Erinnerungskultur

In über 156 Jahren haben zahlreiche Menschen für den Barmer Verschönerungsverein gearbeitet, oft ehrenamtlich und durch den Einsatz ihrer Freizeit und im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten. Ohne diese Personen wären die Barmer Anlagen nicht der zweitgrößte Park Deutschlands in bürgerschaftlichem Besitz und in einem trotz knapper Geldmittel bemerkenswert gutem Zustand.

In den ersten Jahren nach 1864 wurden den Vorsitzenden Denkmäler gewidmet, um deren Wirken über den Tod hinaus zu würdigen und die Erinnerung zu bewahren. Später wurden den Nachfolgern, weiteren Vorstandsmitgliedern und Förderern Wege, Plätze und Bänke gewidmet.

Die Biografien dieser Vorbilder blieben oft im Dunklen, wenn sie nicht aus anderen Gründen und wegen anderer Verdienste dokumentiert wurden. Dadurch gerieten viele verdiente Mitbürger in Vergessenheit.

Einer Anregung von Bernd Lamprecht, dem Vorsitzenden der Johann-Victor-Bredt-Gesellschaft mit inhaltlicher und technischer Unterstützung von dem Engagementförderer/ Andreas Romano Kath. Kirchengemeinde St. Antonius und Pate für Robert Barthels folgend, wurde am 5. Oktober 2020 im Barmer Verschönerungsverein unter dem Titel „Erinnerungskultur“ eine Kommission gegründet, die sich umfangreiche Recherchen vorgenommen hat. Vorsitzender der BVV-Kommission ist unser Vorstandsmitglied Klaus-Günther Conrads. (Es werden übrigens noch weitere Paten zur Mitwirkung gesucht. Interessierte können sich sehr gerne in der Geschäftsstelle des Barmer Verschönerungsverein melden.)


Nachfolgend beginnen wir damit Ihnen einige der Persönlichkeiten vorzustellen.
Weitere werden folgen. Seien Sie gespannt.

Barmer Köpfe - BVV Vorsitzende

Werlé, Wilhelm (Der erste Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Schüller, Otto (Der zweite Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Barthels, Robert (Der dritte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Budde, Otto (Der vierte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Neumann, Paul (Der fünfte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Vorwerk, Wilhelm (Der sechste Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Plutte, Ernst-Günter (Der siebte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Barmer Köpfe

Hofmann, Rüdiger

Langermann, Johannes


Videoimpuls der Erinnerungskommission

des BVV finden Sie hier:

Video über Beate Bremme

Video über Willibrord Lauer

Video über Pauline Luhn

Video über Wilhelm August Bredt


Barmer Köpfe - BVV Vorsitzende

Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der erste Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Wilhelm Werlé

Ein Leben für Licht und frische Luft

Ein Stück Barmer Stadtgeschichte hat Wilhelm Werlé mitgestaltet. Seinen Verdiensten gemäß wurde ihm in Heckinghausen eine Straße gewidmet und der Barmer Verschönerungsverein stiftete ein Denkmal in den Anlagen. Wilhelm Werlé wurde am 26. September 1804 in Wetzlar geboren. 

1846 gründete er in seiner zweiten Heimat die "Barmer Gaserleuchtungsgesellschaft" und leitete sie auch nach Besitzübernahme durch die Stadt Barmen. In der "Deputation der Aktionäre der Bergisch-Märkischen Eisenbahn" übte er den Vorsitz aus. Politische Aktivitäten entfaltete er als Mitglied der Barmer Stadtverordnetenversammlung (1846-75), Beigeordneter (1840-46), Deputierter des Frankfurter Vorparlamentes (ab 1848) und liberales Mitglied im preußischen Abgeordnetenhaus (1856-62). Humanitäre Hilfe leistete er mit seinem sozialen Gewissen in der Armenverwaltung und im Vorstand der "Anstalt für verlassene Kinder", die ihr Domizil auf dem Grundstück des späteren Altenheimes an der Oberen Lichtenplatzer Straße hatte. Der Barmer Verschönerungsverein erinnert sich gerne an seinen ersten Vorsitzenden. Wilhelm Werlé gründete am 8. Dezember 1864 gemeinsam mit zwölf Barmer Fabrikanten und Kaufleuten (Barmens Oberbürgermeister Wilhelm August Bredt, Friedrich von Eynern jr., Robert Barthels, August Engels, Emil Blank (stellv. Vorsitzender), Johann Wilhelm Fischer (Kassierer), Oskar Schuchard, Carl Theodor Rübel, Friedrich Wilhelm Ostermann, Adolf Schlieper, Emil Wemhöner, Karl Wolff) eine der ersten Bürgerinitiativen "pro Natur".

Vorgeschichte

Wie in manchen größeren Städten, so nimmt auch in der Industriestadt Barmen die Liebe zur schönen Gartenkunst in jedem Jahre einen erfreulichen Aufschwung. Ein sichtliches Zeichen hiervon geben die öffentlichen Anlagen bzw. die Anlagen des Verschönerungsvereins. Im Anfang der 1830er Jahre siedelte sich ein Bürger in dem im Süden der Stadt auf den Höhen gelegenen Barmer Wald an. Er rodete einen kleinen Teil des Waldes aus und begann Ackerwirtschaft. Nach und nach wurden durch die Stadt weitere Strecken urbar gemacht, um Arbeitslosen Beschäftigung zu verschaffen. Diese von Wald und Buschwerk gesäuberte Strecke gab dem Herrn Wilhelm Werlé den Gedanken ein, dort den Anfang der Verschönerungsanlagen zu machen. Wenn auch dieser Plan anfangs mit Achselzucken und Lächeln aufgenommen wurde, ließ sich Wilhelm Werlé doch nicht beirren und brachte durch die Unterstützung seiner Freunde und Mitbürger dahin, dass sein Plan allmählich überall reges Interesse fand. Die Gründung eines Verschönerungsvereins für Barmen wurde in einer Versammlung am 8. Dezember 1864 einstimmig beschlossen und Herrn Werlé das Amt eines ersten Vorsitzenden des Vereins übertragen.

