der preußischen Regierung der Titel „Königlich Preußischer Kommerzienrat“ verliehen wurde.

Geboren am 25. Juni 1856 in Barmen als Sohn des Barmer Bandfabrikanten Conrad Albert Ursprung und der Maria Nourney trat er 1880 in das väterliche Geschäft ein, eine Bandfabrik, die der Vater unter der Firmenbezeichnung „Viefhaus & Co.“ mit Friedrich Viefhaus 1856 gegründet hatte und nach Viefhaus Tod unter eigenem Namen führte.

Als es im späteren Leben von Albert Ursprung einen Strafprozess gab, sagte ein Barmer Stadtverordneter: „Ich bin mit dem Vater Ursprung befreundet gewesen, ich kenne Albert von Jugendjahren an. Das Verhältnis zwischen ihm und seinen Eltern war ein musterhaftes, wie es selten vorkommt. Vater und Sohn verkehrten miteinander, wie der ältere Freund mit dem jüngeren.“ Ein besseres Zeugnis kann man sich nicht wünschen.

Die beiden erfolgreichen Chorleiter und Dirigenten des Barmer Volkschores Karl Martin Hopfe und Hermann Inderau haben sich der väterlichen Freundschaft Ursprungs erfreuen dürfen. Für Hopfe stellte Ursprung sogar die Ausbildungsmittel zur Verfügung. Hopfe starb schon mit 38 Jahren und Inderau wurde sein Nachfolger. Er hat den Barmer Volkschor mit großem Erfolg bis 1914 geführt. Er wurde in den ersten Kriegstagen zur Wehrmacht eingezogen. So mussten Chor und Orchester aufgelöst werden.

Ursprung gehörte auch dem Verwaltungsrat des „Vereins für Ferienkolonien“ an und war Mitbegründer des Kinderheims „Schalksmühle“. Viele Kinder aus armen Familien fanden in den Ferien Erholung, ihr Aufenthalt wurde von Ursprung finanziert. Im Juli waren es regelmäßig hundert Kinder, für die er den Aufenthalt bezahlte. Albert Ursprung hatte stets ein Herz für die Leiden und Nöte seiner Mitmenschen und Freunde. Er starb am 25. Juni 1932, sein Grab findet sich auf dem reformierten Friedhof in der Hugostraße.


Barmer Kopf

Foto: Archiv BVV

von Eynern junior, Friedrich

Ein Leben für Barmens wirtschaftliche Entwicklung und ein Herz für Kirche und die Barmer Anlagen

Friedrich von Eynern junior wurde am 9. Dezember 1834 in Barmen geboren und starb am 24. Februar 1893 in seiner Heimatstadt infolge einer Lungenlähmung. Ein Wegestern am oberen Ende der oberen Barmer Anlagen, heute bewaldet, wurde nach Ernst von Eynern benannt.

Leben

Friedrich von Eynern stammte aus einer seit Ende des 18. Jahrhunderts in Barmen ansässigen Familie, deren Wurzeln allerdings in Westfalen, z.B. Schwelm, zu finden sind. Dr Familienname leitet sich von den einstigen Besitzern des Sattelhofes Einern ab. Vater Friedrich von Eynern senior (1805-1882), zählte zu den markantesten Persönlichkeiten seiner Vaterstadt. Der Sohn heiratete 1861 Emilie Rittershaus (geboren am 10. Dezember 1837 in Barmen), Tochter von Wilhelm Rittershaus, Teilhaber der 1818 gegründeten Firma Schlieper, Wülfing & Co. Gemeinsam mit Vater (er war von 1834 bis 1838 Mitglied der Kammer) und Bruder Ernst (1838-1906) hatte er ein Jahr vorher, am 1. Januar 1861, die Farbstoff- (Indigo-) Handlung Friedrich von Eynern Söhne gegründet.

Während sich der Bruder dem Gemeindewesen gewidmet hatte, betätigte sich von Eynern junior auf wirtschaftlichem Gebiet. Von 1867 bis 1871 war er Mitglied der Handelskammer von Elberfeld und Barmen und ab 1874 Mitglied der Handelskammer zu Barmen. Dieses Gremium wählte ihn 1882 zum stellvertretenden Vorsitzenden und 1884, nach dem Tode von Friedrich Wilhelm Osterroths, zu ihrem Präsidenten. Er galt als Vertreter der gemäßigten Handelsfreiheit und nahm verschiedentlich in der Öffentlichkeit Stellung gegen die von der Regierung angestrebte Schutzzollpolitik, besonders im Städtetag in Berlin. Durch seine Initiative konnte mit Unterstützung der Stadt Barmen eine freiwillige kaufmännische Fortbildungsschule ins Leben gerufen werden, in deren Kuratorium er Vorsitzender wurde. 1885 wurde die ersten „Fortbildungsschule“ durch den „Kaufmännischen Verein e.V. zu Elberfeld gegründet die als Vorläufer der Handelsschule in Barmen gilt. Die Eröffnung der „obligatorischen Fortbildungsschule Barmen“ datiert ins Jahr 1924. Die Tradition lebt im Berufskolleg Barmen fort. Dazu passt, dass Friedrich von Eynern junior auch stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Wupperfelder Realschule (Handelsschule) war.

Der Familientradition entsprechend betätigte sich von Eynern junior in der lutherischen Kirchengemeinde Wupperfeld (heute: Evangelische Kirchengemeinde Gemarke-Wupperfeld) als Kirchmeister. Im Gemeindegebiet, wo eine Von-Eynern-Straße (ab 1847/50) benannt ist, hat die Familie gewohnt. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm 1889 der Titel „Kommerzienrat“ verliehen.

