Erinnerungskultur

In über 156 Jahren haben zahlreiche Menschen für den Barmer Verschönerungsverein gearbeitet, oft ehrenamtlich und durch den Einsatz ihrer Freizeit und im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten. Ohne diese Personen wären die Barmer Anlagen nicht der zweitgrößte Park Deutschlands in bürgerschaftlichem Besitz und in einem trotz knapper Geldmittel bemerkenswert gutem Zustand.

In den ersten Jahren nach 1864 wurden den Vorsitzenden Denkmäler gewidmet, um deren Wirken über den Tod hinaus zu würdigen und die Erinnerung zu bewahren. Später wurden den Nachfolgern, weiteren Vorstandsmitgliedern und Förderern Wege, Plätze und Bänke gewidmet.

Die Biografien dieser Vorbilder blieben oft im Dunklen, wenn sie nicht aus anderen Gründen und wegen anderer Verdienste dokumentiert wurden. Dadurch gerieten viele verdiente Mitbürger in Vergessenheit.

Einer Anregung von Bernd Lamprecht, dem Vorsitzenden der Johann-Victor-Bredt-Gesellschaft mit inhaltlicher und technischer Unterstützung von dem Engagementförderer/ Andreas Romano Kath. Kirchengemeinde St. Antonius und Pate für Robert Barthels folgend, wurde am 5. Oktober 2020 im Barmer Verschönerungsverein unter dem Titel „Erinnerungskultur“ eine Kommission gegründet, die sich umfangreiche Recherchen vorgenommen hat. Vorsitzender der BVV-Kommission ist unser Vorstandsmitglied Klaus-Günther Conrads. (Es werden übrigens noch weitere Paten zur Mitwirkung gesucht. Interessierte können sich sehr gerne in der Geschäftsstelle des Barmer Verschönerungsverein melden.)


Nachfolgend beginnen wir damit Ihnen einige der Persönlichkeiten vorzustellen.
Weitere werden folgen. Seien Sie gespannt.

Barmer Köpfe - BVV Vorsitzende

Werlé, Wilhelm (Der erste Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Schüller, Otto (Der zweite Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Barthels, Robert (Der dritte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Budde, Otto (Der vierte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Neumann, Paul (Der fünfte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Vorwerk, Wilhelm (Der sechste Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Plutte, Ernst-Günter (Der siebte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Jung, Dieter (Der achte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein)

Barmer Köpfe

Bredt, Wilhelm August

Dörpfeld, Friedrich Wilhelm

Hofmann, Rüdiger

Ibach, Rudolph

Janssen, Heinrich

Langermann, Johannes

Langlie, Carsten

Luhn, Pauline

Muckenhaupt, Peter

Ringel, Ludwig

Röhrig, Emil

von Eynern junior, Friedrich


Videoimpuls der Erinnerungskommission

des BVV finden Sie hier:

Video über Beate Bremme

Video über Willibrord Lauer

Video über Pauline Luhn

Video über Wilhelm August Bredt

Video: Beate Bremme begrüßt vom Balkon der Concordia aus Wuppertal

Video: Eine Kutschfahrt zu den Barmer Anlagen mit Klaus-Günther Conrads, R. Barthels und OB W. A. Bredt


Barmer Köpfe - BVV Vorsitzende

Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der erste Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Wilhelm Werlé

Ein Leben für Licht und frische Luft

Ein Stück Barmer Stadtgeschichte hat Wilhelm Werlé mitgestaltet. Seinen Verdiensten gemäß wurde ihm in Heckinghausen eine Straße gewidmet und der Barmer Verschönerungsverein stiftete ein Denkmal in den Anlagen. Wilhelm Werlé wurde am 26. September 1804 in Wetzlar geboren. 

1846 gründete er in seiner zweiten Heimat die "Barmer Gaserleuchtungsgesellschaft" und leitete sie auch nach Besitzübernahme durch die Stadt Barmen. In der "Deputation der Aktionäre der Bergisch-Märkischen Eisenbahn" übte er den Vorsitz aus. Politische Aktivitäten entfaltete er als Mitglied der Barmer Stadtverordnetenversammlung (1846-75), Beigeordneter (1840-46), Deputierter des Frankfurter Vorparlamentes (ab 1848) und liberales Mitglied im preußischen Abgeordnetenhaus (1856-62). Humanitäre Hilfe leistete er mit seinem sozialen Gewissen in der Armenverwaltung und im Vorstand der "Anstalt für verlassene Kinder", die ihr Domizil auf dem Grundstück des späteren Altenheimes an der Oberen Lichtenplatzer Straße hatte. Der Barmer Verschönerungsverein erinnert sich gerne an seinen ersten Vorsitzenden. Wilhelm Werlé gründete am 8. Dezember 1864 gemeinsam mit zwölf Barmer Fabrikanten und Kaufleuten (Barmens Oberbürgermeister Wilhelm August Bredt, Friedrich von Eynern jr., Robert Barthels, August Engels, Emil Blank (stellv. Vorsitzender), Johann Wilhelm Fischer (Kassierer), Oskar Schuchard, Carl Theodor Rübel, Friedrich Wilhelm Ostermann, Adolf Schlieper, Emil Wemhöner, Karl Wolff) eine der ersten Bürgerinitiativen "pro Natur".

Vorgeschichte

Wie in manchen größeren Städten, so nimmt auch in der Industriestadt Barmen die Liebe zur schönen Gartenkunst in jedem Jahre einen erfreulichen Aufschwung. Ein sichtliches Zeichen hiervon geben die öffentlichen Anlagen bzw. die Anlagen des Verschönerungsvereins. Im Anfang der 1830er Jahre siedelte sich ein Bürger in dem im Süden der Stadt auf den Höhen gelegenen Barmer Wald an. Er rodete einen kleinen Teil des Waldes aus und begann Ackerwirtschaft. Nach und nach wurden durch die Stadt weitere Strecken urbar gemacht, um Arbeitslosen Beschäftigung zu verschaffen. Diese von Wald und Buschwerk gesäuberte Strecke gab dem Herrn Wilhelm Werlé den Gedanken ein, dort den Anfang der Verschönerungsanlagen zu machen. Wenn auch dieser Plan anfangs mit Achselzucken und Lächeln aufgenommen wurde, ließ sich Wilhelm Werlé doch nicht beirren und brachte durch die Unterstützung seiner Freunde und Mitbürger dahin, dass sein Plan allmählich überall reges Interesse fand. Die Gründung eines Verschönerungsvereins für Barmen wurde in einer Versammlung am 8. Dezember 1864 einstimmig beschlossen und Herrn Werlé das Amt eines ersten Vorsitzenden des Vereins übertragen.

Erst der Tod stoppte 1880 seinen Tatendrang für die Schaffung der Grünflächen und des Waldes im Barmer Süden - just zu einer Zeit der Frühindustrialisierung, als Fabriken und Wohnhäuser freie, grüne Flächen immer mehr aus der Stadt verdrängten und es für die Menschen kaum Erholungsraum gab. In seiner Amtszeit wurden die unteren Anlagen von Wiesen, Gestrüpp und Felsen in eine Parklandschaft umgewandelt und dem BVV 1873 die Rechte einer juristischen Person (mangels Vereinsregister) verliehen. Oberhalb des ehemaligen Schwanenteiches fand ein Denkmal zu Ehren Werlés seinen Standort, das am 21. August 1881 enthüllt wurde. Es war bereits zu Lebzeiten Werlés (Tod am 28.08.1880) geplant worden. Die überlebensgroße Marmorbüste steht auf einem zwei Meter hohen Sockel, geschaffen von dem Berliner Bernhard Afinger. Das als Einfassung gedachte kunstvolle Eisengitter ging im Zweiten Weltkrieg verloren.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der zweite Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Schüller, Otto

Uneigennützige Arbeit im Dienste der Gesellschaft

Das zu seinen Ehren 1902 in den unteren Barmer Anlagen errichtete Denkmal ist leider nicht mehr vorhanden und an seine Ehrenbürgerwürde erinnern sich Menschen eher selten. Selbst die nach ihm benannte „Ottostraße“ wird ihm nicht zugeordnet, weil nur sein Vorname genannt ist. 

Allerdings hat die Bezirksvertretung Heckinghausen dafür gesorgt, dass das Straßenschild ergänzt wurde. Gemeint ist Otto Schüller, der von 1829 bis 1899 gelebt hat.

Familie Schüller wohnt noch heute im Stammhaus in der Reichsstraße 42. Die Firma ist durch die Bergisch-Märkische Eisenbahn überbaut worden.

In ihrem Standardwerk „Denkmäler, Brunnen und Plastiken in Wuppertal“ zitiert Ruth Meyer-Kahrweg aus früheren Medien:

Otto Schüller wurde am 5. Oktober 1829 in Barmen geboren. Zu seinem Tod im 80. Lebensjahr am 30. November 1899 erschien dieser Nachruf: „Der Verstorbene ... hatte sich dem Kaufmannsstande gewidmet und war Chef des bedeutenden Commissions- und Exportgeschäftes, welche seine Firma trägt. Im Jahre 1867 zum Stadtverordneten gewählt, wurde er in der Sitzung vom 20. April 1869 gemeinsam mit Otto (Vorname Hugo ist falsch) Jäger, der ebenfalls Ehrenbürger der Stadt Barmen war, im Frühling 1896 aber bereits verstorben ist, einstimmig zum Beigeordneten gewählt. Die Amtseinführung fand am 6. Juli 1869 statt. In der Sitzung vom 28. März 1899 hatten die Stadtverordneten beschlossen, das Entlassungsgesuch zu genehmigen und Schüller einstimmig zum Ehrenbürger Barmens zu ernennen. Besonders große Verdienste hat sich Schüller um den Barmer Verschönerungsverein erworben, dem er seit seiner Gründung 1864 angehörte und dem er viele Jahre als Vorsitzender vorstand. Sein Name ist mit dem Emporblühen unserer herrlichen Anlagen aufs innigste verwachsen. Der König ehrte des Dahingeschiedenen Verdienst durch Verleihung des Rothen Adlerordens vierter Klasse und des Kronenordens 3. Klasse.

In einer Serie der „Bergischen Blätter“ über Wuppertaler Bürgerdenkmäler hat Rüdiger Steiner neben anderen Personen auch Otto Schüller porträtiert:

Für das Gemeinwohl

Otto Schüller war Inhaber und Leiter des „Commissions- und Exportgeschäftes Schüller“. Seit 1867 übte er das Amt des Stadtverordneten und seit 1869 auch das des Beigeordneten in Barmen aus. Ebenso lange saß er im Vorstand des Barmer Verschönerungsvereins, dessen Vorsitz er 1880 bis 1899 ausübte. Wegen dieses langjährigen (und unbesoldeten) Einsatzes für die Allgemeinheit wurde ihm wenige Monate vor seinem Tod die Ehrenbürgerwürde der Stadt Barmen verliehen. Er war auch Träger „hoher Orden“.

Denkmal

Den Anstoß für das nicht mehr vorhandene Denkmal gab Hugo Hoesch, ein ebenfalls 1899 verstorbenes Vorstandsmitglied des Barmer Verschönerungsvereins. Er vermachte dem Verein 9.000 Mark mit der Auflage, davon 3.000 Mark zum Andenken Schüllers in Form einer Büste, eines Bildes oder eines Denkmals zu verwenden. Den fehlenden Betrag zu den Denkmalkosten von 4.000 Mark brauchten vermutlich andere Vereinsmitglieder auf. Mit der Anfertigung der Büste wurde der seit 1895 an der Barmer Werkkunstschule lehrende Bildhauer Wilhelm Giesecke beauftragt, der bereits zwei Jahre vorher die Büste für das Heinrich-Eisenlohr-Denkmal, das sich in den Unterbarmer Anlagen westlich der Oberbergischen Straße befindet, geschaffen hatte. Das Postament aus weißem Seyenit lieferte Stein- und Bildhauer Adolf Böckler.

Büste

Die Schüller-Büste aus weißem Carrara-Marmor war leicht überlebensgroß und ruhte auf einem etwa zwei Meter hohen Sockel aus schlesischem Marmor. Sockel und Büste enthielten mit ihrer vereinfachenden und dynamisierenden Gestaltung Anklänge des Jugendstils. Die eingemeißelte Inschrift lautete: „Otto Schüller, Ehrenbürger der Stadt Barmen, Vorsitzender des Verschönerungs-Vereins von 1880-1899“.

Seinen Abschluss fand das Denkmal durch einen runden Unterbau mit einem dekorativen Eisengitter, das nach dem Zweiten Weltkrieg mehrfach beschädigt und schließlich zerstört wurde.

Vermächtnis

Bei der Enthüllung der Büste am 28. April 1902 würdigte der Barmer Oberbürgermeister Dr. August Lentze Otto Schüllers Verdienste für die Barmer Anlagen und die Stadt Barmen. Sein Plädoyer kann stellvertretend für fast alle Bürgerdenkmäler gelten: „Möge das Bildnis von Otto Schüller einen jeden der zahllosen Besucher unserer Anlagen es zu Bewusstsein bringen, dass hier alles aus Bürgersinn und uneigennütziger Arbeit im Dienste der Gesamtheit geschaffen ist, möge sein Anblick einen jeden zu ähnlichem Thun begeistern und vor allen Dingen die kommenden Geschlechter anfeuern, es ihm gleich zu tun, in der selbstlosen Arbeit und Sorge für das gemeine Wohl!“

Kopf ab! Weg damit!