Erst der Tod stoppte 1880 seinen Tatendrang für die Schaffung der Grünflächen und des Waldes im Barmer Süden - just zu einer Zeit der Frühindustrialisierung, als Fabriken und Wohnhäuser freie, grüne Flächen immer mehr aus der Stadt verdrängten und es für die Menschen kaum Erholungsraum gab. In seiner Amtszeit wurden die unteren Anlagen von Wiesen, Gestrüpp und Felsen in eine Parklandschaft umgewandelt und dem BVV 1873 die Rechte einer juristischen Person (mangels Vereinsregister) verliehen. Oberhalb des ehemaligen Schwanenteiches fand ein Denkmal zu Ehren Werlés seinen Standort, das am 21. August 1881 enthüllt wurde. Es war bereits zu Lebzeiten Werlés (Tod am 28.08.1880) geplant worden. Die überlebensgroße Marmorbüste steht auf einem zwei Meter hohen Sockel, geschaffen von dem Berliner Bernhard Afinger. Das als Einfassung gedachte kunstvolle Eisengitter ging im Zweiten Weltkrieg verloren.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der zweite Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Schüller, Otto

Uneigennützige Arbeit im Dienste der Gesellschaft

Das zu seinen Ehren 1902 in den unteren Barmer Anlagen errichtete Denkmal ist leider nicht mehr vorhanden und an seine Ehrenbürgerwürde erinnern sich Menschen eher selten. Selbst die nach ihm benannte „Ottostraße“ wird ihm nicht zugeordnet, weil nur sein Vorname genannt ist. 

Allerdings hat die Bezirksvertretung Heckinghausen dafür gesorgt, dass das Straßenschild ergänzt wurde. Gemeint ist Otto Schüller, der von 1829 bis 1899 gelebt hat.

Familie Schüller wohnt noch heute im Stammhaus in der Reichsstraße 42. Die Firma ist durch die Bergisch-Märkische Eisenbahn überbaut worden.

In ihrem Standardwerk „Denkmäler, Brunnen und Plastiken in Wuppertal“ zitiert Ruth Meyer-Kahrweg aus früheren Medien:

Otto Schüller wurde am 5. Oktober 1829 in Barmen geboren. Zu seinem Tod im 80. Lebensjahr am 30. November 1899 erschien dieser Nachruf: „Der Verstorbene ... hatte sich dem Kaufmannsstande gewidmet und war Chef des bedeutenden Commissions- und Exportgeschäftes, welche seine Firma trägt. Im Jahre 1867 zum Stadtverordneten gewählt, wurde er in der Sitzung vom 20. April 1869 gemeinsam mit Otto (Vorname Hugo ist falsch) Jäger, der ebenfalls Ehrenbürger der Stadt Barmen war, im Frühling 1896 aber bereits verstorben ist, einstimmig zum Beigeordneten gewählt. Die Amtseinführung fand am 6. Juli 1869 statt. In der Sitzung vom 28. März 1899 hatten die Stadtverordneten beschlossen, das Entlassungsgesuch zu genehmigen und Schüller einstimmig zum Ehrenbürger Barmens zu ernennen. Besonders große Verdienste hat sich Schüller um den Barmer Verschönerungsverein erworben, dem er seit seiner Gründung 1864 angehörte und dem er viele Jahre als Vorsitzender vorstand. Sein Name ist mit dem Emporblühen unserer herrlichen Anlagen aufs innigste verwachsen. Der König ehrte des Dahingeschiedenen Verdienst durch Verleihung des Rothen Adlerordens vierter Klasse und des Kronenordens 3. Klasse.

In einer Serie der „Bergischen Blätter“ über Wuppertaler Bürgerdenkmäler hat Rüdiger Steiner neben anderen Personen auch Otto Schüller porträtiert:

Für das Gemeinwohl

Otto Schüller war Inhaber und Leiter des „Commissions- und Exportgeschäftes Schüller“. Seit 1867 übte er das Amt des Stadtverordneten und seit 1869 auch das des Beigeordneten in Barmen aus. Ebenso lange saß er im Vorstand des Barmer Verschönerungsvereins, dessen Vorsitz er 1880 bis 1899 ausübte. Wegen dieses langjährigen (und unbesoldeten) Einsatzes für die Allgemeinheit wurde ihm wenige Monate vor seinem Tod die Ehrenbürgerwürde der Stadt Barmen verliehen. Er war auch Träger „hoher Orden“.

Denkmal

Den Anstoß für das nicht mehr vorhandene Denkmal gab Hugo Hoesch, ein ebenfalls 1899 verstorbenes Vorstandsmitglied des Barmer Verschönerungsvereins. Er vermachte dem Verein 9.000 Mark mit der Auflage, davon 3.000 Mark zum Andenken Schüllers in Form einer Büste, eines Bildes oder eines Denkmals zu verwenden. Den fehlenden Betrag zu den Denkmalkosten von 4.000 Mark brauchten vermutlich andere Vereinsmitglieder auf. Mit der Anfertigung der Büste wurde der seit 1895 an der Barmer Werkkunstschule lehrende Bildhauer Wilhelm Giesecke beauftragt, der bereits zwei Jahre vorher die Büste für das Heinrich-Eisenlohr-Denkmal, das sich in den Unterbarmer Anlagen westlich der Oberbergischen Straße befindet, geschaffen hatte. Das Postament aus weißem Seyenit lieferte Stein- und Bildhauer Adolf Böckler.

Büste

Die Schüller-Büste aus weißem Carrara-Marmor war leicht überlebensgroß und ruhte auf einem etwa zwei Meter hohen Sockel aus schlesischem Marmor. Sockel und Büste enthielten mit ihrer vereinfachenden und dynamisierenden Gestaltung Anklänge des Jugendstils. Die eingemeißelte Inschrift lautete: „Otto Schüller, Ehrenbürger der Stadt Barmen, Vorsitzender des Verschönerungs-Vereins von 1880-1899“.

Seinen Abschluss fand das Denkmal durch einen runden Unterbau mit einem dekorativen Eisengitter, das nach dem Zweiten Weltkrieg mehrfach beschädigt und schließlich zerstört wurde.

Vermächtnis

Bei der Enthüllung der Büste am 28. April 1902 würdigte der Barmer Oberbürgermeister Dr. August Lentze Otto Schüllers Verdienste für die Barmer Anlagen und die Stadt Barmen. Sein Plädoyer kann stellvertretend für fast alle Bürgerdenkmäler gelten: „Möge das Bildnis von Otto Schüller einen jeden der zahllosen Besucher unserer Anlagen es zu Bewusstsein bringen, dass hier alles aus Bürgersinn und uneigennütziger Arbeit im Dienste der Gesamtheit geschaffen ist, möge sein Anblick einen jeden zu ähnlichem Thun begeistern und vor allen Dingen die kommenden Geschlechter anfeuern, es ihm gleich zu tun, in der selbstlosen Arbeit und Sorge für das gemeine Wohl!“

Kopf ab! Weg damit!