Am 8. Dezember 1864 hat Friedrich von Eynern junior den Barmer Verschönerungsverein mitgegründet.

Die Familie von Eynern war im 19. und 20. Jahrhundert in der 1801 gegründeten Barmer Gesellschaft „Concordia“ aktiv: Sieben Familienmitglieder waren zwischen 1816 und 1917 Direktoren. Noch heute hat die „Concordia“ ihren festen Platz gegenüber vom Rathaus im Werth. Früher trafen sich dort die Honoratioren.

Denkmal für Ernst von Eynern

Ruth Meyer-Kahrweg schrieb 1991 in ihrem im Born-Verlag erschienenen Standardwerk „Denkmäler, Brunnen und Plastiken in Wuppertal“:

Im Juli 1907 ließ der BVV zu Ehren des im Jahr zuvor verstorbenen Abgeordneten Ernst von Eynern in den Barmer Anlagen auf einem Platz in der Nähe des „Saatkamps“ einen Gedenkstein errichten. Die Ausführung des Steins war dem Barmer Grottenbauer Friedrich Sauerzapf übertragen worden. Im Stil der damaligen Zeit türmte er Hausteine zu einem etwa drei Meter hohen Hügel auf und fügte ihm in der Mitte einen unregelmäßig geformten Granitstein ein, der den Text „Ernst-von-Eynern-Platz“ erhielt.

Heute besteht der Gedenkstein nur noch aus dem beschrifteten Mittelteil, dem einige der Grottensteine beigelegt wurden.

Ernst von Eynern wurde am 2. April 1838 in Wupperfeld geboren und er starb in der Nacht vom 1. zum 2. November 1906 durch einen Unglücksfall in Barmen. 1875 wurde er als Nationalliberaler zum Stadtverordneten von Barmen gewählt, 1879 in den Provinziallandtag berufen und im selben Jahr durch den Wahlkreis Lennep-Remscheid-Solingen in den preußischen Landtag gewählt.

An der Seite Bismarcks verteidigte er 27 Jahre lang  das Interesse des Reiches gegen die Bestrebungen des demokratischen Fortschritts, des Ultramontanismus und des Marxismus, aber auch der orthodox-kirchlich eingestellten Konservativen. 1894 wurde ihm von Kaiser Wilhelm II. der erbliche Adel verliehen. Seine Witwe überwies 1907 dem BVV 20.000 Mark zum Andenken an ihren Gatten.

 

 


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Foto: Archiv BVV

Vorwerk, Adolf

Vom Unternehmer zum Stadtplaner

Der Name Vorwerk ist jedem Wuppertaler selbstverständlich und vielen Deutschen wahrscheinlich ein Begriff. Zwei große Unternehmen tragen diesen Familiennamen: Vorwerk und Co., die Firma mit dem Kobold-Staubsauger und der Küchenmaschine, und Vorwerk & Sohn als bedeutender Automobilzulieferer. Untrennbar mit Vorwerk & Sohn verbunden ist der Name Adolf Vorwerk. Der Kommerzienrat war einer der aktivsten und markantesten Vertreter der alteingesessenen Barmer Industrie. Außerdem hat er sich in herausragender Weise um den Barmer Süden verdient gemacht. Er hat ein gutes Stück Heimatgeschichte geschrieben.

Als zweiter Sohn des Fabrikanten Carl Vorwerk sen. (1812-1890) wurde Adolf am 14. Juni 1853 in Barmen geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre in einem Antwerpener Exporthaus und Ableistung seines einjährigen Militärdienstjahres bei den Düsseldorfer Husaren trat er in die von seinem Großvater Johann Peter Vorwerk sen. zusammen mit dessen ältestem Sohn schon 1827 gegründete Firma Vorwerk & Sohn ein.

Zusammen mit seinem Bruder Carl machte Adolf Vorwerk unter Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten die ersten Versuche, die bis dahin nur auf Handstühlen, den so genannten Bandmühlen, in der Hausindustrie angefertigten glatten Bänder auf mechanisch betriebenen Bandstühlen herzustellen. Schon bald zeigte sich eine so günstige Entwicklung, dass man einen weiteren Industriezweig, die Herstellung von Teppichen, hinzunehmen konnte. Auch hier mit bestem Erfolg arbeitend, gründeten die Brüder im Jahre 1883 die Firma "Barmer Teppichfabrik Vorwerk & Co.", die wesentlich von Carl Vorwerk geleitet wurde, während Adolf sich besonders der Fabrikate der Stammfirma Vorwerk & Sohn annahm. Noch im gleichen Jahr trennten sich die Betriebe entsprechend den Neigungen beider. Auf einem zwischen Kohlgartenstraße und Kleiner Werth erworbenen Grundstück erbaute Adolf ein modernes Fabrikgebäude und entwickelte neben den altangestammten Stapelartikeln, wie glatte Bänder, Kordeln, Litzen, die ersten zum Teil durch Patente geschützten Vorwerk'schen Spezialartikel: Bänder zum Einfassen von Teppichen, Jalousiebänder mit eingewebtem Querbändchen, Gardinenbänder mit eingewebten Ringschlaufen, sowie Bänder mit eingewebtem Namen.

Von immer neuen Ideen bestärkt, erkannte Adolf Vorwerk frühzeitig die Bedeutung der Mode für Fabrikation und Konsum. Damals trugen die Frauen lange Röcke, die bis zum Boden reichten, die auf der Erde schleifenden Rockkanten waren natürlich einem schnellen Verschleiß ausgesetzt. Da ersann Vorwerk einen haltbaren Schutz für diese Rockkanten: die sogenannte "Besenborde", die als "Velours-Kleiderschutzborde" weltberühmt wurde. Die gesamte Wuppertaler Textilindustrie und besonders die Barmer Bandindustrie war durch diese Erfindung auf Jahre hinaus beschäftigt.