Leider haben öffentlich aufgestellte Vorbilder nicht immer Bestand, den sich ihre Initiatoren wünschen. 1945/6 schlugen Unbekannte den Kopf von der Büste ab und warfen ihn in einen nahe gelegenen Teich, wo er erst im August 1953 bei einer Entschlammung wiedergefunden wurde. Im April 1957 ist die Büste abermals vom Sockel gestürzt worden. 1968 formte das Vereinsmitglied Otto Pieper, Mitarbeiter von Vorwerk & Sohn, nach Resten des zerstörten Kopfes eine neue Büste, die auf dem alten Sockel montiert wurde. Nach erneuter Beschädigung zog der Verschönerungsverein das Denkmal 1983 Jahre endgültig ein.

In der Traueranzeige für Otto Schüller wurde sein 19 Jahre währendes Engagement als BVV-Vorsitzender hervorgehoben: hervorragend, kraftvoll. „Unter seiner Führung wurde ein großer Teil der herrlichen Anlagen geschaffen, für deren Weiterentwicklung er stets bereit war, seinen persönlichen Einfluss nach jeder Richtung geltend zu machen.“

Die Familien Schüller und Toelle sind durch Heirat miteinander verwandt.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der dritte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Barthels, Robert

Robert Barthels gehörte zu den Männern der ersten Stunde für die Barmer Anlagen

Robert Barthels wurde am 21. August 1836 geboren und lebte bis zum 9. März 1913. Er gründete am 8. Dezember 1864 den Barmer Verschönerungsverein mit und war bis 1888 Vorstandsmitglied. Anschließend wählten ihn die BVV-Mitglieder zum Schatzmeister.

Die Chronik war ihm eine Herzensangelegenheit. In der Galerie der bisher neun Vorsitzenden rangiert Robert Barthels an dritter Stelle: vom 30. November 1899 bis zu seinem Tod am 9. März 1913. Seine Erinnerung bewahrt der Verschönerungsverein im „Barthelsweg“, der in Form einer Allee angelegt wurde und vom Emil-Röhrig-Platz westwärts verläuft.

Concordia

In der 1801 gegründeten Barmer Gesellschaft „Concordia“ war Robert Barthels von 1875 bis 1883 Mitglied und Vorstand, von 1883 bis 1885 Direktor.

Barthels-Feldhoff immer ohne Robert Barthels

Durch eheliche und wirtschaftlich-finanzielle Verbindungen beider Familien ist das Unternehmen Barthels-Feldhoff entstanden. Der Großvater von Robert Barthels, Johann Matthias Barthels, hat Beatrix Feldhoff geheiratet und verschiedene Tätigkeiten in der schwiegerväterlichen Firma in Elberfeld übernommen. Sein Sohn Philipp hat auch in die Familie Feldhoff eingeheiratet.

Er war verheiratet mit Simonette Feldhoff.

Die Brüder Philipp Barthels (1794-1874) und Carl Barthels (1799-1866, Heirat mit Adelina von Eynern) haben 1829 die gemeinsame Eisengarn herstellende Firma Barthels mit finanzieller Unterstützung der Familie Feldhoff gegründet und der neuen Firma den Namen Barthels-Feldhoff gegeben.

1862 wurde die Firma vergrößert. In Derschlag/Gummersbach entstand eine neue Fabrik (Baumwollspinnerei). Die Leitung übernahm Carl Barthels unter dem Namen Barthels & Söhne. Seine Söhne Robert (21. August 1836 bis 6. September 1877) und Carl Hugo (1834-1909) haben die neue Firma mitgeleitet und später übernommen.

Neben der unternehmerischen Tätigkeit hat sich Robert Barthels gesellschaftspolitisch engagiert, so in der Gesellschaft Concordia und im Barmer Verschönungsverein.

Die Firma Barthels & Söhne gibt es heute nicht mehr. Die Firma Barthels-Feldhoff besteht noch heute an der Brändström- und Garnstraße, auf historischer Fläche auf dem Wupperfeld, wo einst der „Wupperhof“, einer der frühesten Höfe Barmens („Beyenburger Amtsrechnung“ von 1466), gestanden hat und wurde ab 1862 von dem Vetter von Robert Barthels (Kommerzienrat Philipp Barthels) weitergeführt.

Das repräsentative Wohnhaus der Familie Barthels an der Berliner Straße 100 wurde zur Friedrich-Engels Allee 384 transloziert und bildet zusammen mit den Engelshäusern an der Engelsstraße ein Ensemble.

In der BVV-Kommission „Erinnerungskultur“ hat Andreas Romano die Patenschaft übernommen und tritt gelegentlich als „Robert Barthels“ auf.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der vierte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Textilfabrikanten und Förderer – Otto Budde Senior und Junior

In der Barmer Familie Budde war der Vorname Otto obligatorisch. Eigentlich handelte es sich nur um den dritten Vornamen nach Ernst Wilhelm, der jedoch zum Rufnamen wurde. Otto Budde und sein Sohn waren Besitzer der Stückfärberei Budde & Müller bzw. Otto Budde & Co.

Foto: Familienarchiv

Der Senior lebte vom 12. Oktober 1834 bis 10. August 1905. Der Junior wurde am 3.3.1868 geboren und verstarb am 7.7.1936. Von 1913 bis 1932 war Letzterer der vierte Vorsitzende von bisher neun des Barmer Verschönerungsvereins. Otto Budde sen. hatte die 1885 eingeweihte „Budde-Treppe“ am unteren Ende der Eichenallee zwischen dem oberen Teil der Barmer Anlagen und dem Ringeltal, die später durch eine Fußgängerbrücke über die stark befahrene Untere Lichtenplatzer Straße ersetzt wurde, gestiftet. 1931 wurde die Eichenallee, deren Neupflanzung von 1995 bis 1998 erfolgte, nach Otto Budde jun. benannt.

 

In leitender Funktion

1865 beschloss der geheime königliche Kommerzienrat Wilhelm Meckel, auf seinem Fabrikareal im sogenannten Bezirk Springen in der später nach ihm benannten Meckelstraße eine Stückfärberei für halbwollene und baumwollene Breitgewebe einzurichten. Damals waren im Tal bestehende Futterstoff-Webereien sehr erfolgreich. Nachdem der vorherige kaufmännische Leiter der Zeche „Margarete“ in Bochum, Otto Budde sen., die kaufmännische und Hermann Müller die technische Leitung übernommen hatten, nannte Meckel das neue Unternehmen „Budde & Müller“. Nach dem Rückzug von Hermann Müller blieben der später Königlich preußische Kommerzienrat Otto Budde sen. zunächst als Mieter und Geheimrat Meckel als Grundstückseigner und stiller Gesellschafter dem Unternehmen treu.

Aufgeschlossenheit und Fortschrittlichkeit

Trotz zunächst fehlender Sachkenntnis auf dem Gebiet der Färberei zeigte Otto Budde sen. Verständnis und große Aufgeschlossenheit für technische Neuerungen. Er stellte als erster

Betrieb in Wuppertal in Zusammenarbeit mit der AEG den Antrieb der Maschinen von ortsansässigen Dampfmaschinen auf Elektromotoren um. Durch seine persönlichen Beziehungen zu leitenden Persönlichkeiten der deutschen Post bekam die Firma

Budde & Müller als Firmentelefon die Nummer „1“ im ersten Telefonnetz der Stadt Barmen.

Die Marke „Zanella“

1885 trat Rudolf Ziersch nicht in die väterliche Türkischrot-Färberei Ziersch & Neuhoff ein, sondern zusammen mit seinem Schulfreund Otto Budde jun. in den Betrieb Budde & Müller

Im Springen. In dieser Zeit produzierte die Firma begehrte Futter-, Steppdecken- und Schuhstoffe, die aus Baumwollkette und Kammgarnschuss bestanden und unter dem Namen „Zanella“ bekannt wurden.

1895 wurde Rudolf Ziersch durch eine Kapitaleinlage Mitinhaber, sodass Otto Budde sen. 1896 den Betrieb von der Witwe des Geheimrats Meckel käuflich erwerben konnte.

Absprachen unter Wettbewerbern

Im selben Jahr änderte die Stückfärberei und Appreturanstalt ihren Namen in Otto Budde

& Co. Schon 1894 war Otto Budde sen. ein Vertrag mit vier Barmer Konkurrenten gelungen,

in dem feste Preise vereinbart worden waren, die sogenannte Färberkonvention. Trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten im und nach dem Ersten Weltkrieg ging es der Firma bis zum Ende der 1920er Jahre überwiegend gut.

Trennung

Anfang der 1930er Jahre kam es zu nicht lösbaren Unstimmigkeiten zwischen den Teilhabern

Otto Budde jun. und Rudolf Ziersch, sodass eine Trennung unausweichlich wurde. Die Firma

Otto Budde & Co. verblieb in den Händen der Familie Ziersch und entwickelte sich in den folgenden Jahren zum Unternehmen Wuppertaler Textilveredlung Rudolf Ziersch Söhne KG.

Prinzipal alten Schlags

Otto Budde sen. galt als ein Original alten Schlags, eine robuste Unternehmerpersönlichkeit mit Durchsetzungsvermögen. Über diesen Patriarchen kursierten zahlreiche Geschichten. Pünktlichkeit und Disziplin am Arbeitsplatz galten ihm als oberstes Prinzip und so brachte er das junge Unternehmen schnell zu Ansehen und Erfolg.

Aufgrund seiner Korpulenz hatte er an seiner Kalesche, eine leicht gebaute Kutsche, ein besonders verstärktes Trittbett anbringen müssen. Um sein Gewicht zu reduzieren befand sich im Vorzimmer seines Privatbüros ein Gerät in Form eines elektrisch betriebenen Pferds, auf dem er täglich in den Arbeitspausen seine Übungen verrichtete.

Nachfolger und Mäzen

Otto Budde jun. sah dem Vater zwar sehr ähnlich, galt seinem Wesen nach jedoch als weitaus verbindlicher. Früh wurde er auf die Nachfolge vorbereitet und trat 1889 als Prokurist in die Firma Budde & Müller ein.

Der Junior galt als hochmusikalisch und widmete sich in seiner Freizeit dem Klavierspiel.

Lange Jahre hatte er das Amt des ersten Vorsitzenden der Barmer Konzertgesellschaft inne,

die er mit Geschick und Sachkenntnis leitete. Er war verantwortlich für die Symphonie- und Chorkonzerte, die im großen Saal der Gesellschaft Concordia stattfanden und über die Grenzen Wuppertals hinaus bekannt wurden. Zu bekannten Dirigenten und Sängern unterhielt er persönliche Beziehungen und fungierte anlässlich von Konzerten als Gastgeber

in seinem Haus in der Ottostraße 5, direkt an den Anlagen des Barmer Verschönerungs-

vereins gelegen. Manche Musiker hatten ihm viel zu verdanken. Als Mäzen im wahrsten Sinne des Wortes war er mit seiner verbindlichen Art und der obligatorischen Blume im Knopfloch – meist eine weiße Nelke – bekannt und geachtet.

Verheiratet war Otto Budde jun. mit Elisabeth Wegner, Tochter des damaligen Barmer Oberbürgermeisters Friedrich Wilhelm Wegner. Sohn Kurt, der zweiälteste von vier Söhnen,

erbte die Musikalität des Vaters, wurde Komponist, Dirigent und später Dozent an der „Staatlichen Musikhochschule“ in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof an der

Lüttringhauser Straße in Ronsdorf.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der fünfte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Neumann, Paul

Interessenvertretung in nationalsozialistischer Zeit

Paul Neumann wurde am 2. November 1867 in Barmen geboren. Während seiner Berufstätigkeit hat er in der Lortzingstraße 36 gewohnt. Im BVV-Archiv befinden sich Hinweise, dass Paul Neumann einen Sohn mit gleichem Vornamen und eine Tochter hatte, bei der er seinen Lebensabend in Weinheim an der Weinstraße verbrachte.

Gestorben ist er nach einem erfüllten Leben am 10. Februar 1958 in Herchen an der Sieg. Die Trauerfreier für Paul Neumann sen. fand am 14. Februar 1958 in der Kapelle des Unterbarmer Friedhofes statt.

Im Barmer Wald ist zwischen Lönsstraße und dem ehemaligen Königshof ein Weg nach Paul Neumann benannt.

Paul Neumann sen. war von 1901 bis 1945 Mitglied im Barmer Verschönerungsverein. Von 1933 bis 1945 wirkte er als fünfter erster Vorsitzender. Es war die Zeit des Nationalsozialismus bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges – eine schwierige Zeit, in der von Parkpflege keine Rede sein konnte und jüdische Mitglieder von den Nazis nicht akzeptiert wurden! Von 1928 bis 1933 war er zweiter Vorsitzender. In ihrem Nachruf erinnerten die Vorstände Wilhelm Vorwerk, Hermann Engemann und Willibrord Lauer, dass sich der Verstorbene, seit 1957 Ehrenmitglied, tatkräftig um die Belange des gemeinnützigen Vereins gekümmert und den BVV gefördert hat: „Auch nach seinem kriegsbedingten Fortzug (Ausbombung) nach Herchen an der Sieg und der dadurch bedingten Niederlegung des Vorsitzes (in einer Zeit der Vakanz mit der Nachfolge durch Wilhelm Vorwerk war der BVV kurz geschäftsunfähig) nahm er regen Anteil an der Wiederaufbauarbeit in den Barmer Anlagen. Noch zu seinem 90. Geburtstag hat er seine Anhänglichkeit durch eine hochherzige Stiftung zum Ausdruck gebracht.“

Fabrikant Paul Neumann sen. war Mitinhaber der Breitweberei Neumann & Büren. Seit 1890 arbeitete der in Barmen Geborene in dem von seinem Vater 1864 gegründeten Unternehmen, dessen Fabrikationsanlagen in Langenfeld-Immigrath Futterstoffe herstellten. Er hat die Firma mit Sitz in der Friedrich-Engels-Allee 102/106 zu einem bedeutenden Unternehmen dieser Branche emporgeführt. Nach der Ausbombung am 30. Mai 1943 zog sich Paul Neumann aus dem Wirtschaftsleben zurück und siedelte nach Weinheim an der Bergstraße um. Kaufmännischer Weitblick, umfassendes fachliches Können, vorbildliches Pflichtgefühl und eine gute Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitern haben zum Aufstieg des Unternehmens in wechselvollen Zeiten beigetragen.