Leider haben öffentlich aufgestellte Vorbilder nicht immer Bestand, den sich ihre Initiatoren wünschen. 1945/6 schlugen Unbekannte den Kopf von der Büste ab und warfen ihn in einen nahe gelegenen Teich, wo er erst im August 1953 bei einer Entschlammung wiedergefunden wurde. Im April 1957 ist die Büste abermals vom Sockel gestürzt worden. 1968 formte das Vereinsmitglied Otto Pieper, Mitarbeiter von Vorwerk & Sohn, nach Resten des zerstörten Kopfes eine neue Büste, die auf dem alten Sockel montiert wurde. Nach erneuter Beschädigung zog der Verschönerungsverein das Denkmal 1983 Jahre endgültig ein.

In der Traueranzeige für Otto Schüller wurde sein 19 Jahre währendes Engagement als BVV-Vorsitzender hervorgehoben: hervorragend, kraftvoll. „Unter seiner Führung wurde ein großer Teil der herrlichen Anlagen geschaffen, für deren Weiterentwicklung er stets bereit war, seinen persönlichen Einfluss nach jeder Richtung geltend zu machen.“

Die Familien Schüller und Toelle sind durch Heirat miteinander verwandt.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der dritte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Barthels, Robert

Robert Barthels gehörte zu den Männern der ersten Stunde für die Barmer Anlagen

Robert Barthels wurde am 21. August 1836 geboren und lebte bis zum 9. März 1913. Er gründete am 8. Dezember 1864 den Barmer Verschönerungsverein mit und war bis 1888 Vorstandsmitglied. Anschließend wählten ihn die BVV-Mitglieder zum Schatzmeister.

Die Chronik war ihm eine Herzensangelegenheit. In der Galerie der bisher neun Vorsitzenden rangiert Robert Barthels an dritter Stelle: vom 30. November 1899 bis zu seinem Tod am 9. März 1913. Seine Erinnerung bewahrt der Verschönerungsverein im „Barthelsweg“, der in Form einer Allee angelegt wurde und vom Emil-Röhrig-Platz westwärts verläuft.

Concordia

In der 1801 gegründeten Barmer Gesellschaft „Concordia“ war Robert Barthels von 1875 bis 1883 Mitglied und Vorstand, von 1883 bis 1885 Direktor.

Barthels-Feldhoff immer ohne Robert Barthels

Durch eheliche und wirtschaftlich-finanzielle Verbindungen beider Familien ist das Unternehmen Barthels-Feldhoff entstanden. Der Großvater von Robert Barthels, Johann Matthias Barthels, hat Beatrix Feldhoff geheiratet und verschiedene Tätigkeiten in der schwiegerväterlichen Firma in Elberfeld übernommen. Sein Sohn Philipp hat auch in die Familie Feldhoff eingeheiratet.

Er war verheiratet mit Simonette Feldhoff.

Die Brüder Philipp Barthels (1794-1874) und Carl Barthels (1799-1866, Heirat mit Adelina von Eynern) haben 1829 die gemeinsame Eisengarn herstellende Firma Barthels mit finanzieller Unterstützung der Familie Feldhoff gegründet und der neuen Firma den Namen Barthels-Feldhoff gegeben.

1862 wurde die Firma vergrößert. In Derschlag/Gummersbach entstand eine neue Fabrik (Baumwollspinnerei). Die Leitung übernahm Carl Barthels unter dem Namen Barthels & Söhne. Seine Söhne Robert (21. August 1836 bis 6. September 1877) und Carl Hugo (1834-1909) haben die neue Firma mitgeleitet und später übernommen.

Neben der unternehmerischen Tätigkeit hat sich Robert Barthels gesellschaftspolitisch engagiert, so in der Gesellschaft Concordia und im Barmer Verschönungsverein.

Die Firma Barthels & Söhne gibt es heute nicht mehr. Die Firma Barthels-Feldhoff besteht noch heute an der Brändström- und Garnstraße, auf historischer Fläche auf dem Wupperfeld, wo einst der „Wupperhof“, einer der frühesten Höfe Barmens („Beyenburger Amtsrechnung“ von 1466), gestanden hat und wurde ab 1862 von dem Vetter von Robert Barthels (Kommerzienrat Philipp Barthels) weitergeführt.

Das repräsentative Wohnhaus der Familie Barthels an der Berliner Straße 100 wurde zur Friedrich-Engels Allee 384 transloziert und bildet zusammen mit den Engelshäusern an der Engelsstraße ein Ensemble.

In der BVV-Kommission „Erinnerungskultur“ hat Andreas Romano die Patenschaft übernommen und tritt gelegentlich als „Robert Barthels“ auf.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der vierte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Budde, Otto

Drei Männer hießen Otto Budde

In der Barmer Familie Budde war der Vorname Otto obligatorisch. Otto Budde senior lebte vom 12. Oktober 1834 bis 10. August 1905. Er war, wie sein Sohn Otto junior. Besitzer der Stückfärberei Budde und Müller gewesen sein. Otto war eigentlich nur der dritte Vorname, nach Ernst Wilhelm, aber der Rufname. Dieser lebte vom 3. März 1868 bis 7. Juli 1936.

(Ernst Wilhelm) Otto Budde junior war von 1913 bis 1931 der vierte Vorsitzende von bisher neun des Barmer Verschönerungsvereins, im Vorstand amtierte er von 1882 bis 1931. Er wird die 1885 eingeweihte "Buddetreppe" am unteren Ende der Eichenallee zwischen obere Barmer Anlagen und Ringeltal gestiftet haben. Später baute die Stadt Wuppertal eine Fußgängerbrücke über die immer stärker befahrene Untere Lichtenplatzer Straße.

Meckel, Budde, Ziersch

Interessante Informationen enthält eine Festschrift „1865-1965 100 Jahre Budde & Müller und Otto Budde & Co.“. Untrennbar damit verbunden ist die Wuppertaler Textilveredlung Rudolf Ziersch Söhne KG, die ihren Sitz an der Meckelstraße hatte. Rudolf Ziersch wurde eine Straße gewidmet, die die Obere Lichtenplatzer Straße mit der Wettiner Straße verbindet. Der Name Meckel geht auf den Elberfelder Seidenfabrikanten Wilhelm Meckel zurück. Der geheime königliche Kommerzienrat fertigte im Barmer Bezirk Springen papierähnliche sogenannte Schreibtafeln aus Pergament und war Präsident der Elberfelder Industrie- und Handelskammer.