Während der Hochkonjunktur der sich im In- und Ausland gut eingeführten Vorwerk-Velours-Kleiderschutzborde und zur Kapazitätserweiterung hat Adolf Vorwerk 1896 eine Filialfabrik auf dem Lichtenplatz errichtet. Dort wurde kurze Zeit später die Herstellung von Nottinghamer und Calaiser Spitzen betrieben, ein Fabrikationszweig, der im Jahre 1896 zunächst in Zusammenarbeit mit zwei anderen Firmen aufgenommen, 1904 aber von ihm allein weitergeführt wurde.

Immer auf der Ausschau nach geeigneten neuen Artikeln und wohl wissend, dass die Mode launisch und in schnellem Wechsel ständig Änderungen unterworfen ist, mithin auch die gute alte Besenborde einmal ausgedient haben würde, griff Adolf Vorwerk einen in Material und Herstellung völlig anders gearteten Artikel auf: die Fabrikation von Gummischutzblättern (Armblättern), die bis dahin vorwiegend aus Amerika importiert worden waren. Die Herstellung dieser Artikel, für die in der Lichtenplatzer Fabrik kostspielige Spezialmaschinen aufgestellt wurden, ließ sich aufs Beste an, so dass man bald noch die Fabrikation anderer technischer Gummiwaren hinzunahm: elektrotechnische Isoliermaterialien und Isolierbänder. Damit war der Grundstein für das später so blühende Gummiwerk auf dem Lichtenplatz gelegt, dessen Spezialerzeugnisse sich im Laufe der Jahre im In- und Ausland höchste Anerkennung erwarben.

Bei seinem intensiven, unermüdlichen Schaffen, immer erfüllt von neuen Plänen und Ideen, fand Adolf Vorwerk in einem vorbildlichen, harmonischen Familienleben, in dem seine alte von ihm hochverehrte, tief religiös veranlagte Mutter den Ehrenplatz einnahm, Glück und Entspannung. Aus seiner Ehe mit Emma von Knapp gingen drei Söhne und vier Töchter hervor, die eine schöne und glückliche Jugend in einem Elternhaus verlebten, in dem Traditionen, Musik- und Kunstinteressen gepflegt wurden.

Foto: Archiv BVV

Über seine industrielle Tätigkeit hinaus hat Adolf Vorwerk sich besondere Verdienste um das Wohl und die Entwicklung seiner Vaterstadt erworben, die als Dank "in seinem Viertel" eine Straße nach ihm benannt hat. Von frühester Jugend an erfüllte ihn tiefe Liebe zur Natur. So unternahm er allmorgendlich vor Geschäftsbeginn einen Spaziergang auf die südlichen Höhen des Barmer Waldes und holte sich dadurch den notwendigen Ausgleich für seine intensive Arbeit. Mit vorausschauendem Blick erkannte er, daß die städtebauliche Entwicklung Barmens und Elberfelds, eingezwängt im Tal der Wupper, auf die südlichen Höhen gehen müsse. Deshalb erbaute er 1888, unbeirrt durch das Kopfschütteln seiner Freunde, ein kleines Pensionshaus, das er "Barmer Luftkurhaus" nannte und von einem Pächter bewirtschaften ließ, um so auch Fremden die Möglichkeit zu geben, die Schönheiten der Umgebung kennenzulernen. Aber nicht nur die Freunde verhielten sich ablehnend, auch die Stadtväter wollten nichts von seinen Plänen wissen und brachten für die großartige Idee, die reizvolle Landschaft zu erschließen, nicht das geringste Verständnis auf. So war Adolf Vorwerk ganz auf sich gestellt. Verkehrswege und Straßen mußten erbaut werden, die Wasserversorgung gesichert sein, Gasleitungen waren aus der Stadt hinaufzulegen - ein skizziertes Riesenprogramm in jener Zeit.

Inzwischen wurde das Luftkurhaus als Ausflugsstätte sehr beliebt und bestärkte Vorwerk in seinen Plänen. Als erste Verbindung mit der Stadt richtete er einen Pferde-Omnibus-Verkehr vom Barmer Zentrum zum Luftkurhaus ein, der bei der anfänglich nur geringen Inanspruchname erhebliche Zuschüsse von ihm forderte. Und schon tauchte ein neues Projekt auf. In der Schweiz überwand man die Höhenunterschiede durch Zahnradbahnen. Warum sollte man das nicht auch in Barmen können? Eine elektrische Zahnradbahn mit Anschluss über die Südhöhen nach Ronsdorf - das war der Plan, mit dem Vorwerk und sein Freund Albert Molineus eine Reihe tatkräftiger Barmer Bürger zu begeistern versuchten. So entstand die 1894 in Betrieb genommene Barmer Bergbahn. Entscheidend war, dass diese Bahn nicht nur für die Ausflügler gedacht war, sondern auch einen verkehrspolitischen Zweck erfüllte. Im Jahre 1892 baute Vorwerk das zweite Luftkurhaus, das mit seiner großen Glasveranda einen herrlichen Blick in das Bergische Land bot und bald mit dem Toelleturm ein beliebtes Ausflugsziel wurde.