In einem Schreiben vom 22. August 1957 teilt Carl Neumann dem BVV-Vorstand mit, dass seine Firma P.C. Neumann GmbH nach Frankenberg/Eder verlegt hat und deshalb die Mitgliedschaft beenden will. Im gleichen Schreiben protestiert er gegen den schlechten Zustand im oberen Bereich der Anlagen.

Er hat in jüngeren Jahren zahlreiche Ehrenämter bekleidet. So war er Vorsitzender des Deutschen Futterstoffverbandes in Elberfeld, Vorsitzender des Dampfkessel-Überwachungsvereins und später Vorstandsmitglied des Technischen Überwachungsvereins in Köln. Er gehörte auch dem Vorstand der Vereinigten Evangelischen Kirchengemeinde Unterbarmen an und war 1912-13 Kirchmeister.

Paul Neumann jr. hat in der Hohenzollernstraße 8 gewohnt.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der sechste Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Vorwerk, Wilhelm

Fabrikant, Standesvertreter und Vater des Barmer Verschönerungsvereins

Der Name Vorwerk ist jedem Wuppertaler selbstverständlich und vielen Deutschen wahrscheinlich ein Begriff. Zwei große Unternehmen tragen diesen Familiennamen: (Electro-) Vorwerk und Co, die Firma mit dem Kobold-Staubsauger, und Vorwerk & Sohn (Certoplast).

 

Einst im nahen Schwelm, dem heute "Vörfken" genannten Hof beheimatet, siedelten Familienangehörige ins Wuppertal über. Das Wupperfeld war die erste Station und später entstand im Bereich des Kleinen Werthes, Bach- und Kohlgartenstraße ein großes Vorwerk-Imperium. Electro-Vorwerk siedelte zum Mühlenweg um und die Textilfabrikation von Vorwerk & Sohn wurde zunächst teilweise in ein neues Werk auf dem Lichtenplatz verlegt. Später kehrten die Textilmaschinen noch einmal zurück und schufen Platz für die Gummiherstellung.

Der Name Vorwerk ist dank eines Familiensprosses (Adolf) mit vielen Ereignissen im Süden der Stadt untrennbar verbunden: Barmer Bergbahn, Luftkurhaus, Turmbahn, Besiedlung der Südhöhen. Sein Sohn Wilhelm setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) für die Erhaltung der Parklandschaft ein.

Wilhelm Vorwerk wurde am 13. Januar 1889 als zweiter von drei Söhnen Adolf Vorwerks geboren. Nach einer gründlichen Ausbildung trat er in die 1827 gegründete Firma Vorwerk & Sohn ein und widmete sich besonders dem vor der Wende zum 20. Jahrhundert errichteten Gummiwerk. Nach dem Zweiten Weltkrieg trieb Wilhelm Vorwerk gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder und den Mitarbeitern den Wiederaufbau voran, auch in Fulda, wo Deutschlands modernste Reifenfabrik entstand, die später an Goodyear verkauft wurde. Weltweite Bedeutung erlangte auch das Wuppertaler Unternehmen zurück. Den forstschrittlichen Gedanken Vorwerks folgend, wurde das in der Barmer City gelegene Textilwerk nach Schwelm verlegt.

Trotz seiner vielfältigen betrieblichen Bindungen engagierte sich Wilhelm Vorwerk in Unternehmerorganisationen und zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger. Unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches betrieb er die Wiedervereinigung von Arbeitsgeberverbänden als Gesprächspartner für die Gewerkschaften, zunächst gegen den Widerstand der damaligen Besatzungsmacht. Triebfeder war die Überzeugung von einer notwendigen, verantwortungsbewußten Zusammenarbeit zwischen den Tarifvertragsparteien. Ein Ergebnis waren die "Hattenheimer Gespräche", die wertvolle Anregungen für die bundesdeutsche Sozialpolitik gaben. Mitglied der Industrie- und Handelskammer war Vorwerk bereits 1929 geworden, seit 1933 deren Vizepräsident. Das 1942 abgebrochene Engagement setzte er 1945 als Vorsitzender fort und verwirklichte die Neuorganisation auf Landes- und Bundesebene. Die hohe Wertschätzung Vorwerks drückte sich unter anderem 1956 in der Wahl zum Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages aus.

Für seine Vaterstadt engagierte er sich im besonderen Maße als Vorsitzender des Barmer Verschönerungsvereins. Er setzte ab 1945 Mitarbeiter ein, die die im Krieg zerstörten Barmer Anlagen rekultivierten, auf seine Lohnliste. Er stellte Geräte zur Verfügung, kaufte das inzwischen veräußerte Haus Dahl und managte die Neugestaltung und Pflege dieser zweitgrößten privaten Parkanlage Deutschlands. Anläßlich der letzten Fahrt der Barmer Bergbahn, von seinem Vater Adolf 65 Jahre zuvor initiiert, hielt Wilhelm am 4. Juli 1959 neben dem Bergbahnhof eine flammende, aber erfolglose Rede gegen die Stillegung.

Mit Wilhelm Vorwerk starb am 4. November 1967 ein Mann mit Verantwortungsbewußtsein, Blick für das Praktische, Aufgeschlossenheit für neue Ideen und liebevoller Hingabe zur Natur. Am Höhenweg des Barmer Waldes, an der Bredthöhe, ist 1971 für ihn eine schlichte Gedenkstätte errichtet worden.

Literaturhinweis:

Jubiläumsschrift "100 Jahre Vorwerk & Sohn" (1827-1927).

Wilhelm Vorwerk, Porträt in "Wuppertaler Biographien, 11. Folge", Born-Verlag.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der siebte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Plutte, Ernst-Günter

BVV-Vorsitzender aus Leidenschaft

Im Jahr des 125jährigen Bestehens des Barmer Verschönerungsvereins feierte der als konservativ geltende Ernst-Günter Plutte 1989 sein silbernes Jubiläum 25 Jahre Vorstand des 1864 gegründeten Vereins. Damals war er 22 Jahre Vorsitzender. Eine beeindruckend lange Zeit, wenn man bedenkt, dass dies beileibe nicht seine einzige Beschäftigung war.

 

 

Beruf und Ehrenamt

Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Textilfirma Peter August Lückenhaus („Plutina“) war er über Jahre Präsident des Verbandes Gesamttextil und Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und arbeitete in einer Reihe von Beiräten und Kuratorien mit. Er wurde wegen seiner großen Sachkunde in wirtschaftlichen und sozialpolitischen Fragen sehr geschätzt. Er erhielt 1986 aus den Händen von Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher das große Verdienstkreuz zum Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Nachdem er sein Präsidentenamt bei Gesamttextil abgegeben hatte, konnte er sich dem Verschönerungsverein intensiver widmen.

Ernst-Günter Plutte war gerne Vorsitzender des Barmer Verschönerungsvereins! Ihn reizte, Einfluss auf die Gestaltung der Barmer Anlagen, „Barmens grüne Lunge“, nehmen zu können.

Vor der Pleite gelang ein großer Wurf

Der Einstieg von Ernst-Günter Plutte in das Amt des BVV-Vorsitzenden 1967 war nach dem Tod von Wilhelm Vorwerk alles andere als gemütlich, denn der Verein war finanziell nahezu handlungsunfähig. Vermögen, das durch den Verkauf des ehemaligen Stadthallengrundstückes an die Barmer Ersatzkasse (Einweihung 1956, heute Standort des Wupperverbandes) in der Nachkriegszeit angesammelt worden war, war fast aufgezehrt. Es fehlte sogar das Geld für den Etat 1968. Die finanzielle Sanierung war folglich das Gebot der Stunde. Plutte leistete eine „großen Wurf“! Zum Besitz des Verschönerungsvereins gehörte in jenen Jahren noch das Gartenland an der Dickmannstraße, für das noch kein Bebauungsplan ausgewiesen war. Plutte suchte die Kooperation mit der Stadt Wuppertal und erreichte, dass die Grundstücke bebauungsfähig wurden, in dem er den damaligen Baudezernenten Prof. Friedrich Hetzelt und Oberstadtdirektor Werner Stelly von seinen Plänen überzeugte. Durch den Verkauf des Geländes erzielte der BVV ein Vermögen, das man fest anlegte und die Zinserträge lange nutzen konnte, um Engpässe zu überbrücken.

Jeder Baum ist wichtig!

In den Nachkriegsjahren bestand in den Barmer Anlagen großer Nachholbedarf, teilweise mussten Kriegsschäden beseitigt werden und die planmäßige Waldpflege stand auf der To-Do-Liste. Deshalb wurde der BVV als zweitgrößter Waldbesitzer, nach der Stadt, Mitglied der Forstbetriebsgemeinschaft, einem Zusammenschluss von Waldbauern und der Stadt für Aufforstung und Waldpflege. Pluttes Verbundenheit mit den Anlagen und persönlicher Anspruch: „Es wird kein größerer Baum abgeholzt, ohne dass ich ihn vorher gesehen habe.“ Er spazierte

von seinem Wohnhaus, einer repräsentativen Villa, am Ende des Brucknerweges, beinahe täglich durch die Anlagen. Einem Briefkopf von 1967 zufolge hat er vorher in der Schubertstraße 10a gewohnt.

Verhinderter Forstmeister

Gelegentlich bezeichnete sich Ernst-Günter Plutte als „verhinderten Forstmeister“. Der auf dem Grundstück der Familie Plett und des Hauses Panorama angelegte Panoramaplatz wurde nach seinem Konzept als großzügige Grünanlage geschaffen. Der Panoramablick auf Barmen war bald, nachdem die Bäume hoch gewachsen sind, verschwunden. Ein zu Rast und Muße einladender Platz, der nach seinem Schöpfer „Plutteplatz“ genannt wurde, ist geblieben.

Anlässlich seines 65. Geburtstages wurden auf dem Panoramaplatz zwei große Felsstücke aus Grauwacke aufgestellt. Inschrift: E.-G. Plutte 24.2.1981. Dazu pflanzte man eine Stieleiche, die sich gut entwickelt hat. Über diese besondere Auszeichnung hat sich Ernst-Günter Plutte sehr gefreut, weil sie sein Ansehen ausdrückte und die Wertschätzung spiegelte. Zum 75. Geburtstag wurde nebenan ein Weg nach Ernst-Günter Plutte benannt.

Erfolgreiche Bilanz wir großartiges Wirken

Ernst-Günter Plutte blickte optimistisch in die Zukunft des BVV: „Wir haben tüchtige Leute im erweiterten Vorstand.“ Der siebte erste Vorsitzende wurde am 24. Februar 1916 geboren und starb am 27. Oktober 2005. Vorsitzender war er von 1967 bis 1992. Ein Waldweg wurde 1991 nach ihm benannt, der ehemalige Panoramaplatz 1992. Zur Erfolgsgeschichte gehört neben dem 125jährigen Jubiläum die erfolgreiche Sanierung des Toelleturms, für dessen Grunderneuerung rund eine Million Mark erbettelt wurden. Dr. Hans-Joachim Vits, Pluttes Wegbegleiter im BVV-Vorstand, erinnerte sich im Oktober 2020: Der Toelleturm konnte nach fast zehnmonatiger Bauzeit am 11. August 1990 wieder eröffnet werden. Die Pläne dafür stammten von Herrn Professor Dr.-Ing.Carsten Langlie (2. Januar 1938-4. Februar 1996), die er ohne Honorar angefertigt hatte. Herr Professor Langlie hatte sich durch die schwierige Sanierung der Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin einen Namen gemacht. Herr Plutte und ich als Schatzmeister sind mehrfach in Düsseldorf unterwegs gewesen und konnten Zuschüsse von der NRW-Stiftung und dem Land Nordrhein-Westfalen akquirieren, für die Gesamtkosten von einer knappen Million DM. Herr Plutte konnte 430.000 DM an öffentlichen Mitteln einwerben, sowie 490.000 DM sonstige Spenden. Die Wiedereinweihung erfolgte unter großer Beteiligung in fröhlicher Stimmung.“

1989 wurde Ernst-Günter Plutte mit dem „Wuppertaler“ ausgezeichnet.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Der achte Vorsitzende im Barmer Verschönerungsverein

Jung, Dieter

Umgang mit knappen Finanzmitteln

Die Übernahme des Vorsitzes des Barmer Verschönerungsvereins von Ernst-Günter Plutte durch Dr. Dieter Jung, seinem vorherigen Stellvertreter, war 1992 mit einer weiteren personellen Änderung verbunden. Die langjährige, fleißige („gute Seele des Vereins“) Geschäftsführerin Sonja Priester übergab ihr Amt an Felizitas Nohl.

Rund 1.000 Mitglieder waren ein starkes Erbe. Dieter Jung war der achte Vorsitzende in der BVV-Führungsgalerie. 2010 übergab er den Staffelstab an Peter Prange, der zuvor im erweiterten Vorstand mitgearbeitet hatte.

Es gibt immer viel zu tun

Auf der To-Do-Liste von Dr. Dieter Jung standen die Remise, also Werkstatt und Lagerraum, und die aufwändige Sanierung der Dicke-Ibach-Treppe als Eingang von der Joseph-Haydn-Straße in das Ringeltal. 1993 kündigte Jung die Neupflanzung der Buddeallee in den oberen Anlagen an. Die altersschwachen Roteichen wurden in Etappen durch Stieleichen ersetzt. Das Fällen der alten Bäume und Pflanzen der jungen Bäume war eine finanziell große Herausforderung.