Auf die Leitung kommt es an

1865 beschloss Geheimrat Meckel, auf seinem Fabrikareal eine Stückfärberei für halbwollene und baumwollene Breitgewebe einzurichten. Damals waren im Tal bestehende Futterstoff-Webereien sehr erfolgreich. Nachdem der vorherigen Kohlenhändler Otto Budde sen. als kaufmännischer Leiter und Hermann Müller als technischer Leiter eingestellt worden waren, taufte Meckel sein neues Unternehmen „Budde & Müller“. Die topografisch schwierige Hanglage blieb 100 Jahre ein Hemmnis für den Fabrikerfolg. Nach dem Rückzug von Hermann Müller blieben der Königlich-Preußische Kommerzienrat Otto Budde sen. und Geheimrat Wilhelm Meckel (stiller Gesellschafter) dem Unternehmen treu.

Aufgeschlossenheit und Fortschrittlich

Trotz fehlender Sachkenntnis auf dem Gebiet der Färberei zeigte Otto Budde senior große Aufgeschlossenheit und weites Verständnis für technische Neuerungen. Er stellte als erster Betrieb im Wuppertal in Zusammenarbeit mit der AEG den Antrieb der Maschinen von ortsansässigen Dampfmaschinen auf Elektromotoren um. Durch seine persönlichen Beziehungen zu den leitenden Persönlichkeiten des deutschen Postwesens bekam die Firma Budde & Müller als Firmentelefonnummer die Nummer „1“ im ersten Telefonnetz der Stadt Barmen!

Die Marke „Zanella“

Rudolf Ziersch trat 1885 nicht in die väterliche Türkischrot-Färberei Ziersch & Neuhoff ein, sondern zusammen mit seinem Schulfreund Otto Budde jr. in den Betrieb Budde & Müller Im Springen, wo er drei Jahre lernte. Die halbwollenen Futterstoffe bestanden aus Baumwoll-Kette und Kammgarn-Schuss und wurden unter dem Namen „Zanella“ bekannt. Die Schuhstoffe aus gleicher Materialkomposition liefen unter der Artikelbezeichnung „Lastings“. 1895 wurde Rudolf Ziersch Mitinhaber und brachte Kapital mit. 1896 kaufte Otto Budde sen. deshalb den Betrieb Im Springen von der Witwe des Geheimrates Wilhelm Meckel.

Absprachen unter Wettbewerbern

Am 1. Januar 1896 änderte die Stückfärberei und Appreturanstalt Budde & Müller den Namen in „Otto Budde & Co.“. 1894 gelang durch eine Vereinbarung mit vier Barmer Konkurrenten die so genannte „Färberkonvention“, in der feste Preise und Bedingungen vereinbart wurden. Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten im und nach dem Ersten Weltkrieg ging es der Firma bis zum Ende der 1920er Jahre überwiegend gut.

Trennung

Anfang der 1930er Jahre zerstritten sich die Teilhaber Otto Budde junior (gestorben 1936 in Bonn) und Rudolf Ziersch, so dass eine Trennung unausweichlich war. Die Firma Otto Budde & Co. blieb allein in den Händen der Familie Ziersch. Rudolfs Sohn Guido Ziersch trat 1930 ins Unternehmen ein.

Otto Budde senior: Prinzipal alten Schlages

Otto Budde senior war ein Original alten Schlages, eine robuste und manchmal sehr schwierige Unternehmerpersönlichkeit mit starkem Eigenwillen. Über diesen Patriarchen kursieren die mannigfachen Geschichten. Er war ein energischer und unerbittlicher Prinzipal alten Schlages, der stark auf die Pünktlichkeit seiner Mitarbeiter im Betrieb achtete und darauf, dass während der Arbeitszeit kein Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz verließ. Im Betrieb sorgte der Chef für strenge Zucht und Ordnung. Das junge Unternehmen brachte es schnell zu Ansehen und Erfolg.

Von Natur aus war er ungewöhnlich korpulent. Auf Grund seines starken Körpergewichtes hatte er an seiner Kalesche, eine leicht gebaute Kutsche, ein besonders verstärktes Trittbrett anbringen lassen. Im Vorzimmer seines Privatbüros war ein Turngerät, ein elektrisch betriebenes Pferd, aufgestellt, auf dem er täglich in der Arbeitspause seine gymnastischen Übungen verrichtete, um sein Körpergewicht zu reduzieren. Otto Budde senior lebte vom 12. Oktober 1834 bis 10. August 1905.

Otto Budde junior

(Ernst Wilhelm) Otto Budde junior wurde am 3. März 1868 geboren und war dem Vater in der Korpulenz und im Gesichtsausdruck sehr ähnlich, jedoch im Wesen und Charakter sehr viel verbindlicher und weicher. Der Junior wurde früh für die Nachfolge seines Vaters vorbereitet und trat am 20. März 1889 als Prokurist, später als Teilhaber zusammen mit seinem Schulfreund Rudolf Ziersch (verstorben 1962) in die Firma ein.

Hochmusikalischer Mäzen

Otto Budde junior war ein hochmusikalischer Mensch, der auch die Musik aktiv ausübte, als dilettantisch überdurchschnittlicher Klavierspieler. Lange Jahre betreute er in Barmen das Amt des Vorsitzenden der Barmer Konzertgesellschaft, die er mit großem Geschick und Sachkenntnis leitete. Er war verantwortlich für die großen Abonnementskonzerte, das heißt die Symphonie- und Chorkonzerte, die im großen Saal der Gesellschaft Concordia stattfanden. Budde unterhielt enge persönliche Beziehungen zu bekannten Dirigenten und Sängern, die anlässlich der Konzerte oft in seinem Haus in der Ottostraße 5, an den Anlagen des Barmer Verschönerungsvereins gelegen, zu Gast waren.

Otto Budde war wegen seiner verbindlichen Haltung mit der obligatorischen Blume, meist eine weiße Nelke, im Knopfloch, bekannt. Der jüdische Arzt Dr. Eugen Rappoport war Theaterarzt und sein Leibarzt. Da Budde ein etwas unstetes Wesen hatte, hielt er es meistens nicht bis zum letzten Akt im Theater aus, sondern verließ seine Loge vorzeitig. Manche Musiker hatten ihm viel zu verdanken. Er war ein Mäzen im wahrsten Sinne des Wortes. Budde junior starb am 7. Juli 1936.