Ein weitverzweigtes Leitungsnetz versorgte vom Murmelbach aus durch elektrische Pumpen das junge Wohngebiet zwischen Toelleturm und Lichtenplatz mit Wasser, ebenso Vorwerks Betrieb. In den 1890er Jahren erwarb Adolf Vorwerk die sogenannte "Turmbahn". Um diesen Aussichtsturm herum wurden Grünflächen und - ein Beweis für Vorwerks fortschrittliche Gesinnung - Sport- und Spielplätze mit allerlei Turngeräten angelegt. Die ersten Feste der Barmer Turnvereine und viele Sommerfeste der Barmer Schulen wurden dort gefeiert. Wenig später übernahm die Stadt Barmen die Versorgung des Höhenviertels und zahlte dem Investor für sein großzügig angelegtes Leitungsnetz nur eine minimale Vergütung. An der Entwicklung des benachbarten Gebietes zwischen Gelpetal und Freudenberg war Vorwerk versorgungstechnisch ebenfalls beteiligt. Dort scheiterte eine einheitliche Planung lange an der ständigen Rivalität zwischen Barmen und Elberfeld.

1907 verlor Adolf Vorwerk seine noch junge Lebensgefährtin. Das war ein schwerer Schicksalsschlag, den er viele Jahre nicht überwinden konnte. Trost brachte ihm die Arbeit in seinen blühenden Betrieben, noch mehr seine Naturliebe geholfen haben. Im Murmelbachtal entstand aus einem öden alten Steinbruch der heutige Vorwerkpark, ein Naturpark von seltener Anmut und Schönheit: Felspartien mit prächtigen alpinen Gewächsen wechselten ab mit grünen Wiesen, munteren Bachläufen und idyllischen Wasserflächen.

Nach den Wirrnissen des Ersten Weltkrieges (1914-1918), die an seinen Betrieben nicht spurlos vorbeigegangen waren, traf Adolf Vorwerk bei angeschlagener Gesundheit noch ein harter Schlag: sein ältester Sohn Adolf, der dem Vater viel von der Arbeitslast abgenommen hatte, starb plötzlich an einer Grippe. Kommerzienrat Adolf Vorwerk sen. verstarb nach längerem Krankenlager am 20. August 1925.

Auch wenn das bevorzugte Wohngebiet auf den Barmer Höhen zur Selbstverständlichkeit geworden ist und die Straßenbahnen und Zahnradbahn der Vergangenheit angehören, durch sein Wirken und seine vorausschauenden Aktivitäten hat sich Adolf Vorwerk einen bleibenden Platz in der Barmer und Wuppertaler Stadtgeschichte gesichert.

Leicht geänderter Text von Marie-Luise Baum aus "Wuppertaler Biographien, 2. Folge",

Beiträge zur Geschichte & Heimatkunde des Wuppertals, Band 5, Born-Verlag 1960.


Barmer Kopf

Foto: Klaus-Günther Conrads

Vorwerk, Emma

Emma - die Frau an Adolf Vorwerks Seite

In der Geschichte des Barmer Verschönerungsvereins spielen Frauen keine Rolle. Sie haben sicher den „starken Männern“ in den verschiedenen Vorständen den Rücken gestärkt, so dass die „Herren der Schöpfung“ Berufen und Ehrenämtern nachgehen und erfolgreich sein konnten.

Emma von Knapp war die Ehefrau von Adolf Vorwerk sen., der ziemlich allein, ohne Unterstützung der Stadt Barmen, das Wohngebiet auf den Südhöhen, also rund um den Toelleturm, entwickelte.

Von Knapp

Georg Heinrich von Knapp (1827-1904) war ein deutscher Seifenfabrikant und Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses in der 18. Legislaturperiode (1895–1898), 19. Legislaturperiode (1898–1903) und 20. Legislaturperiode (1903–1908). Er war Teilhaber des Hauses „G. H. Orth“ in Barmen, ein Betrieb seines Schwiegervaters. Von Knapp besuchte die Realschule und Gymnasium in Elberfeld. Ab 1865 war er Stadtverordneter und für die Nationalliberale Partei war er von 1895 bis zu seinem Tode für den Wahlkreis Düsseldorf 2 (Elberfeld, Barmen) Mitglied im preußischen Abgeordnetenhaus.

Von Knapp bis Vorwerk

Von Knapp heiratete am 4. Juni 1856 Emma Christina Orth (1829–1907). Aus der Ehe entstammten ein Sohn Carl von Knapp (1860–1943) und eine Tochter. Emma von Knapp (1863–1907) heiratete 1881 den Unternehmer Adolf Vorwerk (1853–1925), den Mitbegründer und späteren Alleininhaber der Firma Vorwerk & Sohn in Barmen. Ursprünglich wurden im Stammhaus in der Nähe der Werther Brücke „Barmer Artikel“ hergestellt, später entstand das heute noch bestehende Zweigwerk auf dem Lichtenplatz. Dort hat Peter Cöllen, Sohn von Wilhelms Tochter Esther, das Unternehmen zu einem führenden Zulieferer der Automobilindustrie entwickelt.

„Villa Emma“ und „Vorwerkpark“

Emma Vorwerk schenkte ihrem Mann Adolfnach der Hochzeit am 22. August 1861 die sieben Kinder Adolf jr. (1882-1920), Emma Anna (1885-1959), Clara Emilia (1886-1968), Wilhelm (1889-1967, Vorsitzender des Barmer Verschönerungsvereins), Luisa „Lilly“ (1891-1964), Anna („Anni“) (1894-1972) und Max (1896-1981). Nachdem die Vorwerks zunächst im ersten „Luftkurhaus“ an der damaligen Friesenstraße, die nach Adolfs Tod in Adolf-Vorwerk-Straße umbenannt wurde, gewohnt hatten, ließ der Fabrikant gegenüber die „Villa Emma“ bauen, die in den 1960er Jahren abgerissen wurde. Der um 1907 angelegte Adolf-Vorwerk-Park, um den sich seit einigen Jahren eine Stiftung kümmert, war ein Geschenk von Adolf an seine Frau Emma, die am 2. Oktober 1907 im italienischen Aosta gestorben ist.