Dieter Jung damals: „Wir haben den Umgang mit knappen Geldmitteln gelernt und immer sparsam gewirtschaftet. Bei außergewöhnlichen Aufgaben stehen wir schnell auf dem Schlauch. Deshalb ist unsere Bettelei eine Daueraufgabe.“

Der größte Erfolg für Dr. Dieter Jung in seiner Amtszeit als BVV-Vorsitzender war das Förderprogramm „Regionale 2006“. Das Freiraumprogramm ermöglichte eine Investition von rund einer Million Euro. Kernstücke waren ein Parkpflegewerk als Handlungsanweisung und die Freilegung der historischen Barmer Bergbahn (1894-1959).

Ein Herz für den Vorwerkpark

Als Max Jörg Vorwerk eine Stiftung zum Erhalt des Adolf-Vorwerk-Parks gegründet hatte, bat er Dr. Dieter Jung in dessen Funktion als BVV-Vorsitzender in den Stiftungsvorstand.

Einsatz für Wirtschaft und Standesorganisationen

Am 14. August 2006 feierte Dr. Dieter Jung, der in der Sackgasse der Wittelsbacher Straße wohnt, seinen 70. Geburtstag. Seine beruflichen Erfolge mündeten in die Ehrenmitgliedschaft der IHK-Vollversammlung, weil sich Jung 22 Jahre lang, von 1979 bis 2001, im Parlament der Bergischen Wirtschaft engagierte. Auch in zahlreichen Gremien der Industrie- und Handelskammer setzte er sich für die Wirtschaft ein. Er war Vorsitzender des Rechtsausschusses, Mitglied im Bezirks-, Finanz- und Industrieausschuss, außerdem Handelsrichter am Landgericht Wuppertal und Mitglied im Prüfungsausschuss für Steuerberater beim Finanzministerium NRW. Der Chef der Druckerei August Jung Söhne war beim Arbeitgeberverband der Papier, Pappe und Kunststoff verarbeitenden Industrie stellvertretender Vorsitzender. Für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement erhielt der Wuppertaler Unternehmer 1984 das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland.

Familie

Dieter Jung wurde am 14. August 1936 geboren und starb am 4. März 2015. 1963 hat er seine Frau Erika geheiratet. Mit ihr bekam er vier Söhne: Dr. Yorck, Welf, Dominic und Peer. Inzwischen gibt es 14 Enkel.


Barmer Köpfe

Barmer Kopf

Foto: Stadtarchiv Wuppertal

Bredt, Wilhelm August

Edler Sinn, humanes Wesen und vielfältige Leistungen

Nur Großstädte haben einen Oberbürgermeister! Der erste Barmer Oberbürgermeister hieß Wilhelm August Bredt. Trotz seiner recht langen Amtszeit von 1857 bis 1879 fand sich scheinbar in seinem Wirkungsort keine Straße, die an ihn erinnert. Dabei stammt Bredt aus einer der angesehensten Barmer Familien. Der Barmer Verschönerungsverein benannte einen Platz am Höhenweg im Barmer Wald nach dem Ehrenbürger: Bredthöhe.

 

 

Foto: Sammlung Wolfgang Nicke

Leben in den Dörnen

Zu den Männern im Bergischen Land, die sich zu wichtigen Zielen bekannten, mit eigenen Kräften Neues zu schaffen, Vorhandenes fortzusetzen und zu verbessern, aber auch trotz starkem Tatendrang das Führen von Menschen nicht vergaßen, wird Geheimrat Bredt gezählt. Wilhelm August Bredt (Rufname August) entstammte einer schon seit Jahrhunderten in Barmen ansässigen Familie, die ihren Namen vom Hof "in der Bredde" herleitet. Sie hatte fast nur Kaufleute in ihren Reihen. Aber auch mütterlicherseits bekam der am 16. März 1817 – vor 204 Jahren - geborene Wilhelm August Tradition mit auf den Weg; Johanne Charlotte war eine geborene Rübel, ein hierzulande wohlklingender Name mit Wohnsitz auf dem Gebiet des einstigen Dörner Hofes. Unter- und Oberdörnen sind Straßennamen, die noch an vergangene Zeiten erinnern. Die ersten Lebensjahre verbrachte der junge Bredt mit seinen drei Geschwistern im Haus Bredt-Rübel, das sich direkt gegenüber vom Glockenturm der St. Antonius-Kirche befand und um 1964 von einem Parkhaus überbaut wurde. Es war Richtung Wupper von Bleichen umgeben war. 1854 hat August Bredt die Krefelderin Amalie von der Leyen geheiratet.

Regent für Barmen

Am 9. Dezember 1854 wählte ihn der Barmer Stadtrat zum Bürgermeister, doch Bredt trat die Stelle zunächst nur provisorisch an, um seinen Posten in Berlin nicht zu verlieren. Am 2. Oktober 1855 wurde er dann doch, als Nachfolger von Bürgermeister Hermann Florenz Theodor Windhorn, in sein Amt eingeführt, aber erst zwei Jahre später zum Regierungsrat und Oberbürgermeister ernannt. Unter Bredts Regie entwickelte sich Barmen von einer Land- zur Fabrikstadt; die Frühindustrialisierung stand in voller Blüte und die Bevölkerungszahl explodierte.

Aufbruch in Barmen

1855 hatte Barmen 41.000 Einwohner, 1879 schon 95.000. In Bauwerken drückte sich der Fortschritt aus: neues Rathaus (1873-76), Stadttheater (1874), Johannis- und Wichlinghauser Kirche (1866), Immanuelskirche (1867), Friedenskirche (1869). Die vereinigte "Latein- und Realschule" erhielt 1861 ein neues Gebäude am Bahnhof; Gymnasial- und Realunterricht wurden getrennt und die Wupperfelder Realschule 1875 errichtet. Große Bemühungen Bredts galten der Errichtung einer Handwerker- bzw. "Gewerbeschule", die schließlich 1863 eröffnet wurde. Volksschulen widmete der Oberbürgermeister seine besondere Fürsorge. Er formte das ganze Schulwesen mit. Einfluß hatte Bredt auch auf die verkehrliche Entwicklungen, von der Eisenbahn bis zur Pferdestraßenbahn. Arbeiterschutz, Armenhilfe, Landschaftsschutz (Gründung des Barmer Verschönerungsvereins), Musik (Konzertgesellschaft), Kunst (Kunstverein) und Wissenschaft (Verein) waren weitere Aufgabenfelder. 1866 arbeitete der OB beim Kampf gegen die Cholera-Epidemie mit. Der Krieg von 1870/71 sah Bredt mit an der Front.

Anerkennung und Umzug an den Rhein

Für sein Wirken im Interesse Barmens erhielt Wilhelm August Bredt Anerkennung von Bürgerschaft, Regierung und König. Die Ernennung zum Geheimen Regierungsrat war so ein Zeichen. Als die zweite, zwölfjährige Amtsperiode ablief, entschloß sich der Oberbürgermeister zum Eintritt in den Ruhestand. Am 30. September 1879 verabschiedete er sich von Stadtrat und Bevölkerung. Er erhielt die Ehrenbürgerwürde und zog nach Honnef am Rhein um, wo er am 23. März 1895 starb. Zuvor hatte er jedoch noch Ämter im Siebengebirgsverein und Honnefer Verschönerungsverein übernommen, gründete eine Lungenheilanstalt und wurde gar "Vater des Siebengebirges" genannt. Seine letzte Ruhe hat er in der inzwischen aufgelassenen Familiengruft des Unterbarmer Friedhofes gefunden. Zuletzt ist davon nur noch sein Grabstein übrig geblieben, um dessen Erhalt sich die junge Johann Victor Bredt-Gesellschaft bemüht.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Dörpfeld, Friedrich Wilhelm

Dörpfelds Leben für familiengerechte Schulen und sozial befriedetes Vaterland

Am 18. Juli 1903 ist im nach Ludwig Ringel benannten Tal in den oberen Barmer Anlagen ein Denkmal zu Ehren von Friedrich Wilhelm Dörpfeld enthüllt worden. Vom Barmer Verschönerungsverein umfänglich renoviert, fehlt ihm seit dem Zweiten Weltkrieg (1939-45) eine vom Bildhauer Wilhelm Neumann-Torborg geschaffene Figurengruppe, die eine lebensgroße Frauengestalt (Pädagogik) und einen Knaben darstellte, dem sie ein Buch zeigte. Poetisch und einfältig klingt zwar heute der Bibelvers im Sockel des Denkmales: Er hatte unser Volk lieb und die Schule hat er uns erbauet!

Vater und Sohn

Da der Name Dörpfeld an vielen Stellen im Tale auftaucht, muss erklärt werden, dass das Elberfelder Gymnasium an seinen berühmten Sohn, den Archäologen Wilhelm Dörpfeld (er hat 1900 die Villa an der Richard-Strauss-Allee 18 erbaut), erinnert. Mehrere Merkstationen blieben für den Pädagogen übrig. Die Ronsdorfer Dörpfeldstraße mit Dörpfelds Schulhaus ist geblieben, während die Wichlinghauser Dörpfeld-Straße seit 1935 Liegnitzer Straße heißt. Drei Schulen trugen einst seinen Namen, in Ronsdorf, Wupperfeld und Langerfeld. In Wupperfeld löschte der Zweite Weltkrieg Schulhaus und Gedenktafel aus. Auf ihr wurde Dörpfeld als bedeutendster Volksschullehrer des 19. Jahrhunderts bezeichnet.

Migration ins Wuppertal

Vor 197 Jahren, am 8. März 1824 in Wermelskirchen-Sellscheid geboren kam Friedrich Wilhelm Dörpfeld nach der Lehrerausbildung 1848 nach Ronsdorf und wurde Lehrer der einklassigen Heidter Volksschule. Ein Jahr später folgte er dem Ruf an die vierklassige lutherische Volksschule nach Wupperfeld, die er bis zur gesundheitsbedingten Pensionierung geleitet hat. Die Grundsätze seiner pädagogischen Tätigkeit stellte er schon bei seinem Amtsantritt klar: "Die Schule ist vor allem eine Hilfsanstalt der Familie, und der Lehrer ein Gehilfe der Eltern am Werk der Erziehung. Wie Vater und Mutter einig sein müssen, wenn ihre Arbeit an ihren Kindern gelingen soll, so müssen Eltern und Lehrer zusammenhalten in der Arbeit und im Gebet." Kann die Feststellung aktueller sein?

Dörpfeld überlegte unablässig, wie er seine Stunden interessant gestalten könne, wie die Kinder dazu zu bringen sind, gerne zu lernen und den neuen Stoff auch zu behalten. In Sachen Religion riss er gar die Eltern mit und traf sich abends mit ihnen zum Unterricht. Das führte zu einer väterlichen Aussage: "Wenn der Dörpfeld noch lang hiebliwt, denn makt he us all fromm."

Pädagogisches Vorbild

Dörpfeld führte als erster Lehrer Elternabende ein, engagierte sich für die Lehrerausbildung und legte in zahlreichen pädagogischen, theologischen und philosophischen Schriften Zeugnis von seiner Liebe zu den Kindern und von seiner Verantwortung ab. Er schrieb mit der Hand über 8.000 Briefe (Prof. Dr. Klaus Goebel lieferte 1976 die Gesamtausgabe unter dem Titel "Dein dankbarer und getreuer F.W. Dörpfeld") und Zeitungsartikel, gab eine Zeitschrift heraus, hielt Vorträge und Versammlungen, bis es an mehreren Orten in Rheinland und Westfalen Schulvereine gab. Oft kamen Kollegen zu Besuch und lauschten, wie Dörpfeld unterrichtete. Die Besucher staunten, wie lebhaft die Kinder auf dem Wupperfeld mitmachten und mit ihrem Herzen beteiligt waren.

Foto: Sammlung BVV

Letzte Lebensphase

Aus gesundheitlichen Gründen musste Friedrich Wilhelm Dörpfeld 1879 seinen geliebten Beruf aufgeben und kehrte nach einem Aufenthalt in Düsseldorf-Gerresheim für die letzten Lebensjahre nach Ronsdorf zurück, wo er bei seiner Tochter Anna und deren Mann lebte. Der zweite Sohn, Hans, war Regierungsbaumeister in Berlin und gestaltete das Anlagen-Denkmal mit. 69-jährig starb Dörpfeld am 27. Oktober 1893 und fand seine letzte Ruhe auf dem Friedhof an der Heckinghauser Straße. Damals nahmen die Menschen Abschied von einem Mann, für den Ethik und Psychologie bedeutsam waren und der das Lehramt zu reformieren suchte.

Während Gerhart Werner F.W. Dörpfeld 1961 in den "Wuppertaler Biographien, 3. Folge" porträtiert hat, übernahm Klaus Goebel 1975 die Würdigung in den "Rheinischen Lebensbildern, Band 6".


Barmer Kopf

Foto: Sammlung BVV

Hofmann, Rüdiger

Mit dem Toelleturm war Rüdiger Hofmann auf Du und Du

Rüdiger Hofmanns 1968 begonnene Mitgliedschaft im Barmer Verschönerungsverein (BVV) wäre nichts Besonderes, hätte damit nicht die Gründung des Arbeitskreises zur Betreuung des Toelleturms und aktive Mitarbeit begonnen.

Seinerzeit war der Aussichtsturm auf der Barmer Südhöhe nach zehnjährigem „Dornröschenschlaf“ wegen Baufälligkeit und umfänglicher Renovierung, die sich schon ein Jahrzehnt später als Misserfolg herausstellte, wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Bis Mitte der 2010er Jahre koordinierte Hofmann die Einsatzzeiten der Freiwilligen, die ermöglichen, dass bei trockenem Wetter und klarer Sicht der Turm sonn- und feiertags von 12 bis 18 Uhr, seit 2019 auch samstags von 15 bis 18 Uhr, geöffnet ist.