Kurt Budde lebte für die Musik

Otto Budde jr. war mit Elisabeth Wegner, der Tochter des damaligen Barmer Oberbürgermeisters Friedrich Wilhelm Wegner, verheiratet. Sohn Kurt Budde, der die musikalische Ader des Vaters geerbt hatte, ist Komponist und Kapellmeister geworden. Seine Kompositionen wurden in verschiedenen Städten aufgeführt. Zuletzt war er Dozent und Lehrer an der „Staatlichen Musikhochschule“ in Berlin. Ein von Kurt Budde komponiertes Kammermusikstück „Suite im alten Stil“ war beim Festakt zum 100. Geburtstag der Firma am 2. Juli 1965 in der Gesellschaft Concordia zu hören.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der fünfte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Neumann, Paul

Interessenvertretung in nationalsozialistischer Zeit

Paul Neumann wurde am 2. November 1867 in Barmen geboren. Während seiner Berufstätigkeit hat er in der Lortzingstraße 36 gewohnt. Im BVV-Archiv befinden sich Hinweise, dass Paul Neumann einen Sohn mit gleichem Vornamen und eine Tochter hatte, bei der er seinen Lebensabend in Weinheim an der Weinstraße verbrachte.

Gestorben ist er nach einem erfüllten Leben am 10. Februar 1958 in Herchen an der Sieg. Die Trauerfreier für Paul Neumann sen. fand am 14. Februar 1958 in der Kapelle des Unterbarmer Friedhofes statt.

Im Barmer Wald ist zwischen Lönsstraße und dem ehemaligen Königshof ein Weg nach Paul Neumann benannt.

Paul Neumann sen. war von 1901 bis 1945 Mitglied im Barmer Verschönerungsverein. Von 1933 bis 1945 wirkte er als fünfter erster Vorsitzender. Es war die Zeit des Nationalsozialismus bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges – eine schwierige Zeit, in der von Parkpflege keine Rede sein konnte und jüdische Mitglieder von den Nazis nicht akzeptiert wurden! Von 1928 bis 1933 war er zweiter Vorsitzender. In ihrem Nachruf erinnerten die Vorstände Wilhelm Vorwerk, Hermann Engemann und Willibrord Lauer, dass sich der Verstorbene, seit 1957 Ehrenmitglied, tatkräftig um die Belange des gemeinnützigen Vereins gekümmert und den BVV gefördert hat: „Auch nach seinem kriegsbedingten Fortzug (Ausbombung) nach Herchen an der Sieg und der dadurch bedingten Niederlegung des Vorsitzes (in einer Zeit der Vakanz mit der Nachfolge durch Wilhelm Vorwerk war der BVV kurz geschäftsunfähig) nahm er regen Anteil an der Wiederaufbauarbeit in den Barmer Anlagen. Noch zu seinem 90. Geburtstag hat er seine Anhänglichkeit durch eine hochherzige Stiftung zum Ausdruck gebracht.“

Fabrikant Paul Neumann sen. war Mitinhaber der Breitweberei Neumann & Büren. Seit 1890 arbeitete der in Barmen Geborene in dem von seinem Vater 1864 gegründeten Unternehmen, dessen Fabrikationsanlagen in Langenfeld-Immigrath Futterstoffe herstellten. Er hat die Firma mit Sitz in der Friedrich-Engels-Allee 102/106 zu einem bedeutenden Unternehmen dieser Branche emporgeführt. Nach der Ausbombung am 30. Mai 1943 zog sich Paul Neumann aus dem Wirtschaftsleben zurück und siedelte nach Weinheim an der Bergstraße um. Kaufmännischer Weitblick, umfassendes fachliches Können, vorbildliches Pflichtgefühl und eine gute Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitern haben zum Aufstieg des Unternehmens in wechselvollen Zeiten beigetragen.

In einem Schreiben vom 22. August 1957 teilt Carl Neumann dem BVV-Vorstand mit, dass seine Firma P.C. Neumann GmbH nach Frankenberg/Eder verlegt hat und deshalb die Mitgliedschaft beenden will. Im gleichen Schreiben protestiert er gegen den schlechten Zustand im oberen Bereich der Anlagen.

Er hat in jüngeren Jahren zahlreiche Ehrenämter bekleidet. So war er Vorsitzender des Deutschen Futterstoffverbandes in Elberfeld, Vorsitzender des Dampfkessel-Überwachungsvereins und später Vorstandsmitglied des Technischen Überwachungsvereins in Köln. Er gehörte auch dem Vorstand der Vereinigten Evangelischen Kirchengemeinde Unterbarmen an und war 1912-13 Kirchmeister.

Paul Neumann jr. hat in der Hohenzollernstraße 8 gewohnt.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der sechste Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Vorwerk, Wilhelm

Fabrikant, Standesvertreter und Vater des Barmer Verschönerungsvereins

Der Name Vorwerk ist jedem Wuppertaler selbstverständlich und vielen Deutschen wahrscheinlich ein Begriff. Zwei große Unternehmen tragen diesen Familiennamen: (Electro-) Vorwerk und Co, die Firma mit dem Kobold-Staubsauger, und Vorwerk & Sohn (Certoplast).

 

Einst im nahen Schwelm, dem heute "Vörfken" genannten Hof beheimatet, siedelten Familienangehörige ins Wuppertal über. Das Wupperfeld war die erste Station und später entstand im Bereich des Kleinen Werthes, Bach- und Kohlgartenstraße ein großes Vorwerk-Imperium. Electro-Vorwerk siedelte zum Mühlenweg um und die Textilfabrikation von Vorwerk & Sohn wurde zunächst teilweise in ein neues Werk auf dem Lichtenplatz verlegt. Später kehrten die Textilmaschinen noch einmal zurück und schufen Platz für die Gummiherstellung.

Der Name Vorwerk ist dank eines Familiensprosses (Adolf) mit vielen Ereignissen im Süden der Stadt untrennbar verbunden: Barmer Bergbahn, Luftkurhaus, Turmbahn, Besiedlung der Südhöhen. Sein Sohn Wilhelm setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) für die Erhaltung der Parklandschaft ein.

Wilhelm Vorwerk wurde am 13. Januar 1889 als zweiter von drei Söhnen Adolf Vorwerks geboren. Nach einer gründlichen Ausbildung trat er in die 1827 gegründete Firma Vorwerk & Sohn ein und widmete sich besonders dem vor der Wende zum 20. Jahrhundert errichteten Gummiwerk. Nach dem Zweiten Weltkrieg trieb Wilhelm Vorwerk gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder und den Mitarbeitern den Wiederaufbau voran, auch in Fulda, wo Deutschlands modernste Reifenfabrik entstand, die später an Goodyear verkauft wurde. Weltweite Bedeutung erlangte auch das Wuppertaler Unternehmen zurück. Den forstschrittlichen Gedanken Vorwerks folgend, wurde das in der Barmer City gelegene Textilwerk nach Schwelm verlegt.