„Millionenallee“

Während die Familie von Knapp an der „Millionenallee“ (Volksmund wegen der auffallenden Ansammlung bedeutender Barmer Familien) auf dem Unterbarmer Friedhof eine große Familiengrabstätte hatte, ist Emma Vorwerk in der Familiengrabstätte der Vorwerks auf dem Friedhof Norrenberg bestattet.


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Foto: Archiv BVV

Wahl, Ernst

Ernst Wahl war ein Freund von Vernetzung und Integration

Einige Bürger der Barmer Südstadt haben am 8. Mai 1904 den Heidter Bezirks- und Bürgerverein gegründet. Unter ihnen war Salomon Ernst Wahl. Der Anlass waren schlechte Erfahrungen mit städtischen Behörden.

Als bis heute gültiges Ziel formulierten die Initiatoren: „Die allgemeinen Interessen des Bezirkes (heute: Quartier) Heidt zu vertreten. Der Verein will Mittler sein, zwischen der Bevölkerung im Bezirk und den amtlichen Stellen. Die Liebe zu Heimat und Natur und der Gemeinschaftssinn sollen gepflegt werden. Der Verein steht auf überkonfessioneller und überparteilicher Grundlage.“ Der Bezirksverein hatte bald eine stattliche Mitgliederzahl. Die vom HBV vor 1914 behandelten Aufgaben waren beispielsweise Verhandlungen mit der Barmer Stadtverwaltung betreffend den Ausbau der Clefer Straße (heute: Am Clef), die Anlage von Haltepunkten der Straßenbahnen, die Beleuchtung von öffentlichen Straßen und Plätzen. Gründungsanlass, Ziele und konkrete Aufgaben der ersten Jahre kommen uns über 100 Jahre später sehr bekannt vor. Es sind in ihrem Kern immer aktuelle Themen eines Bürgervereins, einer „permanenten Bürgerinitiative“.

Treibende Kraft war bei der Gründung Salomon Ernst Wahl, der zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde. Geboren am 27. Juni 1873 in Barmen, führte er in der dritten Generation das große Barmer Textilkaufhaus S. (Saul) & R. (Raphael) Wahl. Seine Biografie spiegelt exemplarisch das Schicksal vieler Deutscher jüdischen Glaubens wider. Wie sein Vater, Kommerzienrat Hermann Wahl, einer der Gründungsväter der Barmer Bergbahn, war er Vertreter des liberalen, völlig assimilierten deutschen Judentums. Ein jüdischer Deutscher, wie andere evangelische oder katholische Deutsche waren. Die Wahls, die 1923 das Ibach’sche Haus an der Richard-Wagner- (heute: Joseph-Haydn-) Straße 21 an den Barmer Anlagen erworben hatten und dort mit ihren drei Söhnen Karl-Hermann (geboren 1907), Max Otto (1910) und Hans-Rudolf (1913) lebten, gehörten zum klassischen Großbürgerturm (Hohe Gewinne im Geschäft, religiös und kulturell liberal, „assimiliert“, Förderer des Theaters, der Künste und von Bildungseinrichtungen) jener Zeit, zu den wohlhabendsten Bürgern Barmens, haben aber ihr Ansehen überschätzt. Gern hätten sie am Toelleturm neu gebaut und weniger als die 27 Räume gehabt, aber eine staatlich verordnete Bausperre ließ dies nicht zu. Da sie in den Augen der christlich geprägten Gesellschaft „Juden“ waren und blieben, hatten Ernst und Bertha Wahl nur wenige gesellschaftliche Kontakte zu nichtjüdischen Familien. Der Barmer Tennisclub war ausschließlich nichtjüdischen Mitgliedern vorbehalten. Selbst Ernst Wahls Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer seit 1916 und des Barmer Verschönerungsvereins von 1895 bis 1933, zeitweise sogar Vorstand, reichten als „Eintrittskarte“ in den Tennisclub am Toelleturm nicht aus.

Nach Vater Hermanns Vorbild war auch Ernst Wahl stark ehrenamtlich tätig. Neben der Arbeit im Heidter Bezirksverein war er bis zu seinem von den Nationalsozialisten erzwungenen Ausscheiden in Vorständen etlicher Vereine engagiert, so auch im Barmer Verschönerungsverein, der zu seinen Ehren einen vom Höhenweg abzweigenden Weg im Barmer Wald nach Ernst Wahl benannt hat. In einem Brief an seinen Sohn Karl-Hermann vom 28. Mai 1933 schrieb er: „Aus den Vorständen aller oder fast aller Vereine und Verbände bin ich ausgeschieden, teils freiwillig „rechtzeitig“, wie gestern aus dem Verschönerungsverein, teil unfreiwillig. Und so scheidet man aus vielem, woran man Jahrzehnte gehangen und was einem lieb war.“ Das im Werth befindliche traditionsreiche Textilkaufhaus S. & R. Wahl wurde nach einem Totalausverkauf im Mai 1934 liquidiert. Dazu hielt Karl-Hermann Wahl für die Nachwelt fest: „Als ich im Herbst 1932 nach meinem Doktorexamen nach Barmen zurückkam, ging es mit dem Unternehmen rapide bergab. Ich stimmte mit meinem Vater in fast keinem einzigen Fall mit Maßnahmen zur Verbesserung der Lage überein. Deshalb verließ ich Barmen.“ Die beiden jüngeren Brüder Max-Otto und Hans-Rudolf arbeiteten bis zur Schließung im elterlichen Geschäft. Judenboykott, Wirtschaftskrise, Verlagerung des Einzelhandels nach Elberfeld und zu viel Fremdkapital verfehlten ihre Wirkung im Sinne der Nazis nicht. Ernst Wahl war Vorsitzender der Repräsentanz der Synagogengemeinde Barmen in der Scheurenstraße.