Toelleturmbetreuung durch Freiwillige

Da der Verschönerungsverein als Turmbesitzer kein Wachpersonal einstellen konnte, fanden sich einige BVV-Mitglieder bereit, das Wahrzeichen zu öffnen und dafür ihre Freizeit zu opfern. Um die Öffnung des Toelleturms von Ostern bis Ende September zu gewährleisten, gründete die damalige Geschäftsführerin Sonja Priester am 11. Dezember 1978 einen Arbeitskreis. Dessen Gründungsmitglieder waren neben anderen Freiwilligen die Eheleute Rüdiger und Heidi Hofmann (27.2.1939-24.7.2016). Auf diese Weise fanden viele Familienstunden, nicht immer bei wohligen Temperaturen, am Toelleturm statt.

Neben der Toelleturmbetreuung und Mitgliederwerbung hat der Arbeitskreis 1979 und 1984 Wanderrallyes durch die Anlagen veranstaltet, 1983 einen Jazzfrühschoppen und 2000 ein Kinderfest. 1980 leistete er bei der festlichen Einweihung des Spielplatzes praktische Hilfe. 1981 wurde auf dem Spielplatz ein Familientreff ausgerichtet. Während der Wintermonate 1982/1983 wurden die völlig verrotteten Holzwegschilder restauriert und montiert, 1982 von Sonja Priester und Rüdiger Hofmann ein Wanderplan erarbeitet. 1986 wurden 14 km Wanderwege „gezeichnet“. Es wurden Faltpläne, Prospekte, Postkarten und Karten für die Mitgliederwerbung entworfen. Am Fest zum 100. Geburtstag des Toelleturms wirkte der Arbeitskreis organisatorisch mit. Einmal jährlich führte Rüdiger Hofmann Interessierte „von Denkmal zu Denkmal“.

1980 übernahm Rüdiger Hofmann („Obertürmer“) den Arbeitskreis und schaltete sich in die Mitgliedswerbung ein, denn naturgemäß leidet der Verein, der sich seit seiner Gründung 1864 um die Pflege der Barmer Anlagen kümmert, unter der Alterspyramide. Oft führte Hofmann interessierte Gruppen durch den attraktiven Park, der durch die „Regionale 2006“ eine neue Aufwertung erfahren hat: Umfeld Toelleturm, Emil-Röhrig-Platz (frühere Bergbahn-Haltestelle Talblick), Aussichtsplateau, Rotunde, Kinderspielplatz. Die historische Bergbahntrasse wurde wieder erlebbar gemacht.

Arbeitskreis

In früheren Jahren wurden Wanderrallys für die ganze Familie durch den Park organisiert, zum Familientreff auf dem Spielplatz eingeladen, hölzerne Wegeschilder restauriert, ein Wanderplan und Infoblätter erarbeitet und der Jahrhundertmarkt rund um den 100-jährigen Toelleturm mitgestaltet. 2007 hat Rüdiger Hofmann eine Initiative zur Sanierung des Obelisken in den oberen Anlagen gestartet. Starke Risse und Abspaltungen durch Witterungseinflüsse, verbunden mit dem Eindringen von Regenwasser bis tief in den Sandstein, gehörten zur Bestandsaufnahme. 2008 fand die Sanierung in Form des Säuberns des Steins, Schließen der vielen Risse, Verputzen zerstörter Flächen, Wiederherstellen der Verzierungen, Imprägnieren des Steins und Lasieren des gesamten Denkmals, statt. Dank der großen Spendenbereitschaft von BVV-Mitgliedern konnte Rüdiger Hofmann ein zweites Objekt auf den Sanierungsweg bringen, das Ringel-Denkmal im nach Ludwig Ringel benannten Tal.

Sein rühriges Engagement trug dazu bei, dass er 1987 in den erweiterten BVV-Vorstand gewählt worden ist. Eine Ehre an sich!

Zielbeschreibung

Eine Idee versuchte Rüdiger Hofmann immer auf den Weg zu bringen: die Barmer Anlagen und der Barmer Wald bieten sich hervorragend an, nicht nur auf Fotos abgelichtet zu werden, sondern auch für bewegte Bilder „Im Wandel der Jahreszeiten“. Rüdiger Hofmann, ein Barmer Junge, dachte an Flora und Fauna, aber auch an die vielen Denkmäler, spielende Kinder und ausruhende Senioren. Gesucht wurden und werden Videofilmer, die einzeln oder im Team nach einem Konzept einen Film gestalten.

Praktisches Geschenk

Der berufliche Ruhestand veranlasste Rüdiger Hofmann 1998, nach 35-stündiger Arbeit den Besuchern der Barmer Anlagen ein neues Entenhaus zu schenken. Das sofort nach der Aufstellung bezogene Haus aus wasserfester Siebdruckplatte und mit Fassadenfarbe geschützt, hat eine Grundfläche von einem Quadratmeter, war 95 Zentimeter hoch und als achteckiger Pavillon mit zwei Eingängen gestaltet. Leider nagte der Zahn der Zeit am Material, so dass das Entenhaus mit der Teichsanierung abgebaut werden musste.

Persönliches

Rüdiger Hofmann wurde am 13. April 1935 in Wuppertal geboren. Die Volksschule besuchte er kriegsbedingt von 1941 bis 1944 in Berlin, später von 1946 bis 1947 in Wuppertal. Der Besuch des Gymnasiums schloss sich von 1947 bis 1955 an. Bei der Remscheider Firma KHL (König & Hohmann & Otto Lübeck) hat er als Betriebsleiter bis zum Eintritt in den Ruhestand, gearbeitet.

Nach schwerer Krankheit ist Rüdiger Hofmann, der in der Weber- und später Regerstraße 8 wohnte, am 27. Dezember 2019, gestorben. Er hinterließ seine Töchter Annette mit Schwiegersohn Ado Schürmann und Britta Hofmann.

Michaela Dereschewitz, Geschäftsführerin des Barmer Verschönerungsvereins:

In den 156 Jahren unseres Bestehens hat kaum ein Mitglied so viel Freizeit ehrenamtlich für unseren Verein mit den Barmer Anlagen und dem Toelleturm aufgebracht, wie Rüdiger Hofmann. Über 50 Jahre war er in unserer Mitte! Gemeinsam mit seiner Frau hatte er seit 1978 unzählige Stunden am Toelleturm verbracht, damit Menschen hinaufsteigen konnten. Er war seit 1987 der Praktiker im erweiterten BVV-Vorstand. Geschätzt haben alle Wegbegleiter seine angenehme, ruhige, zurückhaltende, sachkundige und immer hilfsbereite Art!“


Barmer Kopf

Ibach, Rudolf

Rudolf Ibach und die außergewöhnliche Dicke-Ibach-Treppe

Sein Rufname war Rudolf, doch komplett hieß er Peter Adolf Rudolph Ibach und wurde am 30. Januar 1843 geboren. Er ist ein Spross der berühmten Pianofortefabrik Ibach. Seinen in Kürze anstehenden Geburtstag nutzt der Barmer Verschönerungsverein zu einer Erinnerung, denn die von ihm mit initiierte Dicke-Ibach-Treppe gilt wegen ihrer ungewöhnlichen Kombination von Treppe und Aussichtsplattform mit Pavillon zumindest im Rheinland als einmalig. Rudolf Ibach war Ehrenmitglied im BVV.

Klavier- und Orgelbau

1869 entschloss sich P. A. Rudolph Ibach, die Klavierfabrikation vom handwerklichen Orgelbau zu trennen und gründete als eigenes Unternehmen die Firma Rud. Ibach Sohn. Seine Firma führte er in das industrielle Zeitalter des Klavierbaus, wodurch der Betrieb bald erheblich expandierte. Außerdem begründete Ibach den Vertrieb über den Einzelhandel; als Handwerksbetrieb hatte die Firma zuvor alle Instrumente direkt an den Kunden vertrieben. Mehrere Ehrenpreise auf den Weltausstellungen von 1869, 1873 und 1879 festigten seinen Ruf, die verliehenen Titel eines „Hoflieferanten Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen der Niederlande“ (1876) und des „Königlichen Hofpianoforte-Fabrikanten“ beim preußischen Hof trugen zum Ruhm der Firma bei. 1874 wurde eine Dependance in Köln gegründet. Ibach erbaute 1876 neue Fabrikgebäude in Barmen in der Nähe des Barmer Bahnhofs, woran noch heute die dortige „Ibachstraße“ erinnert. 1879 folgte eine Ibach-Vertretung in London. 1882 schließlich erwarb Ibach ein neues Gelände in Schwelm, auf dem er eine neue Fabrik für den Bau von jährlich bis zu 4.000 Instrumenten errichten ließ. Noch 1869 hatte der Betrieb am vorigen Standort nur 70 Instrumente hergestellt. Die neue Schwelmer Fabrik war bis 2007 Produktionsstandort des Unternehmens.

Ibach war Mitglied in verschiedenen Kulturfördervereinen seiner Heimatstadt, so im Barmer Kunstverein oder der 1872 gegründeten Barmer Stadttheater-Aktiengesellschaft und in mehreren Gesangsvereinen. Ab 1871 sammelte Ibach Musikinstrumente, die er erstmals 1888 in seiner Wohnung, später in der Klavierfabrik als Museum der Öffentlichkeit zugänglich machte. Außerdem gründete er 1889 über der Vertretung in Barmen die erste Wuppertaler Musikbibliothek. Die Sammlung mit über 150 Exponaten wurde 1907 an Wilhelm Heyer in Köln verkauft und gelangte schließlich ins Leipziger Musikinstrumentenmuseum, wo ein Teil während des Zweiten Weltkriegs verbrannte. Die übrig gebliebenen Exponate sind heute noch Teil der Sammlung des Grassi-Museums für Musikinstrumente der Universität Leipzig[1].

Ibach starb 1892 während eines Kuraufenthalts in Herrenalb und hinterließ den Betrieb seiner Frau und den heranwachsenden Kindern. Seine Witwe führte die Firma zunächst weiter. 1905 übernahm der Sohn Albert Rudolf Ibach in vierter Generation den Betrieb. Rudolf Ibach der Ältere wurde auf dem Unterbarmer Friedhof beigesetzt.

Welcher Rudi wars denn nun?

Im Blick auf die von ihm mit Friedrich Wilhelm Dicke 1897 gestiftete Dicke-Ibach-Treppe philosophiert Bernd Lamprecht, Mitglied in der BVV-Kommission „Erinnerungskultur“: „Unser Rudi war seit der Schulzeit mit Fritz Willi Dicke befreundet. Vermutlich hat er zu Lebzeiten (gestorben am 31. Juli 1892) seinem Freund Geld für den Baum der Treppe an der Joseph-Haydn-Straße (bis 1935: Richard-Wagner-Straße) zur Verfügung gestellt. Ein weiterer A. Rudolf Ibach (1873-1940), wird der Sohn gewesen sein, doch mit 24 Jahren war er wohl nicht Initiator der Treppe. Aber vielleicht hat er sich im Andenken an seinen Vater (?) gemeinsam mit Dicke, der an der Ecke Waldemar-/Joseph-Haydn-Straße (früher: Weberstraße 2) eine Villa gebaut hatte, für den Treppenbau eingesetzt.“

Besitzverhältnis lange unklar

Die Dicke-Ibach-Treppe an der Josef-Haydn-Straße, die bis 1935 Richard-Wagner-Straße hieß, ist eine Stiftung der Freunde Friedrich Wilhelm Dicke (er war auch Stifter der Treppe zwischen Turn- und Ottostraße und der Straßenrampe Waldemarstraße) und Rudolf Ibach an die bis 1929 selbstständige Stadt Barmen, wie Forschungen von Hans Joachim de Bruyn-Ouboter, dem verstorbenen 2. Vorsitzenden des Bergischen Geschichtsvereins und Beiratsmitglied des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, ergaben. Beide Herren waren Vorstandsmitglieder des Barmer Verschönerungsvereins und haben fleißig mit Grundstücken im Barmer Süden gehandelt. Dicke und Ibach hatten bereits 1889 die Brüninghaus‘schen Waldungen an den BVV verkauft. Der Inschrift nach wurden Denkmal und Treppe 1897 errichtet, doch bisher belegen keine Unterlagen dieses Datum. Hundert Jahre später wurde klargestellt, dass der BVV Eigentümer der Treppe ist, weil sie sich auf seinem Grund und Boden befindet. 1933 wurde die Treppe um ein Bronzerelief "Jesus heilt ein misshandeltes Tier" ergänzt. Das Werk von Reinhold Kübart schenkte Johann Caspar Engels, wohnhaft Richard-Wagner-Straße 27, dem Tierschutzverein.

Die Dicke-Ibach-Treppe wurde in den 2000er Jahren in zwei Etappen saniert, zunächst mit einer erheblichen Spende der Familie Ibach, zuletzt mit Mitteln der NRW-Stiftung.


Barmer Kopf

Foto: Sammlung Conrads

Janssen, Heinrich

Aus Heinrich Janssen wurde Henry Janssen

Drei miteinander eng verbundene Textilbetriebe in Wyomissing bei Reading im nordamerikanischen Staate Pennsylvania, die Textile Machine Works (Textilmaschinenfabrik), die Narrow Fabric Company (Gesellschaft für Schmalband) und die Berkshire Knitting Mills (Berkshire Strickereiwerk) gaben 1936 eine gedruckte Geschichte der Industrien von Wyomissing heraus, ein Buch, das den schlichten Titel "Partners" trägt.