Trotz seiner vielfältigen betrieblichen Bindungen engagierte sich Wilhelm Vorwerk in Unternehmerorganisationen und zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger. Unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches betrieb er die Wiedervereinigung von Arbeitsgeberverbänden als Gesprächspartner für die Gewerkschaften, zunächst gegen den Widerstand der damaligen Besatzungsmacht. Triebfeder war die Überzeugung von einer notwendigen, verantwortungsbewußten Zusammenarbeit zwischen den Tarifvertragsparteien. Ein Ergebnis waren die "Hattenheimer Gespräche", die wertvolle Anregungen für die bundesdeutsche Sozialpolitik gaben. Mitglied der Industrie- und Handelskammer war Vorwerk bereits 1929 geworden, seit 1933 deren Vizepräsident. Das 1942 abgebrochene Engagement setzte er 1945 als Vorsitzender fort und verwirklichte die Neuorganisation auf Landes- und Bundesebene. Die hohe Wertschätzung Vorwerks drückte sich unter anderem 1956 in der Wahl zum Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages aus.

Für seine Vaterstadt engagierte er sich im besonderen Maße als Vorsitzender des Barmer Verschönerungsvereins. Er setzte ab 1945 Mitarbeiter ein, die die im Krieg zerstörten Barmer Anlagen rekultivierten, auf seine Lohnliste. Er stellte Geräte zur Verfügung, kaufte das inzwischen veräußerte Haus Dahl und managte die Neugestaltung und Pflege dieser zweitgrößten privaten Parkanlage Deutschlands. Anläßlich der letzten Fahrt der Barmer Bergbahn, von seinem Vater Adolf 65 Jahre zuvor initiiert, hielt Wilhelm am 4. Juli 1959 neben dem Bergbahnhof eine flammende, aber erfolglose Rede gegen die Stillegung.

Mit Wilhelm Vorwerk starb am 4. November 1967 ein Mann mit Verantwortungsbewußtsein, Blick für das Praktische, Aufgeschlossenheit für neue Ideen und liebevoller Hingabe zur Natur. Am Höhenweg des Barmer Waldes, an der Bredthöhe, ist 1971 für ihn eine schlichte Gedenkstätte errichtet worden.

Literaturhinweis:

Jubiläumsschrift "100 Jahre Vorwerk & Sohn" (1827-1927).

Wilhelm Vorwerk, Porträt in "Wuppertaler Biographien, 11. Folge", Born-Verlag.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der siebte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Plutte, Ernst-Günter

BVV-Vorsitzender aus Leidenschaft

Im Jahr des 125jährigen Bestehens des Barmer Verschönerungsvereins feierte der als konservativ geltende Ernst-Günter Plutte 1989 sein silbernes Jubiläum 25 Jahre Vorstand des 1864 gegründeten Vereins. Damals war er 22 Jahre Vorsitzender. Eine beeindruckend lange Zeit, wenn man bedenkt, dass dies beileibe nicht seine einzige Beschäftigung war.

 

 

Beruf und Ehrenamt

Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Textilfirma Peter August Lückenhaus („Plutina“) war er über Jahre Präsident des Verbandes Gesamttextil und Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und arbeitete in einer Reihe von Beiräten und Kuratorien mit. Er wurde wegen seiner großen Sachkunde in wirtschaftlichen und sozialpolitischen Fragen sehr geschätzt. Er erhielt 1986 aus den Händen von Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher das große Verdienstkreuz zum Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Nachdem er sein Präsidentenamt bei Gesamttextil abgegeben hatte, konnte er sich dem Verschönerungsverein intensiver widmen.

Ernst-Günter Plutte war gerne Vorsitzender des Barmer Verschönerungsvereins! Ihn reizte, Einfluss auf die Gestaltung der Barmer Anlagen, „Barmens grüne Lunge“, nehmen zu können.

Vor der Pleite gelang ein großer Wurf

Der Einstieg von Ernst-Günter Plutte in das Amt des BVV-Vorsitzenden 1967 war nach dem Tod von Wilhelm Vorwerk alles andere als gemütlich, denn der Verein war finanziell nahezu handlungsunfähig. Vermögen, das durch den Verkauf des ehemaligen Stadthallengrundstückes an die Barmer Ersatzkasse (Einweihung 1956, heute Standort des Wupperverbandes) in der Nachkriegszeit angesammelt worden war, war fast aufgezehrt. Es fehlte sogar das Geld für den Etat 1968. Die finanzielle Sanierung war folglich das Gebot der Stunde. Plutte leistete eine „großen Wurf“! Zum Besitz des Verschönerungsvereins gehörte in jenen Jahren noch das Gartenland an der Dickmannstraße, für das noch kein Bebauungsplan ausgewiesen war. Plutte suchte die Kooperation mit der Stadt Wuppertal und erreichte, dass die Grundstücke bebauungsfähig wurden, in dem er den damaligen Baudezernenten Prof. Friedrich Hetzelt und Oberstadtdirektor Werner Stelly von seinen Plänen überzeugte. Durch den Verkauf des Geländes erzielte der BVV ein Vermögen, das man fest anlegte und die Zinserträge lange nutzen konnte, um Engpässe zu überbrücken.

Jeder Baum ist wichtig!

In den Nachkriegsjahren bestand in den Barmer Anlagen großer Nachholbedarf, teilweise mussten Kriegsschäden beseitigt werden und die planmäßige Waldpflege stand auf der To-Do-Liste. Deshalb wurde der BVV als zweitgrößter Waldbesitzer, nach der Stadt, Mitglied der Forstbetriebsgemeinschaft, einem Zusammenschluss von Waldbauern und der Stadt für Aufforstung und Waldpflege. Pluttes Verbundenheit mit den Anlagen und persönlicher Anspruch: „Es wird kein größerer Baum abgeholzt, ohne dass ich ihn vorher gesehen habe.“ Er spazierte

von seinem Wohnhaus, einer repräsentativen Villa, am Ende des Brucknerweges, beinahe täglich durch die Anlagen. Einem Briefkopf von 1967 zufolge hat er vorher in der Schubertstraße 10a gewohnt.

Verhinderter Forstmeister

Gelegentlich bezeichnete sich Ernst-Günter Plutte als „verhinderten Forstmeister“. Der auf dem Grundstück der Familie Plett und des Hauses Panorama angelegte Panoramaplatz wurde nach seinem Konzept als großzügige Grünanlage geschaffen. Der Panoramablick auf Barmen war bald, nachdem die Bäume hoch gewachsen sind, verschwunden. Ein zu Rast und Muße einladender Platz, der nach seinem Schöpfer „Plutteplatz“ genannt wurde, ist geblieben.