Weil Ernst Wahl nicht emigrieren konnte, wurde er am 22. Juli 1942 zusammen mit seiner Frau Bertha vom Bahnhof Steinbeck ins Konzentrationslager („Altersghetto“) Theresienstadt bei Prag deportiert, wo er am 12. März 1944 71-jährig „umkam“. Ein Opfer der dort absichtlich herbei geführten Zustände aus Hunger, Kälte und Fehlen von Medikamenten. Seine Frau wurde am 19. oder 23. Oktober 1944 ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau transportiert und dort vermutlich vergast. Hermann Josef Brester: „Die Behandlung und Ermordung Bertha und Ernst Wahls, dieses um seine Vaterstadt so hochverdienten Barmer Bürgers, zeigen an einem konkreten Beispiel sehr deutlich die barbarischen Folgen auf, welche eintreten, wenn eine so absurde Idee, wie der biologische Rassismus der Nationalsozialisten, zur Macht gelangt.“

Vor dem einstigen Wohnhaus in der Joseph-Haydn-Straße (früher: Richard-Wagner-Straße) wurden zur Erinnerung so genannte „Stolpersteine“ ins Gehwegpflaster versenkt.

Lesetipps:

„Die Wahls in Barmen“, ein jüdisches Familienschicksal in Briefen, Ulrich Föhse, in: Klaus Goebel (Hg.): Unter Hakenkreuz und Bombenhagel, Wuppertal 1989.

„Hier wohnte Frau Antonia Giese“, Geschichte der Juden im Bergischen Land, Essays und Dokumente, Trägerverein der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal e.V.  (Hg.), Wuppertal 1997.

„Barmer Südstadt“, Bergbahn, Toelleturm und Heidt, Hans Joachim de Bruyn-Ouboter (Hg.), Verlag Müller + Busmann, Wuppertal 1996.

„Der Heidt, seine Geschichte und seine Entwicklung“, Vortrag, gehalten von Paul Herzog im Mai 1911, Nachdruck Barmen 1979.


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Foto: Wuppertaler Biographien 1. Folge

Werth, Adolf

Das Erbe von Adolf Werth

Die Gegenwart von heute ist morgen schon Geschichte

Heute ist die Nachricht von Gestern schon ein Stück Vergangenheit. Ebenso richtig ist die Tatsache, dass Zusammenhänge von heute oft nur der verstehen kann, der die Geschichte kennt. Deshalb ist es wichtig, Informationen zu sichern und zu bewahren. Nun ist die Rede von einem Mann, dem wir einen gewichtigen Teil bergischer Geschichtsschreibung verdanken und der deshalb Synonym für Forschung und Öffentlichmachung ist.

Geburtstag heute

Adolf Werth wurde heute vor 182 Jahren, am 25. April 1839, in Barmen geboren und erbte vom Vater eine Fabrik für Barmer Artikel am Mühlenweg, zu der später ein horn- und holzverarbeitender Betrieb gehörte. Schon früh fühlte sich Werth mit der Geschichte des Bergischen Landes verbunden und wurde Mitglied des Bergischen Geschichtsvereins, dessen Barmer Abteilung er 1868 gründete. Er wirkte als Schriftführer und ab 1869 als Vorsitzender. 1887 gehörte er zu den Gründern des Schloßbauvereins und setzte sich mit ganzer Kraft für den Wiederaufbau von Schloß Burg ein. Auch in der reformierten Kirchengemeinde Barmen-Gemarke trat Adolf Werth in die Fußstapfen seines Vaters und übernahm 1872 das Archiv, das wesentliche Belege der Barmer Stadt- und Kirchengeschichte beinhaltet. Dem Forscher ist beispielsweise zu verdanken, daß die "Urkunden zur Geschichte der Ganrnahrung" erhalten sind. Die Geschichten der Höfe im Werth und der Barmer Schulen waren ebenso seine Themen. Am 22. Februar 1915 starb Adolf Werth und wurde auf dem reformierten Friedhof an der Bartholomäusstraße begraben. Wohl aus geschichtlicher Unkenntnis ist der Grabstein, an dem der Bergische Geschichtsverein zu Gedenktagen Kränze niederlegte, 1986/87 verschwunden.

Die Forschungen von Adolf Werth fanden ihren Niederschlag in zahlreichen Vorträgen und Schriften. Zum 200. Geburtstag seiner Gemeinde lieferte Werth 1902 die Kirchenchronik, die später fortgeschrieben wurde. Und zum 100. Geburtstag der Stadtwerdung Barmens fertigte er 1908 die Festschrift; bis heute das letzte umfassende Werk über die Ortsgeschichte, dass einmal Basis für eine Fortschreibung sein sollte. "Forschung und Veröffentlichung der Ergebnisse haben nichts an Bedeutung verloren," stellte denn auch Hans-Joachim de Bruyn-Ouboter (+) fest. Der 2. Vorsitzende der Wuppertaler Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins wünschte sich, dass sich in Vereinen, Organisationen und großen Familien auch heute Menschen finden, die Informationen sammeln und mündliche Erlebnisberichte schriftlich festhalten. "Mit dem Tod eines jeden Menschen geht ein Mosaikstein unserer Geschichte verloren", hat einmal der Historiker Prof. Dr. Klaus Goebel gesagt. Der BGV ist an Informationen interessiert, wer auf eigene Faust forscht und wo sich Sammlungen befinden. Ergebnisse können beispielsweise in die Arbeit des neuen Arbeitskreises "Geschichte der Architektur und Stadtplanung in Wuppertal" einfließen, der sich im Historischen Zentrum formiert hat und für Forscher und Sammler offen ist.