Das Wort wird man mit "Teilhaber" übersetzen, aber es enthält mehr; das Buch stellt die Geschichte zweier Geschäftsfreunde dar, die einmütig 58 Jahre lang ihren Weg als Fabrikanten gingen, von kleinen Anfängen zu stolzer Höhe: Ferdinand Thun und Henry Janssen. Beide sind 1866 in Barmen geboren: Thun am 14. Februar, Janssen am 8. Februar (vor 155 Jahren!). Janssen starb am 28. Januar 1948.

Familie Janssen

Heinrich Janssens Elternhaus stand an der unteren Westkotter Straße. Sein Vater, Albert Janssen, als junger Mann vom Niederrhein nach Barmen zugewandert, war Buchdrucker und führte neben seinem Betrieb noch einen kleinen Buchhandel. Mit seiner Frau, Helene, geborene Brenner, hatte er sechs Kinder. Mit 15 Jahren ging Heinrich in die Maschinenschlosserlehre, wo er zunächst landwirtschaftliche Maschinen umgehen lernte und in harter Schule zur Qualitätsarbeit erzogen wurde. Auf seine Geschicklichkeit vertrauend, machte er sich mit 22 Jahren auf die Reise in die USA. Sein einziger Besitz war in einem gediegenen handgefertigten Holzkoffer verpackt, den er auf der Schulter trug, als er in New York an Land ging. Einen Tag nach seiner Ankunft fand er bei einer Wirkwarenfabrik, der Castle Braid Company in Brooklyn, eine Stelle als Maschinist und wurde binnen Jahresfrist Leiter des Maschinenparks.

Freundschaft

Als sich die jungen 25jährigen Männer Thun und Janssen kennenlernten, entdeckten sie an sich einiges Gemeinsame: gleiches Alter, gleicher Heimatort, ähnlicher Jugendgang, gleiche gutbürgerliche Erziehung, gleichlaufende Interessen auf dem Gebiet der Textilmaschinen. Aus der Interessengemeinschaft erwuchs eine ehrliche, herzliche Freundschaft und eine berufliche Zusammenarbeit, die erst der Tod nach 57 Jahren löste.

Textiltradition nach Amerika exportiert

Einiger Monate bedurfte es, bis die Freunde sich über den einzuschlagenden Weg klar waren, auf dem sie ihr Glück zu machen hofften. Dann eröffneten sie in Reading im Staate Pennsylvania, Cedar Street 222, in einem gemieteten Gebäude eine kleine Werkstatt zur Herstellung von Flechtmaschinen. Der Zeitpunkt, an dem sie anfingen, war günstig, denn 1890 hatte die amerikanische Bundesregierung auf ausländische Maschinen einen Schutzzoll gelegt. Textile Machine Works, Thun & Janssen, so lautete die Firma. Das Fabrikationsgeschäft der unbekannten Hersteller begann zögernd; Reparaturaufträge mußten helfen. Aber beide vertrauten auf ihre jugendliche Arbeitskraft. Zu den Arbeitern ihres Betriebs hatte die Chefs sogleich ein herzliches, kameradschaftliches Verhältnis. Schon damals begann ihr Ruf als soziale Unternehmer, von denen gesagt werden konnte, daß ihre Stellung zur Belegschaft "beneidenswert friedlich und auf gegenseitiges Vertrauen gegründet war. Nach sechs Monaten kam der erste Auftrag für eine Flechtmaschine, noch nicht gleich überwältigend, was den Gewinn betrag, aber ermutigend. Es waren technisch und wirtschaftlich bewegte Jahre damals, als Henry Ford (1893) in Detroit eine kleine Werkstatt für Kraftwagen anfing, als die große Weltausstellung in Chicago ganz Amerika begeisterte. Sie entwickelten einige Sonderheiten, wie z. B. eine Maschine für Hosenträgerband, und allmählich ging es aufwärts. 1896 konnten sie den vier Jahre alten Betrieb nach Wyomissing verlegen. Hier, etwa fünf Kilometer westlich der Stadt Reading in der Grafschaft Berkshire (Pennsylvania) hatten sie fast unbegrenzt freies Feld für eine etwaige Vergrößerung. Die Wirtschaftslage, die Anfang der 1890er Jahre allgemein uneinheitlich war, besserte sich unter der Präsidentschaft von McKinley (1897) und weiter unter Theodore Roosevelt. Die "Textile" machte Erfindungen, nahm Patente, ihre Maschinen wurden gekauft, 1899 erhielt die Firma für Ihre Modelle einen wertvollen Preis auf der Nationalen Exportausstellung in Philadelphia. Auch die Elektroindustrie rief nach umsponnenen Kabeln - Arbeit für das Wirkgeschäft.

Barmer Artikel Made in USA

Der Aufstieg der Firma ging nun stetig weiter. 1900 hielt sie es für richtig, ebenfalls "Barmer Artikel" herzustellen und gründete dafür die Narrow Fabric Company, einen Betrieb, der sich in der Folge gut entwickelte. 1901 ging das Viktorianische Zeitalter zu Ende, die Damenmoden gingen neue Wege, der Strumpf trat seinen Siegeszug an. Textile Machine Works stellten Strumpfwirkmaschinen her, die den modernen Anforderungen genügten. Hatte die Firma um die Jahrhundertwende 70 Arbeiter beschäftigt, so waren es 1903 schon 150, und nun dehnten sich Fabrikationsanlagen, kaufmännische Betriebe, soziale Einrichtungen in weit schnellerem Zeitmaß aus. 1906 wurde eine Strumpffabrik errichtet, die Berkshire Knitting Mills, in der mit den Maschinen der Textile Machine Works Damenstrümpfe hergestellt wurden, zuerst in Baumwolle, dann mehr und mehr in Seide und Kunstfaser. Eine Gießerei fertigte die benötigten Maschinenteile selbst und arbeitete ferner für gewinnbringende Lohnaufträge.

Im Außenbezirk von Reading, einer Industriestadt mit einem erkennbaren deutsche Bevölkerungsanteil, entwickelten sich nun die "Wyomissing Industrien". Hatten Textile Machine Works 1913 etwa hundert Maschinen jährlich gebaut, so waren es 1926 rund 1000. Nach außen wurden die Werke mehr und mehr durch ihre vorbildlichen modernen Werksanlagen sichtbar.

Teilhaber

Die Teilhaber Thun und Janssen verstanden es bereits früh, tüchtige Mitarbeiter heranzuziehen, nicht zuletzt Söhne und Schwiegertöchter; sie wollten nicht alles allein machen. So behielten sie den Kopf frei für schöpferische Indeen und Zeit für ein herzliches Familienleben. Rudolf Herzog, mit Ferdinand Thun aus früher Jugend als Nachbarskind befreundet, hat in seinem Roman "Das große Heimweh", den er auf Grund einer Amerikareise 1912 schrieb, seinem Freund und seinem "echt deutschen" Familienleben, wenn auch unter dichterisch veränderten Namen und Daten, ein Denkmal gesetzt.

Henry Janssen hatte einen Sohn, der während des ersten Weltkrieges im Lager, wo er als Soldat ausgebildet wurde, an den Folgen der damals grassierenden Grippeepidemie starb, und zwei Töchter.

Fürsorge

Es ist nicht leicht, bei allem, was die Partner an industriellen, sozialen und humanitären Einrichtungen ins Leben riefen, jeweils den schöpferischen Anteil des Einzelnen zu erkennen. Janssen war der vorwärtsdrängende, von technischen und wirtschaftlichen Ideen erfüllte Pionier, Thun der vorsichtig abwägende Kaufmann und sorgfältige Organisator. Aber steht gelang es ihnen, ihre in der Sache zuweilen abweichenden Ansichten freundschaftlich in Einklang zu bringen. Das Krankenhaus von Reading, dem ihre besondere Fürsorge galt, erhielt im Laufe der Jahre 4 Millionen Dollars auf den Mitteln der Firma, zu gleichen Teilen von beiden gestiftet. Museum und Kunstgalerie von Reading erfreuten sich ihrer teilnehmenden Förderung. Das Deutschtum in den Vereinigten Staaten zu pflegen, ohne politischen Nebenzweck, aber unter Betonung der kulturellen Beziehungen beider Nationen, war Ferdinand Thuns ständiges Bemühen.

Gegen die alte Heimat

Beide Söhne Barmens haben ihre Wuppertaler Heimat nicht vergessen. Der Erste Weltkrieg schon brachte sie in den seelischen Zwiespalt, mit der neuen Heimat gegen das Land ihrer Väter wirken zu müssen. Umso lieber haben sie in den Notzeiten der 20er und 30er Jahre soziale und wirtschaftliche Hilfe für ihre alte Heimat geleistet und ebenso nach 1945. Beraten und unterstützt von den Herren des Bankhauses Ahr, Krath & Co. in Wuppertal, haben sie durch vielfältige Kanäle ihre Nothilfe den Bedürftigen zugeleitet, in Geld, in Sachspenden, stets großzügig in ihren Entscheidungen und mit nachhaltiger Wirkung. So war es nur ein Akt schuldiger Dankbarkeit, dass Wuppertal sie äußerlich ehrte durch die Benennung der Ferdinand-Thun-Straße und der als Allee ausgeführten Heinrich-Janssen-Straße im Barmer Süden. Zum Gedächtnis an Henry Janssen, der am 28. Januar 1948 starb, schrieb ein Mitarbeiter: "Er war ein stattlicher Mann, der immer aufrecht ging, aber niemals in Eile, gesegnet mit fester Gesundheit durch sein ganzes Leben - fürwahr ein Mann unter Männern. - er redete nicht gern öffentlich, aber im vertraulichen Kreise sprach er kernig, interessant und witzig.

Diesen Beitrag schrieb Dr. Walter Dietz in den "Wuppertaler Biographien", Folge 1, Born-Verlag;

Klaus Vollmer ergänzte ihn. Dr. Horst Heidermann (†) und Klaus Vollmer haben 2014 das Buch „Millionäre und Mäzene“, Edition Köndgen ISBN 978-3-939843-46-7, herausgegeben. Vollmer ist Vorstandsmitglied der Ferdinand Thun & Henry Janssen Gedächtnis-Stiftung, die z.B. den Heidter Bürgerverein und den Barmer Verschönerungsverein unterstützt.


Barmer Kopf

Foto: Conrads

Langermann, Johannes

Johannes Langermann ist am 24. Oktober 1848, vor 172 Jahren geboren worden. Wegen seiner Verdienste wurde ihm am Höhenweg im Barmer Wald ein Denkmal gesetzt. Dieses Denkmal besteht aus einem Steinwürfel auf einem kleinen, runden Platz. 

Über der Inschriftentafel befand sich bis zum Zweiten Weltkrieg ein Bronzebildnis Langermanns von Wilhelm Koopmann. Am 1. April 1951 konnte das Denkmal erneut eingeweiht werden, nachdem die Kriegsschäden beseitigt worden waren. Im Herbst 1985 erneuerte der Barmer Verschönerungsverein die verwitterte Inschriftentafel und änderte diese dabei leicht ab.

Auf seiner Website www.denkmal-wuppertal.de schreibt Jan Niko Kirschbaum: „Der Provinzialverband Rheinland des Deutschen Lehrerverbands weihte am 9. April 1926 das von Professor Peter Klotzbach gestaltete Denkmal für den verstorbenen Kollegen Johannes Langermann ein. Jener Langermann, geboren am 24. Oktober 1848 in Broock, vollendete 1878 das Lehrer-Seminar und arbeitete von 1880 bis 1906 in Barmen. Der engagierte Lehrer wurde zum Schulreformer und träumte von einer Schule, in der die Schüler frei die eigene Persönlichkeit entwickeln könnten, ohne dass Staat oder Kirche in die Erziehung eingriffen. Er sah es als Aufgabe des Lehrers an, die Talente eines Kindes zu fördern und zu entwickeln. Seine Ideen brachten ihm zahlreiche Anhänger auch im fernen Ausland ein, so sandte ihm der japanische Kultusminister, der in Deutschland studiert hatte, um 1900 ein wertvolles Schwert. Sein Erziehungsprinzip formulierte Langermann in knappen Thesen: “Nicht Stoffanhäufung — sondern Kraftentwicklung; nicht Wissen — sondern Können; nicht Zwang  — sondern freies, freudiges Wollen;
nicht Konkurrenz — sondern Ergänzung; nicht Isolierung — sondern organische Eingliederung; nicht Lernen zu Prüfungszwecken — sondern Erleben zum Zweck des Lebens.“

Langermann bekam nach 1906 die Möglichkeit, seine Ideen in Darmstadt (Stein-Fichte-Schule) und Oberstdorf (Stillach-Schule) zu verwirklichen. Er starb am 28. Juli 1923 und wurde in Lüdenscheid beigesetzt, wo ihm der Westfälische Lehrerverein zu seinem 100. Geburtstag 1948 auf dem Bergfriedhof ein Grabmal errichtete.

Im Vorfeld des 150. Geburtstages des Barmer Verschönerungsvereins haben 2014 Mitglieder des Reservistenverbandes neben anderen Denkmälern auch den Gedenkstein für Johannes Langermann gereinigt.

Der Langermann-Gedenkstein ist eines von vielen Denkmälern in den Barmer Anlagen, die gestiftet wurden und um deren Erhaltung und Pflege sich der BVV mühevoll kümmert.


Barmer Kopf

Langlie, Carsten

Für die Geschichte des Toelleturms, Wuppertals höchstem öffentlichen Ort, hat Professor Dr.-Ing. Carsten Langlie einen wesentlichen Beitrag geleistet. Deshalb bewahrt der Barmer Verschönerungsverein die Erinnerung an ihn!