Anlässlich seines 65. Geburtstages wurden auf dem Panoramaplatz zwei große Felsstücke aus Grauwacke aufgestellt. Inschrift: E.-G. Plutte 24.2.1981. Dazu pflanzte man eine Stieleiche, die sich gut entwickelt hat. Über diese besondere Auszeichnung hat sich Ernst-Günter Plutte sehr gefreut, weil sie sein Ansehen ausdrückte und die Wertschätzung spiegelte. Zum 75. Geburtstag wurde nebenan ein Weg nach Ernst-Günter Plutte benannt.

Erfolgreiche Bilanz wir großartiges Wirken

Ernst-Günter Plutte blickte optimistisch in die Zukunft des BVV: „Wir haben tüchtige Leute im erweiterten Vorstand.“ Der siebte erste Vorsitzende wurde am 24. Februar 1916 geboren und starb am 27. Oktober 2005. Vorsitzender war er von 1967 bis 1992. Ein Waldweg wurde 1991 nach ihm benannt, der ehemalige Panoramaplatz 1992. Zur Erfolgsgeschichte gehört neben dem 125jährigen Jubiläum die erfolgreiche Sanierung des Toelleturms, für dessen Grunderneuerung rund eine Million Mark erbettelt wurden. Dr. Hans-Joachim Vits, Pluttes Wegbegleiter im BVV-Vorstand, erinnerte sich im Oktober 2020: Der Toelleturm konnte nach fast zehnmonatiger Bauzeit am 11. August 1990 wieder eröffnet werden. Die Pläne dafür stammten von Herrn Professor Dr.-Ing.Carsten Langlie (2. Januar 1938-4. Februar 1996), die er ohne Honorar angefertigt hatte. Herr Professor Langlie hatte sich durch die schwierige Sanierung der Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin einen Namen gemacht. Herr Plutte und ich als Schatzmeister sind mehrfach in Düsseldorf unterwegs gewesen und konnten Zuschüsse von der NRW-Stiftung und dem Land Nordrhein-Westfalen akquirieren, für die Gesamtkosten von einer knappen Million DM. Herr Plutte konnte 430.000 DM an öffentlichen Mitteln einwerben, sowie 490.000 DM sonstige Spenden. Die Wiedereinweihung erfolgte unter großer Beteiligung in fröhlicher Stimmung.“

1989 wurde Ernst-Günter Plutte mit dem „Wuppertaler“ ausgezeichnet.


Barmer Köpfe

Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Hofmann, Rüdiger

Mit dem Toelleturm war Rüdiger Hofmann auf Du und Du

Rüdiger Hofmanns 1968 begonnene Mitgliedschaft im Barmer Verschönerungsverein (BVV) wäre nichts Besonderes, hätte damit nicht die Gründung des Arbeitskreises zur Betreuung des Toelleturms und aktive Mitarbeit begonnen.

Seinerzeit war der Aussichtsturm auf der Barmer Südhöhe nach zehnjährigem „Dornröschenschlaf“ wegen Baufälligkeit und umfänglicher Renovierung, die sich schon ein Jahrzehnt später als Misserfolg herausstellte, wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Bis Mitte der 2010er Jahre koordinierte Hofmann die Einsatzzeiten der Freiwilligen, die ermöglichen, dass bei trockenem Wetter und klarer Sicht der Turm sonn- und feiertags von 12 bis 18 Uhr, seit 2019 auch samstags von 15 bis 18 Uhr, geöffnet ist.

Toelleturmbetreuung durch Freiwillige

Da der Verschönerungsverein als Turmbesitzer kein Wachpersonal einstellen konnte, fanden sich einige BVV-Mitglieder bereit, das Wahrzeichen zu öffnen und dafür ihre Freizeit zu opfern. Um die Öffnung des Toelleturms von Ostern bis Ende September zu gewährleisten, gründete die damalige Geschäftsführerin Sonja Priester am 11. Dezember 1978 einen Arbeitskreis. Dessen Gründungsmitglieder waren neben anderen Freiwilligen die Eheleute Rüdiger und Heidi Hofmann (27.2.1939-24.7.2016). Auf diese Weise fanden viele Familienstunden, nicht immer bei wohligen Temperaturen, am Toelleturm statt.

Neben der Toelleturmbetreuung und Mitgliederwerbung hat der Arbeitskreis 1979 und 1984 Wanderrallyes durch die Anlagen veranstaltet, 1983 einen Jazzfrühschoppen und 2000 ein Kinderfest. 1980 leistete er bei der festlichen Einweihung des Spielplatzes praktische Hilfe. 1981 wurde auf dem Spielplatz ein Familientreff ausgerichtet. Während der Wintermonate 1982/1983 wurden die völlig verrotteten Holzwegschilder restauriert und montiert, 1982 von Sonja Priester und Rüdiger Hofmann ein Wanderplan erarbeitet. 1986 wurden 14 km Wanderwege „gezeichnet“. Es wurden Faltpläne, Prospekte, Postkarten und Karten für die Mitgliederwerbung entworfen. Am Fest zum 100. Geburtstag des Toelleturms wirkte der Arbeitskreis organisatorisch mit. Einmal jährlich führte Rüdiger Hofmann Interessierte „von Denkmal zu Denkmal“.

1980 übernahm Rüdiger Hofmann („Obertürmer“) den Arbeitskreis und schaltete sich in die Mitgliedswerbung ein, denn naturgemäß leidet der Verein, der sich seit seiner Gründung 1864 um die Pflege der Barmer Anlagen kümmert, unter der Alterspyramide. Oft führte Hofmann interessierte Gruppen durch den attraktiven Park, der durch die „Regionale 2006“ eine neue Aufwertung erfahren hat: Umfeld Toelleturm, Emil-Röhrig-Platz (frühere Bergbahn-Haltestelle Talblick), Aussichtsplateau, Rotunde, Kinderspielplatz. Die historische Bergbahntrasse wurde wieder erlebbar gemacht.

Arbeitskreis

In früheren Jahren wurden Wanderrallys für die ganze Familie durch den Park organisiert, zum Familientreff auf dem Spielplatz eingeladen, hölzerne Wegeschilder restauriert, ein Wanderplan und Infoblätter erarbeitet und der Jahrhundertmarkt rund um den 100-jährigen Toelleturm mitgestaltet. 2007 hat Rüdiger Hofmann eine Initiative zur Sanierung des Obelisken in den oberen Anlagen gestartet. Starke Risse und Abspaltungen durch Witterungseinflüsse, verbunden mit dem Eindringen von Regenwasser bis tief in den Sandstein, gehörten zur Bestandsaufnahme. 2008 fand die Sanierung in Form des Säuberns des Steins, Schließen der vielen Risse, Verputzen zerstörter Flächen, Wiederherstellen der Verzierungen, Imprägnieren des Steins und Lasieren des gesamten Denkmals, statt. Dank der großen Spendenbereitschaft von BVV-Mitgliedern konnte Rüdiger Hofmann ein zweites Objekt auf den Sanierungsweg bringen, das Ringel-Denkmal im nach Ludwig Ringel benannten Tal.