Foto: Conrads

Vorbilder brauchen Nachfolger

Ein Vorbild für Geschichtsforschung in heutiger Zeit gibt Ruth Meyer-Kahrweg ab, der wir den "Denkmalduden" zu verdanken haben. Nach jahrzehntelangem Suchen, Sammeln und Fotografieren konnte die Langerfelderin 1991 das zweibändige Werk über "Denkmäler, Brunnen und Plastiken in Wuppertal" veröffentlichen. Darin werden einige hundert Bauwerke beschrieben, einschließlich Geehrter, Stifter, Spender, Architekten und Eigentümer. Später hat sich das BGV-Vorstandsmitglied den kaum weniger zahlreichen Treppen der Stadt zugewandt. Ein anderes Beispiel lieferte Rainer Hendricks, der den Ortsteil Wichlinghausen "beackert" und rund um die Dieker Straße (heute Am Diek) manches Geschichtsdetail" ausgegraben hat. "Mehr von solchen Mitbürgern wünschen wir uns, zumal Geschichtsforschung garnicht so trocken ist, wie manche Leute glauben", erklärte der früh verstorbene Hans-Joachim de Bruyn-Ouboter vom Bergischen Geschichtsverein, heute einer der größten Vereine seiner Art in Deutschland.


Barmer Kopf

Wesenfeld, Paul

Paul Wesenfeld stammte aus einer Barmer Fabrikantenfamilie 

Paul Hermann Wesenfeld wurde am 27. September 1869 in Barmen, dem heutigen Stadtteil von Wuppertal, im Rheinland geboren und ist am 27. November 1945 in Freiburg im Breisgau gestorben. Wikipedia beschreibt ihn als deutschen Industriellen und Politiker (DNVP). Unter den Vorsitzenden Otto Budde und Paul Neumann diente Justizrat und Rechtsanwalt Wesenfeld in den 1920er und 1930er Jahren dem Barmer Verschönerungsverein als Vorstandsmitglied.

Familiäres

Paul Wesenfeld entstammte einer Fabrikantenfamilie aus Barmen. Der Hochschullehrer Arnold Wesenfeld zählte zu seinen direkten Vorfahren. Er wurde als Sohn des Fabrikbesitzers Carl Ludwig Wesenfeld (1816–1883) und Emilie Siebel (1840–1922), der Tochter des Fabrikanten Carl August Siebel (1805–1888) in Barmen geboren. Sein Halbbruder Carl Ludwig Wesenfeld trug durch eine spezielle Erfindung zur weltweiten Verbreitung des Wellblechs bei. 1895 heiratete Paul Wesenfeld Hildegard Klein (* 1875), die Tochter des Barmer Fabrikanten Georg Klein (1843–1901).

Leben

Wesenfeld studierte ab 1888 Rechtswissenschaften an der Université de Lausanne, der Universität Straßburg und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. 1891 absolvierte er das juristische Referendarexamen und wurde zum Doktor der Rechte promoviert. 1895 schloss er das Studium der Rechtswissenschaften mit dem Assessorexamen ab und ließ sich zunächst als Rechtsanwalt und Notar in Barmen nieder, wo ihm der Titel Justizrat verliehen wurde. Seit dem Jahr 1900 gehörte er als Stadtverordneter fast 30 Jahre lang dem Stadtrat der Stadt Barmen an, welche seit etwa 1884 mit 60.000 Einwohnern zu einer Großstadt herangewachsen war. Sein Amt endete, als 1929 aus dem Zusammenschluss Barmens mit weiteren Städten und Gemeinden die Stadt Wuppertal gegründet wurde. 1920 wurde Wesenfeld zum Abgeordneten des Provinziallandtages der Rheinprovinz und zum Mitglied des Provinzialausschusses mit Sitz in Düsseldorf gewählt, dem er 13 Jahre lang bis 1933 angehörte. Außerdem wurde er 1921 zum Abgeordneten des Preußischen Staatsrats, der zweiten Kammer des Parlaments des Freistaats Preußen, gewählt, dem er 12 Jahre lang bis zu dessen Auflösung im Jahre 1933 angehörte. Dort wirkte er unter anderem als Vorsitzender des Verfassungsausschusses. 1929 wurde er zudem vom Landeskirchenausschuss der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union zum Mitglied der Generalsynode berufen. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik im Jahre 1933 war er als Aufsichtsratsvorsitzender des traditionsreichen deutschen Textilunternehmens J. P. Bemberg AG in Wuppertal und als Aufsichtsratsmitglied und Mitglied des Landesausschusses Westdeutschland der Commerz- und Privat-Bank tätig.


Barmer Kopf

Foto: Stadtarchiv Wuppertal und BVV-Archiv

Weyhe, Joseph Clemens

Joseph Clemens Weyhe ist der gestaltende Vater der Barmer Anlagen

Joseph Clemens Weyhe wurde 1807 in Düsseldorf geboren und ist am 26. Juli 1871, vor 150 Jahren, in Engers/Neuwied gestorben. Der Gärtner und Landschaftsarchitekt hat in den Barmer Anlagen die unteren und oberen Anlagen gestaltet.