Der Professor für Bauwesen an der Bergischen Universität Wuppertal hat ein Gutachten (Sanierungskosten 600.000 DM) erstellt und bei der Sanierung des Barmer Wahrzeichens persönlich die Bauaufsicht (Architektur, Statik) geführt und dem Barmer Verschönerungsverein einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Aus vielen kleinen und großen Spenden, von Bürgern, Vereinen, Firmen, Stadt, Land und Stiftungen, setzte sich schließlich die knappe Million Mark zusammen, die dann auch zur Finanzierung notwendig war. Seit 2000 sieht der Turm an der Hohenzollernstraße wie neu aus – außen ist er allerdings auch neu gemauert worden.

Leben

Carsten Langlie wurde am 2. Januar 1938 in Oslo/Norwegen geboren und starb am 4. Februar 1996, vor bald 25 Jahren, in Wuppertal. Er hinterließ seine Frau Gudrun und die Söhne Björn (Diplom-Psychologe) und Per (Diplom-Ingenieur für Bauwesen). Carsten Langlie ist leidenschaftlich gern im Oslofjord gesegelt und machte mit großer Begeisterung in seiner ersten Heimat Norwegen im Winter Ski-Langlauf.

Unvergessen ...

Zum 20. Jahresgedächtnis (WZ 2016) erinnerte Per Langlie an seinen Vater Professor Dr.-Ing. Carsten Langlie (Universitätsprofessor, Prüfingenieur für Baustatik): „Als Sohn eines Apothekers und einer Zahnärztin in der norwegischen Stadt Horten am Oslofjord aufgewachsen, begann er das Studium zum „Sivilingenieur‘‘ in Trondheim und erhielt schon bald ein Stipendium in Deutschland. So kam er nach Braunschweig und später nach Berlin, wo ihm der Doktorgrad verliehen wurde und er am Kurfürstendamm sein erstes Ingenieurbüro für Baustatik eröffnete. Es folgte der Ruf an die Bergische Universität in Wuppertal. Mit Leidenschaft lehrte und forschte er hier als Ordinarius für Baukonstruktion und Bauphysik. Nachdem er Prüfingenieur für Stahl-, Holz- und Massivbau wurde, unterhielt er zudem ein Prüfingenieur-Büro in Bielefeld. Seinen Beruf liebte er nicht zuletzt wegen der abwechslungsreichen Herausforderungen. Als Gutachter, Konstrukteur und Statiker war er auch international bekannt und gefragt. So konstruierte er z. B. Offshore-Anlagen vor Barcelona und der norwegischen Küste, war als Fachmann beim Neubau der Universität von Jeddah in Saudi-Arabien oder der Stabilisierung des Felsendoms in Jerusalem gefragt. Wegen seiner Kenntnisse als Sachverständiger für Kunststoffe im Bauwesen konnte er den ursprünglichen Fassaden-Entwurf der Berliner Philharmonie beeindruckend umsetzen. Großprojekte, wie die Tiefkühlzentrallager Wunsdorf, Reken und Heppenheim waren seine letzten.
Besonders am Herzen lag ihm jedoch die Rettung des Toelleturms! Denn obwohl er die Bindung zu Norwegen nie verlor, wurde Wuppertal doch zu einer liebgewonnenen Wahlheimat, in der er sich sehr wohl fühlte. Am 4. Februar 1996 ging sein Leben viel zu früh zu Ende und er wurde in Düssel begraben. In großer Dankbarkeit, und unvergessen – von so vielen!“
Wegbegleiter erinnert an großartige Leistung

Dr. Hans-Joachim Vits, langjähriges BVV-Vorstandsmitglied, erinnerte sich im Oktober 2020: Der Toelleturm konnte nach fast zehnmonatiger Bauzeit am 11. August 1990 wieder eröffnet werden. Die Pläne dafür stammten von Herrn Professor Dr.-Ing. Carsten Langlie, die er ohne Honorar angefertigt hatte. Herr Professor Langlie hatte sich durch die schwierige Sanierung der Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin einen Namen gemacht. Herr Plutte und ich als Schatzmeister sind mehrfach in Düsseldorf unterwegs gewesen und konnten Zuschüsse von der NRW-Stiftung und dem Land Nordrhein-Westfalen akquirieren, für die Gesamtkosten von einer knappen Million DM. Ernst-Günter Plutte konnte 430.000 DM an öffentlichen Mitteln einwerben, sowie 490.000 DM sonstige Spenden. Die Wiedereinweihung erfolgte unter großer Beteiligung in fröhlicher Stimmung.“


Barmer Kopf

Foto. BVV-Archiv

Luhn, Pauline

Paulinenruhe erinnert an die Frau des Seifenfabrikanten Luhn

Sophia Pauline Wink wurde am 12. Dezember 1841 geboren. Gestern wäre sie 179 Jahre alt geworden. Für den Barmer Verschönerungsverein ein guter Anlass, an die Namensgeberin und den Stifter für einen Ruhe- und Aussichtsplatz im Barmer Wald zu erinnern. Damals, 1914, war drum herum noch kein Wald und eine weite Sicht über die Konradshöhe hinaus möglich.

1865 heiratete Sophia Pauline Wink den Seifenfabrikanten August Luhn, mit dem sie sechs Söhne und eine Tochter bekam. Pauline Luhn war fast schon eine Managerin, denn sie forderte ihren Mann August auf: „Mache Dich selbstständig! Wenn Du morgen wieder keinen Mut hast, selbst zu kündigen, dann gehe ich zu Deinem Chef und kündige für Dich.“ August folgte dem klugen Rat seiner Frau und kündigte.

Die Fabrik

Die Seifenfabrik Luhn wurde am 8. Januar 1869 gegründet und war zeitweise die größte und modernste Fabrik ihrer Art mit Sitz in der Schwarzbach. Dort wurde zunächst Schmierseife hergestellt, für Sauberkeit für Mensch und Haus. Im Laufe der Jahre weiterte sich die Produktion aus. Bis 1972 war Luhns ein reines Familienunternehmen, da nach und nach die Söhne einstiegen. Nach 1972 wurde Luhn in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, wechselte die Besitzer. 2013 wurde die Produktion in Oberbarmen aufgegeben.

Pauline

Pauline Luhn war Neuem sehr aufgeschlossen. Sie schickte alle Söhne in die USA, um dort neue Erfahrungen zu machen. So soll sie auch die „Seifenflocken“ „erfunden“ haben, damit sich die Seife bei der „großen Wäsche“ schneller auflöste.

Sohn Peter war der einzige, der nicht in der Firma tätig war. Er wurde Drucker und gründete 1896 eine Druckerei, wo wohl auch die Reklame für Luhns gedruckt wurde. Ein Kochbuch wurde für zwei Mark verkauft. Peters Sohn Hans Peter wanderte in die USA aus, war dort ein bekannter Erfinder, beispielsweise bei IBM. Er erfand die Luhn Algorythmen und KWIC Indexierung, wichtig für die Entwicklung der Computer.

Krankheitsbedingt ließ sich Pauline fast täglich im Rollstuhl zu einem Aussichtspunkt nah am Toelleturm fahren, um die Aussicht zu genießen. Seit der Jahrhundertwende lebte die Familie in einer großen Villa in der Sachsenstraße 18. Das Haus wurde am 30. Mai 1943 durch einen Bombenangriff zerstört. Pauline starb am 8. Juli 1911 in ihrer Villa.

Foto: Boß

Zu ihrem Gedenken ließ ihr Mann August 1914 im Barmer Wald, unweit vom Höhenweg, einen Aussichtsplatz anlegen und mit Bänken ausstatten: die „Paulinenruhe“. Die Söhne sorgten mit weiteren Zuwendungen für den Erhalt dieses Plätzchens, dessen schöne Weitsicht durch wachsende Bäume verstellt wurde.

August Luhn starb am 17. Dezember 1915, beide sind auf dem Friedhof Heckinghauser-/ Brändströmstraße beigesetzt.

Die Sachsenstraße 18 und 18a

1995 haben Peter und Karla Krah das halbe Grundstück Sachsenstraße 18 gekauft und bekamen die Haus-Nr. 18 a. Etwas später erfuhr das Paar, dass dort die Villa der Familie Luhn, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, gestanden hat. Der Bagger fand beim Graben ein Fundament und hatte plötzlich Reste eines Kellers unter seiner Schaufel. Es war Luhns Keller gewesen. Nach fünf Jahren zogen Krahs in die Hohenzollernstraße 24. Einer von Paulines Söhnen bewohnte bis zum Bombenangriff Haus-Nr. 22. Seit 2017 wohnt Karla Krah in der Emilstraße. Der Name Luhn lässt sie nicht los: Einer von Paulines Enkeln – Günter Luhn – hat in der Emilstraße 92 gewohnt.

In der BVV-Kommission „Erinnerungskultur“ hat Karla Krah die Patenschaft für „ihre Pauline“ übernommen und schlüpft bei öffentlichen Anlässen in Paulines Rolle.

Hier geht es zum Video über Pauline Luhn


Barmer Kopf

Foto: Conrads

Muckenhaupt, Peter

Das Wort „Mitmensch“ hat er wörtlich genommen
Als Sohn eines Wuppertaler Industriellen wurde Peter Muckenhaupt am 28. Februar 1950, also vor bald 71 Jahren, geboren. Ab 1956 besuchte er die (Hoch-)Barmer Grundschule Marper Schulweg, die sich in der Nähe seines Elternhauses befand.  Er ging im Anschluss auf das noch heute renommierte Carl-Duisberg-Gymnasium in Wuppertal-Oberbarmen. Schon dort wurden seine Ambitionen deutlich, sich für andere einzusetzen und zu engagieren. Von der Mittelstufe bis zum Abitur war er als Schulsprecher und im Schulparlament tätig. Zu seinem Abitur im Jahre 1969 wurde er von Direktor Dr. Klemm wegen seiner außergewöhnlichen Verdienste als Schulsprecher und der Tätigkeit im Schulparlament geehrt.

Im Anschluss begann Peter Muckenhaupt mit dem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sein Ziel war, in das mittelständische Familienunternehmen Muckenhaupt & Nusselt einzusteigen.


Familie
Nachdem er 1974 sein Studium als Diplomkaufmann abgeschlossen hatte, heiratete er im Januar 1975 seine Frau Ute Muckenhaupt. Für seine beiden Töchter und seinen Sohn (Christian), war Peter Muckenhaupt stets ein vorbildlicher und fürsorglicher Vater.


Familienunternehmen
Um Berufserfahrungen außerhalb des Kabelwerkes Muckenhaupt & Nusselt zu sammeln, arbeitete Peter Muckenhaupt zwei Jahre bei der Firma Merck Telefonbau GmbH, für die er sich schon während seines Studiums interessierte. Am 1. März 1977 trat Peter Muckenhaupt in der dritten Generation in das Familienunternehmen ein und wurde am 1. Januar 1982 zum Geschäftsführer der Muckenhaupt & Nusselt GmbH & Co. KG bestellt.


Mitmensch
Peter Muckenhaupt war ein äußerst verantwortungsvoller Unternehmer, der sich für die Region, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Verbreitung des Leitbildes nachhaltigen Wirtschaftens über sein Unternehmen hinaus eingesetzt hat.
Er hat in vorbildlicher Weise einen „Unternehmertyp“ verkörpert, für den unternehmerische Verantwortung für die Gesellschaft einen hohen Stellenwert hatte. Dies bezieht sich vor allem auf die Förderung von Wissenschaft, Bildung und Kultur sowie den hohen Stellenwert von betrieblichem Umweltschutz und nachhaltigem Wirtschaften.
Bereits seit Anfang der 90er Jahre hat er die Zusammenarbeit mit Studenten, Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen unterstützt. Dabei ging es ihm nicht nur um die Unterstützung der Studenten, sondern immer auch um die Suche nach innovativen Lösungen und einer Entwicklungsperspektive für das Unternehmen. Die Verknüpfung von Ökologie und Ökonomie hat ihn besonders gereizt.


Verdienste
Die Verdienste Muckenhaupts sind zahlreich: In Sachen Umweltschutz war er mit vielen Projekten Pionier, die Firma zählte zu denjenigen 160, die zur ersten Woche der Umwelt 2000 ins Schloss Bellevue eingeladen wurden. Die Wuppertaler Umweltinitiative, die Agenda 21, überhaupt das Thema Nachhaltigkeit, prägten auch das unternehmerische Wirken.
Muckenhaupt ist mit dem Preis „Lebendige Unternehmenskultur“ ausgezeichnet worden. 2005 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Das Land würdigte das Langerfelder Unternehmen für das vorbildliche Engagement im Jahre 2005 mit dem Preis „corporate citizenship – NRW“.


Vielfältiges Interesse
Paul Peter Muckenhaupt zählte zu den Gründungsmitgliedern des Technologiezentrums Wuppertal, w-tec. Sein soziales, kulturelles und gesellschaftliches Engagement galt unter anderem der Hospizstiftung, dem Barmer Verschönerungsverein, dem Lions-Club und dem Kirchenvorstand der katholischen Kirchengemeinde St. Christophorus.


Rückblick
Wer ihn kannte, der lernte schnell seine offene Art schätzen. Peter Muckenhaupt hörte sich die Dinge immer erst in Ruhe an, traf dann seine Entscheidung und war dabei sehr häufig Wegbereiter für neue Pfade.


Kurzes Leben
Am 3. Januar 2006 starb Paul Peter Muckenhaupt im Alter von nur 55 Jahren völlig unerwartet an Herzversagen.