Sein rühriges Engagement trug dazu bei, dass er 1987 in den erweiterten BVV-Vorstand gewählt worden ist. Eine Ehre an sich!

Zielbeschreibung

Eine Idee versuchte Rüdiger Hofmann immer auf den Weg zu bringen: die Barmer Anlagen und der Barmer Wald bieten sich hervorragend an, nicht nur auf Fotos abgelichtet zu werden, sondern auch für bewegte Bilder „Im Wandel der Jahreszeiten“. Rüdiger Hofmann, ein Barmer Junge, dachte an Flora und Fauna, aber auch an die vielen Denkmäler, spielende Kinder und ausruhende Senioren. Gesucht wurden und werden Videofilmer, die einzeln oder im Team nach einem Konzept einen Film gestalten.

Praktisches Geschenk

Der berufliche Ruhestand veranlasste Rüdiger Hofmann 1998, nach 35-stündiger Arbeit den Besuchern der Barmer Anlagen ein neues Entenhaus zu schenken. Das sofort nach der Aufstellung bezogene Haus aus wasserfester Siebdruckplatte und mit Fassadenfarbe geschützt, hat eine Grundfläche von einem Quadratmeter, war 95 Zentimeter hoch und als achteckiger Pavillon mit zwei Eingängen gestaltet. Leider nagte der Zahn der Zeit am Material, so dass das Entenhaus mit der Teichsanierung abgebaut werden musste.

Persönliches

Rüdiger Hofmann wurde am 13. April 1935 in Wuppertal geboren. Die Volksschule besuchte er kriegsbedingt von 1941 bis 1944 in Berlin, später von 1946 bis 1947 in Wuppertal. Der Besuch des Gymnasiums schloss sich von 1947 bis 1955 an. Bei der Remscheider Firma KHL (König & Hohmann & Otto Lübeck) hat er als Betriebsleiter bis zum Eintritt in den Ruhestand, gearbeitet.

Nach schwerer Krankheit ist Rüdiger Hofmann, der in der Weber- und später Regerstraße 8 wohnte, am 27. Dezember 2019, gestorben. Er hinterließ seine Töchter Annette mit Schwiegersohn Ado Schürmann und Britta Hofmann.

Michaela Dereschewitz, Geschäftsführerin des Barmer Verschönerungsvereins:

In den 156 Jahren unseres Bestehens hat kaum ein Mitglied so viel Freizeit ehrenamtlich für unseren Verein mit den Barmer Anlagen und dem Toelleturm aufgebracht, wie Rüdiger Hofmann. Über 50 Jahre war er in unserer Mitte! Gemeinsam mit seiner Frau hatte er seit 1978 unzählige Stunden am Toelleturm verbracht, damit Menschen hinaufsteigen konnten. Er war seit 1987 der Praktiker im erweiterten BVV-Vorstand. Geschätzt haben alle Wegbegleiter seine angenehme, ruhige, zurückhaltende, sachkundige und immer hilfsbereite Art!“


Barmer Kopf

Foto: Conrads

Langermann, Johannes

Johannes Langermann ist am 24. Oktober 1848, vor 172 Jahren geboren worden. Wegen seiner Verdienste wurde ihm am Höhenweg im Barmer Wald ein Denkmal gesetzt. Dieses Denkmal besteht aus einem Steinwürfel auf einem kleinen, runden Platz. 

Über der Inschriftentafel befand sich bis zum Zweiten Weltkrieg ein Bronzebildnis Langermanns von Wilhelm Koopmann. Am 1. April 1951 konnte das Denkmal erneut eingeweiht werden, nachdem die Kriegsschäden beseitigt worden waren. Im Herbst 1985 erneuerte der Barmer Verschönerungsverein die verwitterte Inschriftentafel und änderte diese dabei leicht ab.

Auf seiner Website www.denkmal-wuppertal.de schreibt Jan Niko Kirschbaum: „Der Provinzialverband Rheinland des Deutschen Lehrerverbands weihte am 9. April 1926 das von Professor Peter Klotzbach gestaltete Denkmal für den verstorbenen Kollegen Johannes Langermann ein. Jener Langermann, geboren am 24. Oktober 1848 in Broock, vollendete 1878 das Lehrer-Seminar und arbeitete von 1880 bis 1906 in Barmen. Der engagierte Lehrer wurde zum Schulreformer und träumte von einer Schule, in der die Schüler frei die eigene Persönlichkeit entwickeln könnten, ohne dass Staat oder Kirche in die Erziehung eingriffen. Er sah es als Aufgabe des Lehrers an, die Talente eines Kindes zu fördern und zu entwickeln. Seine Ideen brachten ihm zahlreiche Anhänger auch im fernen Ausland ein, so sandte ihm der japanische Kultusminister, der in Deutschland studiert hatte, um 1900 ein wertvolles Schwert. Sein Erziehungsprinzip formulierte Langermann in knappen Thesen: “Nicht Stoffanhäufung — sondern Kraftentwicklung; nicht Wissen — sondern Können; nicht Zwang  — sondern freies, freudiges Wollen;
nicht Konkurrenz — sondern Ergänzung; nicht Isolierung — sondern organische Eingliederung; nicht Lernen zu Prüfungszwecken — sondern Erleben zum Zweck des Lebens.“

Langermann bekam nach 1906 die Möglichkeit, seine Ideen in Darmstadt (Stein-Fichte-Schule) und Oberstdorf (Stillach-Schule) zu verwirklichen. Er starb am 28. Juli 1923 und wurde in Lüdenscheid beigesetzt, wo ihm der Westfälische Lehrerverein zu seinem 100. Geburtstag 1948 auf dem Bergfriedhof ein Grabmal errichtete.

Im Vorfeld des 150. Geburtstages des Barmer Verschönerungsvereins haben 2014 Mitglieder des Reservistenverbandes neben anderen Denkmälern auch den Gedenkstein für Johannes Langermann gereinigt.

Der Langermann-Gedenkstein ist eines von vielen Denkmälern in den Barmer Anlagen, die gestiftet wurden und um deren Erhaltung und Pflege sich der BVV mühevoll kümmert.

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