Leben

Der Sohn des bekannten Düsseldorfer Gartenarchitekten Maximilian Friedrich Weyhe, Enkel von Joseph Clemens Weyhe (* 1749; † 1813) wurde im Düsseldorfer Hofgärtnerhaus geboren und erlernte den Beruf des Vaters und Großvaters. Neben einer praktischen Ausbildung besuchte er von 1822 bis 1827 die Düsseldorfer Akademie, um dort das Landschaftszeichnen zu erlernen. Zwischen 1829 und 1832 konnte er seine Ausbildung mit einem Auslandsaufenthalt ausweiten.

Nach seiner Rückkehr unterstützte er seinen Vater. Dieser betreute hauptamtlich den Hofgarten in Düsseldorf, hatte aber auch Aufträge für Gärten in Kleve und Benrath auszuführen. Für diese Arbeiten nahm er gerne die Hilfe seiner Söhne Joseph Clemens und Wilhelm August in Anspruch. Die Zusammenarbeit der Familie blieb auch während der folgenden Jahre bestehen.

Nach den Arbeiten in Kleve ging Joseph Clemens 1833 nach Engers bei Neuwied, wo er eine Anstellung als Garteninspektor und Leiter der Landesbaumschule in Diensten der königlichen Regierung erhielt. Nachdem er sich von 1839 an wieder in Kleve aufhielt, übernahm er 1847 nach dem Tod seines Vaters dessen Stelle als königlicher Hofgartendirektor in Düsseldorf.

Parkführer „Barmer Anlagen“

Im Rahmen der Parkführer „Wuppertals grüne Anlagen“ ist anlässlich des 150jährigen Bestehens des Barmer Verschönerungsvereins 2014 in der Edition Köndgen Band 6 über die Barmer Anlagen erschienen. Im Kapitel „Gartengeschichten“ haben sich Dr. Rosemarie Vogelsang (Expertin für Joseph Clemens Weyhe) und Herausgeberin Antonia Dinnebier mit Joseph Clemens Weyhe beschäftigt.

In eine alte Gärtnerdynastie hineingeboren, überrascht die Berufswahl von Joseph Clemens Weyhe nicht. Sein Vater Maximilian Friedrich Weyhe war Hofgartendirektor in Düsseldorf, sein Onkel Peter Josef Lenné Direktor der Preußischen Gärten. Als sein Vater 1847 verstarb, trat er seine Nachfolge als königlicher Hofgärtner in Düsseldorf an. Darüber hinaus war er aber auch an anderen Orten tätig und führte Gartenanlagenaufträge für Bankiers, Kaufleute und Fabrikanten aus.

Weyhe konnte gut zeichnen und besaß ein ausgeprägtes Gespür für den Raum. Gestalterisch war er dem späten Landschaftsgarten verpflichtet und schuf weite Parkräume mit geschwungener Wegeführung. Meist umschließt ein Gehölzstreifen das Grundstück, den ein Weg begleitet. Heute haben sich freistehende Solitärbäume in Weyhes Parkanlagen längst zu Prachtexemplaren entwickelt. Untereinander heben sie sich durch differenzierte Grünschattierungen oder rotes Laub, aber auch durch besondere Blattformen oder hängenden Wuchs voneinander ab. Das bevorzugte Pflanzmaterial hatte schon Maximilian Friedrich Weyhe in der eigenen Baumschule in Düsseldorf angebaut. Joseph Clemens Weyhe übernahm sie und verwendete in der Regel die dort gezogenen Pflanzen zur Realisierung seiner Planungen.

Die Gestaltung Weyhes beschrieb Irmela Löw im Parkpflegewerk so: „Heckenähnliche Gehölze als Randbepflanzungen zur Abgrenzung der Parkanlage.“ Gartenhistorikerin Dr. Antonia Dinnebier: „Diese Einfriedung war nicht so wichtig, die Hecken noch nicht in Form geschnitten. Heute schirmen ausgewachsene Gehölzstreifen den Park von der Bebauung und den Straßen drum herum ab und verschleiern die Umgebung.“ Irmela Löw weiter: „Unregelmäßige Rasenstücke (nieren- und sichelförmig) werden von einem eher kleinteiligen Wegenetz gerahmt. Die Rasenflächen sind längs der Wege mit Baumgruppen bepflanzt. Innerhalb der Rasenflächen liegen kleine, runde Schmuckbeete. Der Weg entlang der Grundstücksgrenze ist an sechs Stellen mit halbrunden Sitznischen ausgestattet. Die größere Version der Sitznischen ist mit jeweils fünf Bäumen umpflanzt. Es sind Halbrundbänke eingezeichnet. Zu erkennen sind erhöhte Sitzplätze und Pavillons. Im östlichen Bereich liegen drei unterschiedlich große natürlich geformte Teiche. Im unteren, großen Teich ist ein erhöhter Sitzplatz erkennbar, der in die Wasserfläche hineinragt. Früher fanden dort Sonntagskonzerte statt, bevor der Autolärm zu groß wurde.

Pflanzenlieferungen

Im Stadtarchiv Düsseldorf befinden sich Listen von Pflanzenlieferungen aus der Baumschule Weyhes aus den Jahren 1848-1872, das so genannte „Manual über den Verkauf aus der Königlichen Baumschule zu Düsseldorf“. In diesen Listen werden auch die Barmer Anlagen aufgeführt.

Schölgen und Hering

Die unteren Barmer Anlagen wurden nach dem Tode Joseph Clemens Weyhe am 16. Juli 1871 bis 1878 durch Garteninspektor Peter Schölgen, der dann für 50 Jahre in die Dienste des Verschönerungsvereins wechselte, weiter betreut. Nachfolger Weyhes als Direktor der Düsseldorfer Gärten wurde 1871 der Benrather Hofgärtner Oscar Hering, dem vom Barmer Verschönerungsverein die Gestaltung des Ringeltales in den Barmer Anlagen anvertraut wurde.

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