Barmer Kopf

Foto: Archiv BVV

Ringel, Ludwig

Über eigene gute Taten zu reden war nicht seine Sache

Zu den zahlreichen Bürgerdenkmälern in den Barmer Anlagen zählt ein ehemals imposantes Bauwerk im oberen Ringeltal, das einst Vormetal hieß, dann aber nach einem großen Gönner und Stifter benannt wurde: Ludwig Ringel (10. November 1808 - 15. November 1881). Zwar war der Mitinhaber einer Barmer Seidenfabrik mit einem Mitglied des Vorstandes des Barmer Verschönerungsvereins, Emil Wemhöhner, verwandt, doch galt Ringels Interesse weiteren Teilen und Einrichtungen der damals selbstständigen Stadt Barmen, der er als Beigeordneter diente. Entsprechend dankbar zeigte sich die Stadt nach seinem Tod durch die Stiftung des Denkmales am 18. September 1883. 1884 in den Hauptformen fertig gestellt, fand am 10. November 1887 die Einweihung statt. Die Aussichtsplattform ist noch erhalten, doch die große Freitreppe wurde im Verlaufe der letzten Sanierung in den Jahren 1968/69 wegen Baufälligkeit abgerissen.

Denkmal und Aussichtsplateau

Für die Ausführung der im Stil der Renaissance und des Barocks errichteten Anlage, die für die Zeit des Historismus im 19. Jahrhundert charakteristisch ist, zeichnete Stadtbaurat Karl Winchenbach (1840-1925) verantwortlich, in dessen Amtszeit von 1875 bis 1910 zahlreiche bedeutende Hoch- und Tiefbauten entstanden: das alte Rathaus, Schulgebäude, Schlacht- und Viehhof, Straßenbahn, Wupperregulierung und Kanalisation. Das Architektur-Denkmal besteht aus einem halbkreisförmigen Bauwerk, dessen obere Plattform wegen der Hanglage von hinten begehbar ist. Die Hauptfront ist durch drei Nischen, sowie durch Pilaster und Gesims gegliedert; die schmalen Außenseiten enthielten Eckrustika und Medaillons. Eine Steintafel erinnert an Ludwig Ringel und seine Verdienste. Ursprünglich befand sich darüber ein bronzenes Porträtmedaillon, das vermutlich im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen oder von Metalldieben entwendet wurde. Die mehrfach gegliederte Freitreppe wurde im Krieg beschädigt.

Ein Leben wie aus dem Bilderbuch

Der 1808 in Lennep geborene und 1828 nach Barmen zum Neuen Weg 34 (später Haus 60a; heute Friedrich-Engels-Allee) umgesiedelte Ludwig Ringel war nicht nur Fabrikant (ab 1840 Teilhaber von Ludwig Wemhöhner im Fabrikgeschäft in Seiden- und Halbseidenwaren Wemhöhner & Ringel; 1843 Hochzeit mit Tochter Mathilde, die 1846 starb; Geschäftsaufgabe am 1. April 1856), sondern anschließend von 1858 bis 1876 unbezahlter, ehrenamtlicher, städtischer Beigeordneter. Über seine angeheiratete Familie erhielt er Zugang zur Barmer Gesellschaft Concordia, aus deren Reihen 1864 der Barmer Verschönerungsverein gegründet worden ist. 1880 schenkte er dem Verschönerungsverein ein am 2. März 1880 vom Bauern Vormstein, beziehungsweise Herrn P. vom Scheid, zum Preis von 17.000 Mark erworbenes Grundstück und ließ die an der Lichtenplatzer Chaussee stehenden zwei Wohnhäuser abreißen. So wurde das Tal von der Straße her „aufgeschlossen“ und sichtbar. Die Gestaltung darf als besonders gelungene Parkanlage mit Teich und wertvollem Baumbestand bezeichnet werden. Die westlich verlaufende Buddeallee wurde in den 1990er Jahren neu gepflanzt. Aus dieser Schenkung wurde das Ringeltal. In seinem Testament verfügte er, dass für den Verschönerungsverein 100.000 Mark bei der Stadt Barmen deponiert werden und der Verein über die Zinsen verfügen kann. Nach seinem Tod erhielt die Unterbarmer Gemeinde 400.000 Mark für den Bau der Christuskirche, seine Geburtsstadt Lennep bekam 100.000 Mark und die Barmer Konzertgesellschaft 20.000 Mark. Weitere Beträge gingen an verschiedene christliche und wohltätige Vereine, beispielsweise Kleinkinderschulen und Missionsgesellschaft, im Wuppertal. Schon zu Lebzeiten Gründer bedeutender Stiftungen, wollte Ringel, dessen Familie überwiegend in Elberfeld lebte, diese guten Taten nicht öffentlich verbreitet wissen. Die wohltätigen Werke, die er im Stillen leistete, kannten nur wenige Eingeweihte. Er hinterließ keine direkten Erben, so dass er in seinen Stiftungen weiter lebte. Neben Denkmal und Tal erinnert unweit auf dem Heidt die Ringelstraße an den Wohltäter, der auf seine Gesundheit bedacht war, über sein Vermögen genau Buch geführt hat, einem Gehirnschlag erlag.


Barmer Kopf

Röhrig, Emil

Am 31. Oktober 1858 wurde Emil Röhrig in Barmen geboren. Sein Vater Wilhelm besaß an der Mittelstraße 23 (heute Teil des westlichen Werth) eine Konditorei und war seit der Gründung des Barmer Verschönerungsvereins dessen Mitglied.

Emil Röhrig arbeitete später als Prokurist in der heute noch auf dem Wupperfeld (früherer „Wupperhof“) existierenden Textilfirma Philipp Barthels-Feldhoff und ging für diese 1889 nach Nordamerika. Der leitende Mitarbeiter bereiste vor allem England und Amerika. Auf seine Anregung wurde 1898 im New Yorker Stadtteil Brooklyn die Firma Barthels Manufactoring Co., ebenfalls als Flechterei, gegründet. 1907 übernahm Emil Röhrig dieses Geschäft auf eigene Rechnung und unter Fortführung des Namens.

1937 kehrte er nach Wuppertal zurück. Am 25. Oktober 1941 starb er in der Schweiz. Seine Asche wurde auf dem Friedhof an der Heckinghauser Straße/Brändströmstraße. beigesetzt.

Foto: Conrads

Zeit seines Lebens war Röhrig Mitglied im BVV. 1928 wurde er sogar zum Ehrenmitglied ernannt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs (1939-45) übergab Röhrigs Neffe, Paul Döpper, der in den USA lebte, 25.000 DM aus dem Nachlass Röhrigs an den BVV. Im Mai 1954 einigte man sich, mit dem Geld einen Platz nahe der Haltestelle Talblick der Barmer Bergbahn anzulegen.

Am 30. Oktober 1955 weihte der Barmer Verschönerungsverein in Anwesenheit Paul Döppers den Platz ein, indem der Wuppertaler Oberbürgermeister Heinrich Schmeißing und der 1. Vorsitzende des BVV, Wilhelm Vorwerk, eine Metallkapsel mit einer Urkunde und Zeitdokumenten in einer Aussparung der Mauer ablegten. Anschließend setzte man die Gedenktafel davor. Historische Aufnahmen zeigen den trotz Regen vollbesetzten Platz. Heute unvorstellbar!

Foto: Conrads

Trotz der Stilllegung der Barmer Bergbahn am 4. Juli 1959 und Abbau der Haltestelle „Talblick“ hat der Ort nichts von seiner Attraktivität verloren. Dazu haben Investitionen im Rahmen des Förderprogramms der „Regionale 2006“ beigetragen. Es gibt ausreichende Gelegenheiten, sich auf den Bänken niederzulassen und einen der besten Blicke auf Barmen zu genießen. Neuerdings taucht im unteren Wiesenbereich des Fischertals, wo vor wenigen Jahren eine Leihgabe von Tony Cragg stand, eine neue Skulptur mit dem Titel „Stein für die Begegnung“ auf. Das Künstlerpaar Livia Kubach und Michael Kropp aus Bad Münster am Stein hat das Kunstwerk für die Stifterfamilie Prange geschaffen.


Barmer Kopf

Foto: Archiv BVV

von Eynern junior, Friedrich

Ein Leben für Barmens wirtschaftliche Entwicklung und ein Herz für Kirche und die Barmer Anlagen

Friedrich von Eynern junior wurde am 9. Dezember 1834 in Barmen geboren und starb am 24. Februar 1893 in seiner Heimatstadt infolge einer Lungenlähmung. Ein Wegestern am oberen Ende der oberen Barmer Anlagen, heute bewaldet, wurde nach Ernst von Eynern benannt.

Leben

Friedrich von Eynern stammte aus einer seit Ende des 18. Jahrhunderts in Barmen ansässigen Familie, deren Wurzeln allerdings in Westfalen, z.B. Schwelm, zu finden sind. Dr Familienname leitet sich von den einstigen Besitzern des Sattelhofes Einern ab. Vater Friedrich von Eynern senior (1805-1882), zählte zu den markantesten Persönlichkeiten seiner Vaterstadt. Der Sohn heiratete 1861 Emilie Rittershaus (geboren am 10. Dezember 1837 in Barmen), Tochter von Wilhelm Rittershaus, Teilhaber der 1818 gegründeten Firma Schlieper, Wülfing & Co. Gemeinsam mit Vater (er war von 1834 bis 1838 Mitglied der Kammer) und Bruder Ernst (1838-1906) hatte er ein Jahr vorher, am 1. Januar 1861, die Farbstoff- (Indigo-) Handlung Friedrich von Eynern Söhne gegründet.

Während sich der Bruder dem Gemeindewesen gewidmet hatte, betätigte sich von Eynern junior auf wirtschaftlichem Gebiet. Von 1867 bis 1871 war er Mitglied der Handelskammer von Elberfeld und Barmen und ab 1874 Mitglied der Handelskammer zu Barmen. Dieses Gremium wählte ihn 1882 zum stellvertretenden Vorsitzenden und 1884, nach dem Tode von Friedrich Wilhelm Osterroths, zu ihrem Präsidenten. Er galt als Vertreter der gemäßigten Handelsfreiheit und nahm verschiedentlich in der Öffentlichkeit Stellung gegen die von der Regierung angestrebte Schutzzollpolitik, besonders im Städtetag in Berlin. Durch seine Initiative konnte mit Unterstützung der Stadt Barmen eine freiwillige kaufmännische Fortbildungsschule ins Leben gerufen werden, in deren Kuratorium er Vorsitzender wurde. 1885 wurde die ersten „Fortbildungsschule“ durch den „Kaufmännischen Verein e.V. zu Elberfeld gegründet die als Vorläufer der Handelsschule in Barmen gilt. Die Eröffnung der „obligatorischen Fortbildungsschule Barmen“ datiert ins Jahr 1924. Die Tradition lebt im Berufskolleg Barmen fort. Dazu passt, dass Friedrich von Eynern junior auch stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Wupperfelder Realschule (Handelsschule) war.

Der Familientradition entsprechend betätigte sich von Eynern junior in der lutherischen Kirchengemeinde Wupperfeld (heute: Evangelische Kirchengemeinde Gemarke-Wupperfeld) als Kirchmeister. Im Gemeindegebiet, wo eine Von-Eynern-Straße (ab 1847/50) benannt ist, hat die Familie gewohnt. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm 1889 der Titel „Kommerzienrat“ verliehen.

Am 8. Dezember 1864 hat Friedrich von Eynern junior den Barmer Verschönerungsverein mitgegründet.

Die Familie von Eynern war im 19. und 20. Jahrhundert in der 1801 gegründeten Barmer Gesellschaft „Concordia“ aktiv: Sieben Familienmitglieder waren zwischen 1816 und 1917 Direktoren. Noch heute hat die „Concordia“ ihren festen Platz gegenüber vom Rathaus im Werth. Früher trafen sich dort die Honoratioren.

Denkmal für Ernst von Eynern

Ruth Meyer-Kahrweg schrieb 1991 in ihrem im Born-Verlag erschienenen Standardwerk „Denkmäler, Brunnen und Plastiken in Wuppertal“:

Im Juli 1907 ließ der BVV zu Ehren des im Jahr zuvor verstorbenen Abgeordneten Ernst von Eynern in den Barmer Anlagen auf einem Platz in der Nähe des „Saatkamps“ einen Gedenkstein errichten. Die Ausführung des Steins war dem Barmer Grottenbauer Friedrich Sauerzapf übertragen worden. Im Stil der damaligen Zeit türmte er Hausteine zu einem etwa drei Meter hohen Hügel auf und fügte ihm in der Mitte einen unregelmäßig geformten Granitstein ein, der den Text „Ernst-von-Eynern-Platz“ erhielt.

Heute besteht der Gedenkstein nur noch aus dem beschrifteten Mittelteil, dem einige der Grottensteine beigelegt wurden.

Ernst von Eynern wurde am 2. April 1838 in Wupperfeld geboren und er starb in der Nacht vom 1. zum 2. November 1906 durch einen Unglücksfall in Barmen. 1875 wurde er als Nationalliberaler zum Stadtverordneten von Barmen gewählt, 1879 in den Provinziallandtag berufen und im selben Jahr durch den Wahlkreis Lennep-Remscheid-Solingen in den preußischen Landtag gewählt.

An der Seite Bismarcks verteidigte er 27 Jahre lang  das Interesse des Reiches gegen die Bestrebungen des demokratischen Fortschritts, des Ultramontanismus und des Marxismus, aber auch der orthodox-kirchlich eingestellten Konservativen. 1894 wurde ihm von Kaiser Wilhelm II. der erbliche Adel verliehen. Seine Witwe überwies 1907 dem BVV 20.000 Mark zum Andenken an ihren Gatten.

 

 


Kontakt zum BVV

Bürozeiten: Mo. - Do.
09.00 - 14.00 Uhr

Telefon: 0202 55 79 27
Mail: info@barmer-anlagen.de

IBAN:
DE76 3305 0000 0000 1215 17